6. Januar 2026

Gemeinnütziger Verein „Gutes tun und darüber reden“: Warum Pfarrer Johannes Waedt Fahrräder nach Rumänien bringt

Dieser Fahrradanhänger ist ein Hingucker. Er kann Geschichten erzählen, die schon 20 Jahre alt sind. Kindern und Jugendliche aus Deutschland, Siebenbürgen und Ungarn waren damit unterwegs am Donauradweg, an der Ostsee, in der Lüneburger Heide, am Main und in Oberbayern. In den Herbstferien hatte er oft gebrauchte Fahrräder zum Blauen Kreuz nach Kleinscheuern gebracht. Dort konnten suchtkranke Menschen diese Fahrräder reparieren, verkaufen und damit einen Teil ihrer Therapie bezahlen.
Diesmal waren 65 Fahrräder gesichert. Vorwiegend Kinderfahrräder. Siebenbürger Landsleute aus Mötzing, Regensburg, Bogen und ganz besonders aus Olching (München) haben fleißig gesammelt und angekarrt. Die Zugmaschine hatte uns der Missionsverein aus Heiligenstadt ausgeliehen. Die war auch voll beladen mit Sachen, die wir hier entbehren können. Das Ziel der Reise lag diesmal in Valenii de Munte, im Landkreis Prahova.

Am 3. November erreichten wir den Ortsteil Rizănești. Dort leben in zwei Kinderheimen 40 Kinder. Viele von ihnen haben vor drei Jahren hier eine Unterkunft erhalten. Sie mussten aus der Ukraine fliehen. Hier gehen sie zur Sonderschule und sprechen recht gut rumänisch. Die Auffälligkeiten der Kinder sind offensichtlich. Viele konnten es kaum begreifen, dass ein eigenes Fahrrad so greifbar nahesteht. Einer hatte sein ausgewähltes Fahrrad sogar geküsst. Dann hat er Pfarrer Tanase und mich öfters gefragt, ob dieses Fahrrad denn wirklich ihm gehört. Die Einrichtung ist einfach, aber sauber und sie wird ordentlich geführt.

Die Frage nach dem Alter der Kinder bei „Pro Vita“ beantwortete Pfarrer Tănase so: „Von minus acht Monaten bis plus 86 Jahre“. Der Schutz der ungeborenen Kinder hat hier Tradition, die bis in die Zeit vom Diktator Ceauşescu zurückgeht. Aber auch um ältere Menschen wird sich hier gekümmert. Tanase selbst ist 68 Jahre alt und hat in diesem Jahr den Ruhestand angetreten, damit er sich nur noch um den Verein kümmern kann.
Kinder von „Pro Vita“ freuen sich über die ...
Kinder von „Pro Vita“ freuen sich über die Fahrräder. Foto: Johannes Waedt
In einem anderen Tal im Übergang von den Süd- zu den Ostkarpaten liegt Valea Plopului. Hier hat „Pro Vita“ 150 Kinder und Erwachsene untergebracht. Ebenso viele Menschen werden in Valea Screzi, in einem weiteren Tal des Karpatenvorlandes betreut. Der Verein hat 25 Angestellte. Einnahmequellen sind das, was die Bewohner selbst erwirtschaften, und Spenden, vorwiegend in Naturalien. Die Familie von Pfarrer Tanase, der fünf Kinder hat, ist recht eingespannt in diese Arbeit. Unbegreiflich ist für mich, wieso der Staat bzw. EU-Fördermittel diese Arbeit nicht unterstützen. Umso wichtiger sind für mich solche Menschen wie der orthodoxe Pfarrer Tanase, der unermüdlich seinen Glauben in die Tat umsetzt. Beim Entladen der Fahrräder und Hilfsgüter packte er mit an. Anschließend essen wir gemeinsam. Wir reden darüber, dass wir voneinander viel lernen können. Wir wissen uns in einem wunderbaren starken Herrn verbunden und verabreden uns für nächstes Jahr.

Fahrräder sind begehrt in Rumänien. Wir möchten mit unserem kleinen Verein weitermachen. Wir wollen helfen. Bitte helfen Sie mit. Und bitte entsorgen Sie ihr altes Fahrrad nicht – bringen Sie es lieber vorbei, wenn Sie im Bayrischen Wald Urlaub machen. Fahren Sie ein letztes Mal damit und geben Sie ihm danach ein zweites Leben. Eine solche Nachhaltigkeit hinterlässt Spuren der Freude bei Kindern, die sich heute noch für ein gebrauchtes Geschenk freuen können.

Aktuell sind wir auf der Suche nach einem Kleinbus. Damit wollen wir öfters Gutes tun und Begegnungen ermöglichen. In unserer Satzung steht: „Der Verein unterstützt Begegnungen und Rüstzeiten von jungen Menschen aus Deutschland mit Jugendlichen aus Entwicklungs- und Schwellenländern in Europa, die im Rahmen der evangelischen, katholischen und orthodoxen Kirchen angeboten werden.“

Unsere Homepage ist im Aufbau: https://gutes-tun-und-darueber-reden-gemeinnuetziger-verei.jimdosite.com. Weitere Infos gibt es bei Pfarrer Johannes Waedt, Telefon: (0 94 22) 9 18 07 59. Oder schreiben Sie eine E-Mail an: johanneswaedt[ät]web.de

Pfr. Johannes Waedt

Schlagwörter: Verein, gemeinnützig, Waedt, Pfarrer, Fahrräder

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