12. Juli 2011

Kirche setzt Kirchenburgenprojekt um

Zwischen 160 und 200 Kirchenburgen und Wehrkirchen gibt es in Südsiebenbürgen. Für die Evangelische Kirche sei der Umgang mit diesem architektonischen Erbe eine große Herausforderung, erklärte Dr. Stefan Cosoroabă, Projektmanager der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, da viele der Kirchenburgen ihre ursprüngliche Bestimmung verloren hätten. „Der Plan der Kirche ist es, ihnen eine kulturell-touristische Funktion zu geben.“ Funktionen, ergänzte er, die den lokalen Gemeinschaften und der gesamten Gesellschaft zu Gute kommen.
Ein Baustein in diesem Plan ist die Konsolidierung von 18 Kirchenburgen mit EU-Geldern. Das Projekt gehe auf eine Idee der Leitstelle Kirchenburgen aus dem Jahr 2007 zurück, erläuterte Hauptanwalt Friedrich Gunesch. Nach der Ausarbeitung durch die beim Landeskonsistorium in Hermannstadt angesiedelte Leitstelle reichte die Kirche den Projektantrag bei der Regionalen Entwicklungsagentur Zentrum (ADR Centru) ein. Nach der Genehmigung 2009 wurde der Finanzierungsvertrag mit dem Ministerium für Regionale Entwicklung im Oktober 2010 unterzeichnet. Der Gesamtwert des Projektes beträgt 5,23 Millionen Euro, von denen 3,94 Millionen über die Achse 5.1 des Regionalen Operationellen Programms finanziert werden. Bis Ende 2013 müssen die Arbeiten an allen Kirchen abgeschlossen sein.

Am 22. Juni gaben Cosoroabă und Gunesch auf einer Pressekonferenz im Hermannstädter Bischofspalais den Baustart an neun der 18 Kirchenburgen bekannt. Der simultane Start aller Arbeiten sei mit den vorhandenen Ressourcen nicht machbar gewesen, sagte Valentin Păun von der mit dem Projektmanagement beauftragten Firma GPA Business Management. Die übrigen neun Kirchenburgen sollen 2012 an die Reihe kommen.
Valentin Păun, Friedrich Gunesch und Dr. ...
Valentin Păun, Friedrich Gunesch und Dr. Stefan Cosoroabă (von links) informierten über den Beginn des Kirchenburgenprojekts. Foto: Holger Wermke
Ausgeführt werden die Arbeiten in Losen mit je drei Kirchenburgen. Die Hermannstädter Unternehmen Sinecon und Taco Impex erhielten den Auftrag für die Arbeiten in Neithausen, Probst­dorf und Schönberg. Der Wert des Auftrages beläuft sich auf rund 630000 Euro. In Bodendorf, Deutsch-Kreuz und Meschendorf arbeitet die Firma Instalatorul. Sie erhält hierfür rund 847000 Euro. Das Konsortium Conpazo aus Schäßburg und Macops aus Ordoheiu Secuiesc ist mit den Arbeiten in Arkeden, Klosdorf und Trappold im Wert von rund 844000 Euro beauftragt.

Neben dem baulichen Erhalt werde in die touristische Infrastruktur sowie die Sicherheit investiert, informierte Projektmanager Păun. Die historischen Bauwerke verfügten nach Abschluss des Projektes über Toiletten und Bänke, außerdem würden Überwachungskameras installiert. Diese Maßnahmen sind Teil der touristischen Strategie, die für das EU-Projekt erarbeitet werden musste. Historisch betrachtet hätten die Kirchen vor der jetzigen Umwidmung einen mehrfachen Nutzungswandel erlebt, sagte Cosoroabă. Errichtet als religiöse Bauten, wurden die Kirchen(-areale) später zu Wehrbauten erweitert, als Lagerort für Lebensmittel und für schulische Zwecke genutzt. Rund 100000 Besuche zählen die Kirchenburgen jedes Jahr, von 30000 Gästen in der zum Unesco-Weltkulturerbe gehörenden Kirchenburg (samt Dorf) in Birthälm bis zu wenigen Dutzend in unbekannteren Dörfern. Diese Zahl soll bis 2013, 2014 auf 150000 steigen, so Cosoroabă, vor allem durch mehr nichtdeutsche Besucher. Deren Anteil liege derzeit bei rund 50 Prozent.

Die zum Projekt gehörenden Kirchenburgen stehen zum großen Teil noch nicht auf den Programmen von Touristen und Reiseveranstaltern (neben den genannten zählen dazu die Stadtpfarrkirche Mühlbach, die Gräfenburg Urwegen, die Kirchenburgen Kleinschenk, Eibesdorf, Hetzeldorf, Kirtsch, Malmkrog, Waldhütten sowie das ehemalige Zisterzienserkloster Kerz). Daher sei das Kirchenburgen-Projekt als eine „Komplettierung des bereits existierenden Angebots“ zu verstehen, erklärte Cosoroabă.

HW

Schlagwörter: Siebenbürgen, Kirchenburgen, Restaurierung, EU

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