14. Juni 2021

Völker, hört die Zugsignale: Radiosendung über Siebenbürgen

Der frühere DDR-Bürger Roland Barwinsky erzählt in dem Podcast „Abenteuer Eisenbahn – unglaubliche Reisen, erstaunliche Erlebnisse“ (Audiothek: https://www.mdr.de/mdr-thueringen/podcast/eisenbahn/audio-podcast-eisenbahn-folge-sieben-100.html) von seiner erlebnisreichen Reise mit der Bahn bis nach Siebenbürgen. Fehlte die Fahrkarte, konnte man den Schaffner im Notfall auch mit Schokolade und Kaffee bezahlen.
Bahngleise in Großau, dem „Dorf der Störche“ ...
Bahngleise in Großau, dem „Dorf der Störche“
Diese mediale Zeitreise katapultiert hoffentlich entspannt Zuhörende zurück, sogar etwas weit zurück. Ganz schnell sind sie wieder da. Markante Bilder aus den späten 1980er Jahren. Wieder einmal sitzt ein Erlebnishungriger im Zug und harrt stundenlang aus. Es bewegt sich erst einmal nichts auf diesem Grenzbahnhof in Curtici. Dann ruckt und zuckt es trotzdem noch und gemächlich verlässt das Gefährt auf Schienen diesen Ort. Zuvor begutachteten rumänische Bedienstete alle Reisenden gründlich. Zumeist stammten diese seinerzeit aus den sozialistischen Bruderländern. Aber was zählte schon so ein abgedroschenes propagandistisches Lippenbekenntnis in einem Land, wo die Herrschenden bereits reichlich Angst vor dem eigenen Volk hatten und der tagtägliche Mangel zum Katalysator einer staatlich verursachten Schattenwirtschaft wurde. Genau solche Geschichten interessierten einen Journalisten für den Podcast „Rumänische Entdeckungen – Mit der Eisenbahn durch Siebenbürgen“.
Bahnhof in Hermannstadt ...
Bahnhof in Hermannstadt
Dabei öffentlich gewordene Erinnerungen bringen die Zuhörer schließlich bis nach Kleinkopisch (Copşa Mică). In der schwarzen Stadt entstand aus einer Reisebegleiterin schnell eine frisch verzierte „Pechmarie“ aufgrund der vor Ort herrschenden Luftschmutzverhältnisse. Und weiter geht die Fahrt. Auf dem Bahnhof in Hermannstadt denkt der Erzähler an seine allererste Nacht in dieser Metropole. Nur einen „Zugsprung“ von dort entfernt liegt das „Dorf der Störche“, wie es eine dem literarischen Publikum mittlerweile bestens bekannte und in Siebenbürgen geborene Autorin in ihrem jüngsten Erfolgsroman poetisch ausdrückte. Immer wieder tauchen aus dem Nichts weitere Begleitumstände von damals bei den „zugigen“ Fahrten durch dieses Land auf. Winkende und zuweilen bettelnde Kinder säumten beispielsweise tagsüber die Bahnsteige. Zumindest dort, wo internationale Züge ab und zu vorbei zuckelten.
Immer ein Erlebnis sind auch heutzutage ...
Immer ein Erlebnis sind auch heutzutage Zugfahrten durch Rumänien. Fotos: Roland Barwinsky
Genauso unvergessen blieben wunderbare Weitsichten, als zischende Lokomotiven den Marsch in die Berge ganz langsam antraten. Naturbeladene Blicke auf stürmische Flüsse, die parallel zum Gleisbett verliefen. Eine Bahnstation ganz woanders nannte sich sogar Liebling. So wie der Ort im flachen Banat, der sich noch immer dort befindet. Einst war das für junge Abenteurer genau der richtige Flecken, um kräftig Silvester zu feiern… In die Sendung eingebaut wurden historische Zeitungsberichte und ein paar Zitate, die ganz gut gepasst haben zum Thema Eisenbahn, langsame Fahrten, wunderschöne Landschaften plus kulturelle Vielfalt.

Roland Barwinsky

Schlagwörter: Zug, Radio, Barwinsky, Verkehr, Großau

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