9. Juli 2009

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Mit kühlem Kopf und heißem Herzen: zum Tod von "Patenminister" Konrad Grundmann

Konrad Grundmann ist am 29. Mai 2009 im Alter von 84 Jahren in Krefeld gestorben. Die nordrhein-westfälische Landtagspräsidentin Regina van Dinther (CDU) hat den verstorbenen früheren Sozialminister von Nordrhein-Westfalen gewürdigt. Mit seinem Namen blieben der Ausbau des Gesundheitswesens und der Einsatz für Kinder aus sozial schwachen Familien verbunden, erklärte sie einem Bericht der Rheinischen Post zufolge. Der am 8. Januar 1925 in Krefeld geborene CDU-Politiker war von 1959 bis 1966 NRW-Sozialminister und mithin auch „Patenminister“ des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V., den er mit bemerkenswertem Engagement gefördert hat und dem er zeitlebens eng verbunden geblieben ist.
Landtagspräsidentin Regina van Dinther würdigte den Verstorbenen als einen Politiker, der von der unmittelbaren Nachkriegszeit an in seiner Heimatstadt Krefeld wie auch im Land Nordrhein-Westfalen tatkräftig dafür gearbeitet habe, ein modernes und soziales Gemeinwesen aufzubauen und weiterzuentwickeln. Die Landtagspräsidentin hob das jahrzehntelange soziale Engagement des Christdemokraten hervor. Arbeit, Gesundheit und Soziales waren die Haupttätigkeitsfelder des überzeugten Gewerkschafters und führenden Repräsentanten des Arbeitnehmerflügels in der rheinischen CDU im Landtag NRW, dem er von 1954 bis 1985 angehörte. Von 1959 bis 1966 war Konrad Grundmann nordrhein-westfälischer Minister für Arbeit und Soziales. Mit dem Namen Grundmann blieben der Ausbau des Gesundheitswesens und die Aufstellung von Luftreinhalteprogrammen in NRW sowie der Einsatz für Kinder aus sozial schwachen Familien verbunden, so die Landtagspräsidentin. Für sein kommunalpolitisches Engagement ist Grundmann von der Stadt Krefeld mit dem Stadtehrenring ausgezeichnet worden.

Den Anliegen von Minderheiten und Heimatvertriebenen hat der Sozialpolitiker besonderes Augenmerk gewidmet, stets bedacht auf sozialen Ausgleich und eine erfolgreiche Integration. In sein Tätigkeitsfeld im Landtagsausschuss für Arbeit, Soziales, Gesundheit fielen in den Jahren 1970 bis 1980 eben auch die Belange der Vertriebenen und Flüchtlinge. Von Konrad Grundmanns langjährigem segensreichem Wirken kündet zudem das von der Stiftung „Gerhart-Hauptmann-Haus“ herausgegebene West-Ost-Journal (Ausgabe vom Juli/August/September 2009). In dem dort veröffentlichten Nachruf von Winfried Halder heißt es: „Konrad Grundmann hat schon an der Entstehung des damaligen Hauses des Deutschen Ostens in Düsseldorf vor einem halben Jahrhundert wesentlich mitgewirkt, er hat Mitverantwortung getragen für die Umbenennung in Gerhart-Hauptmann-Haus vor inzwischen bald 20 Jahren. Und er hat das Amt des Vorstandsvorsitzenden bis zum Tod behalten. Als letztes in einem an öffentlichen Ämtern und Funktionen wahrhaft reichen Leben.“

Engagement für Drabenderhöhe

1957 hat das Land Nordrhein-Westfalen die Patenschaft für die Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen übernommen. Zwei Jahre später erfolgte Grundmanns Amtsantritt als Arbeits- und Sozialminister in NRW, wodurch er unser „Patenminister“ wurde. Die Chemie stimmte zwischen Patenkind und -onkel: ...Die Chemie stimmte zwischen Patenkind und -onkel: Ständchen für Konrad Grundmann beim Heimattag 1960 in Dinkelsbühl. Foto: A. Baumgartner In seine Amtszeit fiel die „Vier-Punkte-Erklärung“ zur Heimatpolitik, die vom landsmannschaftlichen Verband und der Regierung des Patenlandes in Düsseldorf erarbeitet wurde.

Den Anliegen der Siebenbürger Sachsen hat sich Grundmann in hohem Maße verpflichtet gefühlt. So setzte er sich für die Realisierung der Siedlung der Siebenbürger Sachsen auf Drabenderhöhe ein. Er leistete politische Überzeugungsarbeit mit nachhaltigem Erfolg. Wie die Bundesfrauenreferentin Enni Janesch, auch Kreisgruppenvorsitzende von Drabenderhöhe, gegenüber der Siebenbürgischen Zeitung in Erinnerung rief, habe sich Grundmann seit seinem Amtsantritt als Arbeits- und Sozialminister als „Freund der Siebenbürger Sachsen“ erwiesen. Bemerkenswert seien seine Präsenz bei vielen Veranstaltungen und seine Festansprachen (Heimattag in Dinkelsbühl u. a. in den Jahren 1959, 1960, 1963; Kulturtage in Bad Oeynhausen, 1962; Tage der Begegnung, 1963; Besuch in der siebenbürgischen Bergmannssiedlung Herten-Langenbochum, 1962 und 1964, sowie im Siebenbürgenheim in Rimsting, 1963). Bleibende Verdienste habe sich der Sozialpolitiker als Förderer der in Drabenderhöhe gebauten, weltweit größten Siebenbürger-Sachsen-Siedlung erworben. Die Realisierung der Gemeinschaftsbauten, von Kindergarten, Jugendheim und Altenheim sowie Schulbauerweiterung, ist mit Unterstützung der Landesregierung von NRW erfolgt. Grundmann sei ein guter Freund von Robert Gassner, dem „Vater der Siedlung“, gewesen, betont Enni Janesch. Besagter Robert Gassner überliefert (in „Heimat im Wandel der Zeiten - Zehn Jahre Siebenbürger-Sachsensiedlung-Drabenderhöhe“, 1976): „Am 22. Dezember 1961 besuchte der Arbeits- und Sozialminister Konrad Grundmann das Baugelände und stellte in der anschließenden Pressekonferenz den Willen der Landesregierung unter den Leitsatz: ‚Mit kühlem Kopf und heißem Herzen bauen‘. Dieser Satz wurde zur Richtschnur“.

Janesch schildert eine Begebenheit, die sich bei der Einweihung der Siedlung im Juni 1966 - Konrad Grundmann hielt die Festansprache - zugetragen hat: „Bei dem Sturm drohte das Zelt umzukippen. Grundmann sprang beherzt auf die Bühne und beruhigte das Publikum, so dass eine Panik vermieden werden konnte.“ Mit heißem Herzen und kühlem Kopf. Konrad Grundmann habe die Siedlung noch oft besucht und sei erfreut gewesen über deren Entwicklung, merkt die Kreisgruppenvorsitzende von Drabenderhöhe an. Mehrmals habe ihn sein großes Interesse nach Siebenbürgen geführt.

Grundmanns Verbundenheit mit dem Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland blieb zeitlebens unverbrüchlich. So war der ehemalige „Patenminister“ am 10. Mai 2007 im Landtag in Düsseldorf zugegen, als das 50-jährige Jubiläum der Patenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen für die Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen mit einem Festakt gefeiert wurde. In seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus eröffnete Grundmann schließlich die Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturtage 2007 im Gerhart-Hauptmann-Haus in Düsseldorf. Der Verband der Siebenbürger Sachsen wird Konrad Grundmann stets ein ehrendes Andenken bewahren.

Christian Schoger

Schlagwörter: Patenschaft, Nordrhein-Westfalen, Nachruf, Drabenderhöhe

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