21. August 2019

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HDH organisierte Reise durch Siebenbürgen, das Buchenland und die Moldau

Die Heimatgemeinschaft der Deutschen aus Hermannstadt (HDH) trat mit 30 Personen nach einem gemeinsamen Abendessen im Restaurant Dobrun in Hermannstadt eine zehntägige Reise an. Von allem etwas sollten und wollten wir vom 23. Juni bis 3. Juli sehen, die Vielfalt – sei es Landschaft, Kultur oder Menschen – hatte die Organisatorin im Hinterkopf, die Begegnung mit Bekanntem und Unbekanntem stand im Fokus.
Am Montag in der Früh ging es in einem modernen Reisebus mit dem besten Fahrer – Marcel – und mit Victoria Nitu, Vicky genannt, nach Hamruden, wo wir der Einladung der HOG Hamruden zu Kaffee und Strietzel folgten. Wir bewunderten den reich verzierten Altar, den fünfeckigen Speckturm und Überreste der wunderbaren Fresken, die von 1370 datieren.

In Katzendorf wartete Frieder Schuller auf uns mit Speis und Trank. Rebi, die alte Romafrau, meine Zigeunerin und zwei ihrer Enkel schienen dem Buch „Auf leisen Sohlen. Annährungen an Katzendorf“ entstiegen zu sein. Es folgte eine Lesung mit Vicky am Klavier. Das frisch renovierte Hotel in Neumarkt überforderte mit seinen modernen sanitären Anlagen und der Klimaanlage einige der Reisenden.

Das nur ein paar Kilometer nördlich gelegene ungarische Schloss – Teleki – mit seinem beeindruckenden Park und zahlreichen allegorischen Statuen brachte uns durch den am Vorabend aus Brüssel angereisten Schlossherrn die Welt der ungarischen Schlösser näher.

In Sächsisch-Regen, „Stadt der Geigen“ und Geburtsort des Komponisten Rudolf Wagner-Régeny, des Märchensammlers Josef Haltrich und des Dichters Georg Maurer, besuchten wir die Musikinstrumentenfabrik „Hora“. Einzelne Holzarten und deren Lagerung wurden uns erklärt sowie die Fertigung der Instrumente.

Weiter ging es nach Botsch zu einer Weinverkostung auf das seit 2010 existierende Weingut Liliac nahe Lechnitz, das von einem Österreicher geführt wird. Während einige dem Wein kräftig zusprachen, bewunderten andere die wie von Zauberhand hingeworfene Hügellandschaft, das flimmernde Sonnenlicht, die mit Einsamkeit gemischte Stille, die Weinberge mit den integrierten Nussbäumen.

Vicky führte uns bei einem Abendspaziergang durch Bistritz, wo vier unserer Landshuter Mitreisenden sich auf Spurensuche nach ihren siebenbürgischen Vorfahren begaben. Die im gotischen Stil erbaute evangelische Kirche mit dem höchsten Turm Siebenbürgens konnten wir wegen Renovierungsarbeiten nicht besuchen.Gruppenbild mit Reisenden der Heimatgemeinschaft ...Gruppenbild mit Reisenden der Heimatgemeinschaft der Deutschen aus Hermannstadt. Foto: Hans Migendt An Tag 4 erlebten wir einen schönen Traum am künstlich angelegten Stausee Colibiţa, beschützt von den imposanten Bergen des Călimani-Gebirges. Weiter ging es durch wechselnde hügelige Landschaften, die wie Variationen auf ein Thema anmuteten.

Sehr früh fuhren wir am nächsten Morgen zur Wassertalbahn nach Oberwischau. Hier leben die Zipser und das Wassertal zieht sich, beginnend bei Oberwischau, über 50 km bis zum Quellgebiet des Vaser unterhalb des Inisoara-Gipfels. Mit der noch heute holzbefeuerten Dampflokomotive, wohl die weltweit letzte echte Waldbahn mit Dampfbetrieb, fuhren wir die kurvenreiche Strecke über Brücken durch das wildromantische Karpatental.

Von Borşa ging es über den Prislop-Pass ins Buchenland. Unterwegs besuchten wir das Huzulendorf Lucina mit dem Pferdegestüt. Ob je ein so großer Reisebus sich auf diesen unwegsamen Wegen in eine atemberaubende Landschaft verirrt hat? Die Huzulen sind ein Bergvolk in den Karpaten. Sie betrachten sich selbst als Ukrainer, sprechen einen russischen Dialekt, der nicht nur mit rumänischen Wörtern, sondern auch mit deutschen versetzt ist, wohl noch aus der Zeit der Österreich-Ungarischen Monarchie. Die Pferde, die wir auf dem Gestüt zu sehen bekamen, sind Nachkommen der zurückgelassenen Tiere der mongolischen Armee. Der Leiter des Gestüts zeigte uns einige Pferde, die auch Huzulen genannt werden, in den Ställen. Die Huzulen sind ein gottesfürchtiges Volk. Drei Arbeiter saßen neben einer Hütte und aßen Fastenessen. Ich fragte sie nach ihren Namen und einer sagte mir, dass er Gernot hieße. In Pojorata, ebenfalls einem Huzulendorf, aßen wir im „Hanul Păstrăvului“ zu Mittag. Essen (Steinpilze u. a.) und Bedienung waren erstklassig.

Kloster Voroneţ, das auch als „Sixtinische Kapelle des Orients“ bezeichnet wird, besuchten wir am Nachmittag. Nach den anschaulichen Erklärungen Vickys werden wir das Jüngste Gericht wahrscheinlich immer mit der bestechenden blauen Farbe in Verbindung bringen.Unterwegs mit der Wassertalbahn. Foto: Martina ...Unterwegs mit der Wassertalbahn. Foto: Martina Nitzek Am Samstag überquerten wir die Grenze bei Siret, wo wir einen Sprung in die Zeit vor der Wende machten. Wir hatten Glück und mussten nur zwei Stunden warten. In Tschernowitz, der Stadt, die hauptsächlich am rechten Ufer des Pruths liegt, verfielen wir dem eigenartigen Charme der Stadt. Bei einem Spaziergang, der beim alten Rathaus mit seiner wechselvollen Geschichte begann, ging es zum Theaterplatz mit seinem Theater, das baugleich mit dem Stadttheater von Fürth ist. Davor gibt es eine Allee der Sterne, wo wir den Stern Joseph Schmidts gefunden haben. Auf der Flaniermeile der Stadt, der einstigen Herrengasse und jetzigen Olga Kobylanska, entdeckten wir das Paul-Celan-Literaturzentrum. Wir erlebten Tschernowitz an einem Sommertag bei einer Temperatur von 18 Grad und je nach Phantasie und Interessen entstand vor dem Auge des Betrachters die Stadt, die zu Recht „Stadt der toten Dichter“ genannt wird. Am frühen Nachmittag besuchten wir die von Franz Joseph I. 1875 gegründete Universität im früheren Sitz des Metropoliten der Bukowina und Dalmatiens. Der Gebäudekomplex ist seit 2011 auf der Weltkulturerbeliste der UNESCO. Die Kathedrale, eine der beeindruckendsten ihrer Art, hinterließ tiefe Spuren bei den Besuchern.

Im Hotel Bukowina ließ ein riesiges Frühstücksbüfett mit Käsesorten in allen Farben die Herzen höher schlagen. Durch endlose Straßen, gesäumt von meistens älteren Frauen, die vor sich auf dem Boden Habseligkeiten oder etwas Obst und Gemüse ausgebreitet hatten, fuhren wir zum 1866 gegründeten Jüdischen Friedhof, der mit 55000 Gräbern zu den größten erhaltenen in Mittel- und Osteuropa zählt.

Jassy, die Stadt auf den sieben Hügeln im Osten Rumäniens, war die vorletzte Station unserer Reise. Vicky gab uns einen Überblick über die Geschichte dieser Stadt, die von manchen als „Wiege der rumänischen Kultur“ betrachtet wird. Erstmals wurde Jassy im 14. Jahrhundert zur Zeit von Alexandru cel Bun erwähnt. Doch Vicky sprach auch über Jassy als ehemaligen Siedlungsschwerpunkt der rumänischen Juden und das Pogrom in der Stadt, das lange Zeit von den Kommunisten verschwiegen wurde. Der im neogotischen Stil erbaute Kulturpalast beherbergt vier Museen, darunter die größte Kunstsammlung des Landes, sowie eine Bibliothek. Wir hatten das Glück, die beeindruckende Metropoliten-Kirche kurz vor Sperrstunde als einzige Besucher sehen zu dürfen, ebenso das wunderbare Theater noch geöffnet vorzufinden und zu besichtigen.

Über Piatra Neamţ ging es zurück nach Siebenbürgen durch die gebirgige Landschaft der Ostkarpaten. Wir machten einen kleinen Spaziergang durch die Bicaz-Klamm, hielten kurz am Roten See, auch Mördersee genannt, und erreichten am Abend Tușnad.

Der letzte Tag führte uns in das Dorf Măgura, das in der Zeitschrift National Geographic als das schönste Dorf gepriesen wird. Hier wurden wir von Hermann Kurmes und seiner Mannschaft mit Kleinbussen zur Pension Villa Hermani mit einem atemberaubenden Panorama abgeholt. Die Rückkehrer Katharina und Hermann Kurmes sind ein Paradebeispiel dessen, was möglich ist, wenn westliche Qualitätsmaßstäbe mit lokaler Urwüchsigkeit und Authentizität verbunden werden. Der Aufenthalt hier wurde von einigen als das Sahnehäubchen der Reise bezeichnet.

An dieser Stelle möchten wir nochmals großen Dank und Lob unserem Fahrer Marcel aussprechen sowie unserer geduldigen Reiseleiterin Vicky. Ich schließe mit den Worten Martin Bubers: „Alle Reisen haben eine heimliche Bestimmung, die der Reisende nicht ahnt“.

Dagmar Dusil

Schlagwörter: Reise, Siebenbürgen, Buchenland, Moldau, HDH, Bericht

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