6. Februar 2007

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Deutsche Weltmeister unter rumänischer Fahne

Deutschland ist Handball-Weltmeister! Bei der Weltmeisterschaft der Herren 2007 in Deutsch­land ist das „Wintermärchen“ wahr geworden. Der Finalsieg gegen Polen am 4. Februar in Köln bescherte dem Nationalteam den insgesamt dritten Weltmeistertitel, nach 1938 und 1978. Ein historischer Erfolg. Ein Blick in die Handball-Historie zeigt, dass deutsche Handballerinnen und Handballer – zwar nicht im deutschen Nationaltrikot – schon vor Jahrzehnten herausragende Erfolge bei internationalen Titelkämpfen errungen haben. So triumphierten Sieben­bürger Sachsen vor einem halben Jahrhundert bei der Handball-WM 1956, mit Abstrichen auch bei den Olympischen Spielen 1936, beide Male in Deutschland, beide Male unter rumänischer Fahne.
Am 6. Juli 1956 errang die Damen-National­mannschaft Rumäniens ihren ersten Welt­meistertitel. Den Einzug ins Finale der Groß­feldweltmeisterschaft schaffte die rumänische Mannschaft durch ein 3:1 über Österreich (in Karlsruhe) und ein 5:2 über Frankreich (in Mannheim). Beim Finale in Frankfurt am Main setzte sie sich gegen den Gastgeber durch. Die deutsche Frauennationalmannschaft unterlag mit 5:6. Zu einer Feier trafen sich unlängst neun Damen mit ihren Begleitern in Bukarest, um auf diesen Triumph anzustoßen. In dieser Mannschaft haben vier Siebenbürger Sächsinnen und eine Banater Schwäbin gestanden.

1956: Die Frauen-Nationalmannschaft gewinnt in Frankfurt am Main den ersten Weltmeister-Titel für Rumänien (stehend von links): Magda Draser-Haberpusch, Nicolae Nedeff, Elena Jianu, Mora Windt-Martini, Aurora Bran-Popescu, Ilona Nagy, Aurelia Salagean, Irene Günther, Carolina Raceanu-Carligeanu, Ileana Kolesnikow, Lucia Dobre, (hockend): Maria Scheip-Constantinescu, Josefine Ugron, Victoria Dumitrescu, Lucia Dobre, Elena Paduraenu, Anna Stark.
1956: Die Frauen-Nationalmannschaft gewinnt in Frankfurt am Main den ersten Weltmeister-Titel für Rumänien (stehend von links): Magda Draser-Haberpusch, Nicolae Nedeff, Elena Jianu, Mora Windt-Martini, Aurora Bran-Popescu, Ilona Nagy, Aurelia Salagean, Irene Günther, Carolina Raceanu-Carligeanu, Ileana Kolesnikow, Lucia Dobre, (hockend): Maria Scheip-Constantinescu, Josefine Ugron, Victoria Dumitrescu, Lucia Dobre, Elena Paduraenu, Anna Stark.

Von den 16 Spielerinnen, die das WM-Turnier auf dem Großfeld mitgemacht haben, sind die beiden Torsteherinnen Irene Günther-Kinn (stammte aus dem Banater Tschanad) und Anni Balint, Ilona Nagy-Klimowski und Carolina Raceanu-Carligeanu inzwischen gestorben. Am Treffen nahmen teil: Maria Scheip-Constantinescu, Elena Jianu, Elena Padureanu, Aurora Bran-Popescu, Victoria Dumitrescu, Aurelia Salagean, Lucia Dobre, Ileana Kolesnikow und Josefine Ugron-Stefanescu. Nicht dabei waren die in Deutschland lebenden Siebenbürger Sächsinnen Anna Stark-Stanisel, Mora Windt-Martini und Magda Draser-Haberpursch.

Der Erfolg von Frankfurt bedeutete den ersten Titelgewinn in einem Ballspiel in der Ge­schichte des rumänischen Sports. Die Mann­schaft hatte sich drei Jahre lang auf diese Weltmeisterschaft vorbereit. Zu den beteiligten Trainern gehörte auch der Mediascher Bruno Holzträger, der als Spieler an den Olympischen Spielen in Berlin 1936 teilgenommen hatte. Der Titelgewinn von Frankfurt ist der Auftakt zu einer einmaligen Erfolgsserie in der Hand­ballgeschichte. Die rumänischen Frauen wiederholten den Erfolg 1960 in Holland und wurden 1962 in Bukarest Weltmeisterinnen auf dem Kleinfeld.

Sieg über die USA bei den Olympischen Spielen 1936

Eine fast nur aus Siebenbürger Sachsen bestehende rumänische Auswahl belegte vor 70 Jahren den fünften Platz bei den Olympischen Spielen in Berlin (1. bis 16. August 1936) und setzte damals den ersten Schritt in eine erfolgreiche Zukunft, mit dem Gewinn von sieben Weltmeistertiteln (drei gehen auf das Konto der Frauen, vier auf das der Männer).

Die meisten der siebenbürgisch-sächsischen Spieler stellt der Hermannstädter Turnverein mit insgesamt zwölf: Karl und Fritz Haffer, Robert Speck, Alfred Höchsmann, Fritz Halmen, Günther Schorsten, Wilhelm Heidel, Johann (Oki) Sonntag, Hans Georg Herzog, Wilhelm Kirschner, Wilhelm Zacharias und Stefan Zoller. Jüngstes Mannschaftsmitglied war der Her­mannstädter Seminarist Hans Hermannstädter. Aufgestockt wurde die Mannschaft mit den Mediaschern Bruno Holzträger und Fritz Kasemiresch, dem Kronstädter Stippi Orendi und den Bukarestern Emil Dragan, Comanescu und Peter Fecsi. Mit dabei war auch Dr. Hans Zikeli, der letzte Bürgermeister Mediaschs bis zum Umsturz 1944. Von den siebenbürgisch-sächsischen Olympiateilnehmern leben noch drei: Hans Georg Herzog, 1915 in Mühlbach geboren, ist in Wien zu Hause; der gebürtige Hermannstädter Wilhelm Heidel und Hans Hermannstädter, 1918 in Neustadt bei Kronstadt geboren, haben Deutschland als neue Heimat gewählt.

Im ersten Vorrundenspiel traf die rumänische Mannschaft auf Österreich und verlor 3:18. Die Fachzeitschrift „Handball“ titelte: „Schönheit besiegt Eifer“. Im zweiten und letzten Vorrundenspiel verlor die rumänische Mannschaft erneut, diesmal 8:6 gegen die Schweiz. Im Spiel um den fünften Platz traten die jeweiligen Gruppenletzten USA und Rumänien gegeneinander an. In dieser Begegnung setzte sich Rumäniens größere Routine durch gegen Spieler, die in erster Linie vom Basketball zum Handball gewechselt waren. Mit 10:3 feierten die siebenbürgischen Handballer einen Sieg in Berlin. In der Endwertung belegte Rumänien den fünften Platz nach Olympiasieger Deutschland, Österreich, der Schweiz und Ungarn. Auf Platz sechs folgten die USA.

Johann Steiner

Schlagwörter: Sport, Sportgeschichte

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