17. Juni 2015

Laudatio auf das 65. Pfingsttreffen der Siebenbürger Sachsen

Der Schönauer Daniel Theil, der beim diesjährigen Heimattag vor der Schranne den Burschen im Rinnenwagen den Wein geschenkt hat, hat seine Gedanken zum Pfingsttreffen in Versform niedergeschrieben.
An Pfingsten 2015 sind die Siebenbürger Sachsen
wieder einmal über sich hinaus gewachsen.
Das Motto „Identität lohnt sich“ war ein Volltreffer sicherlich,
denn es war ein Heimattag mit viel Gefühl auch dieses Jahr in Dinkelsbühl.
Es lief alles wie geschmiert –
kein Wunder, denn es war vom Zwischenkokelgebiet mitorganisiert.
Das erste Highlight für wenig Geld begann schon Freitagabend in dem Zelt.
Nik P., der berühmte Schlagerstar, der aus Österreich eingeladen war,
grüßte mit: „Guten Abend Siebenbürger“ die Menge von der Bühne oben,
da fing das gesamte Zelt laut an zu toben.
Als er dann sang von „Braungebrannter Haut“,
wurde es ganz besonders laut,
und bei „Ein Stern, der deinen Namen trägt“, seinem größten Hit,
da ging die Menge richtig mit.
Schade, als auch die Zugabe war zu End, verließ er die Bühne mit seiner Band.
Wie im Flug verging die Zeit, Samstagnachmittag folgte das nächste Highlight.
Sie hatten wirklich alles im Griffe, wie man sieht, die Mitorganisatoren vom Zwischenkokelgebiet.
In der Schranne bis hinten voll mit Publikum
präsentierten sie uns eine Veranstaltung über Brauchtum.
Ja, im gut besetzten Saale zeigte man uns Hochzeitsbräuche aus dem Kokeltale.
Ein pures Gänsehautgefühl in der Schranne in Dinkelsbühl,
als das Lied „Lebt wohl, geliebte Eltern“ erklungen, von einer der Bräute live gesungen.
Weil alle, die mitgemacht, ihr Bestes gegeben, möchte ich auch keinen namentlich hervorheben.
Denn diese Laudatio ist ein Loblied an das gesamte Zwischenkokelgebiet.
Eine Attraktion, das ist wahr, war auch das kleine Bidderpaar.
Von den vielen Zuschauern nicht erschreckt, haben sie stolz mit sächsischem Dialekt,
als hätten sie das schon immer gemacht, dem Brautpaar ihr Geschenk überbracht.
Denn auch das war im Zwischenkokelgebiet so Brauch,
die Brautpaare beschenkten sich am Hochzeitstage gegenseitig auch.
Noch so mancher Hochzeitsbrauch wurde präsentiert,
fachmännisch von zwei Moderatorinnen moderiert.
Als dann die Veranstaltung war zu End, klatschten alle kräftig in die Händ‘.
Doch schon beim Verlassen der Schranne waren wieder alle entzückt,
draußen stand ein Rinnenwagen schön geschmückt.
Ein Brauch, der in Siebenbürgen einzigartig war, die Rinnen ein Einzelexemplar.
Dieser Brauch, ich sage es vorneweg, diente einem guten Zweck.
Damit die Bauern sich erfrischen konnten bei der Feldarbeit,
wurden jedes Jahr um die Pfingstzeit
von den Burschen des Dorfes die Quellen auf den Feldern geputzt,
von wo die Bauern das Wasser zum Trinken genutzt.
Damit das Wasser der Quellen blieb frisch und kalt,
schmückten die Burschen einen Wagen mit Laub aus dem Wald.
Singend fuhren sie anschließend mit dem Wagen durch den Ort,
die Rinnenlieder kannte jeder dort.
Vor jedem Bauernhaus hielten sie an und bekamen als Dank einen Krug Wein.
Damit aber die Quellen das ganze Jahr lang fließen,
musste man den Rinnenwagen mit Wasser begießen.
Der liebe Gott hat nicht gewollt, dass edler Wein verderben sollt,
deshalb hat er uns nicht nur die Reben, sondern auch den nötigen Durst dazu gegeben.
Ein Besuch bei der Ausstellung im Spitalhof musste sein,
im Zwischenkokelgebiet gab es guten Wein.
Und wer vom Baaßner Schwein gegessen, hat ein Gläschen Wein nie vergessen.
So nähert der Samstag mit viel Heimatgefühl sich dem Ende zu in Dinkelsbühl.
Ich bitte euch, mich nicht falsch zu verstehen, es dachte noch keiner ans Schlafengehen.
Es wurde noch bis spät in die Nacht in der Schranne und im Zelt getanzt und gelacht.
So, dass mancher in den Morgenstunden sein Nachtquartier kaum noch hat gefunden.
Doch am Sonntagmorgen, gerade wie eine Eiche,
standen die Siebenbürger bereit zum Umzug auf der Bleiche.
Keiner hat schlapp gemacht, alle waren sie da in der Tracht.
Ich glaube, ich habe es irgendwo gelesen, 3000 Trachtler sind es gewesen.
Und als es vom Kirchturm halb elf schlug, ging pünktlich los der Trachtenzug.
Mit Brautpaaren, Rinnenwagen, Tanzgruppen und Blasmusik,
mit groß und klein, mit dünn und dick.
Ein Bild, das keiner so schnell vergisst, auch wenn er nicht Siebenbürger ist.
Und vor der Schranne, wie jedes Jahr, das Pult der Moderatoren war.
Die hatten jede Gruppe genau studiert und den gesamten Umzug moderiert.
Und das bei strahlendem Sonnenschein, auch der liebe Gott muss ein Siebenbürger sein.
Doch bevor ich ende, will ich nicht vergessen:
„Danke an alle, die gesorgt für Trinken und Essen“.

Half Gott uch Gott erhäuld ich

Geschrieben hat euch diese Zeil
ein Schönauer Landsmann, Daniel Theil.

Schlagwörter: Heimattag 2015, Zwischenkokelgebiet, Gedicht

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