18. Oktober 2012

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Generationswechsel bei der Blaskapelle Brenndorf

Eine Epoche ist beim elften Nachbarschaftstag der „Dorfgemeinschaft der Brenndörfer“ (HOG Brenndorf) am 22. September 2012 in Brackenheim zu Ende gegangen: Die Blaskapelle Brenndorf spielte zum letzten Mal unter der Leitung von Walter Dieners. Mit dem langjährigen Dirigenten wurden elf weitere Musikanten und damit eine ganze Generation verabschiedet.
Vier von ihnen waren Gründungsmitglieder der „Jungen Blaskapelle Brenndorf“ im Jahr 1955. Die „Ehrenurkunde“ der Dorfgemeinschaft wurde folgenden Musikern verliehen: Walter Dieners (Gründungsmitglieder, langjähriger Dirigent), Georg That (Gründungsmitglied, Vorstandsmitglied), Hans Otto Martini, Fritz Copony (Gründungsmitglieder), Otto Gliebe (Dirigent, Chronist), Horst Hergetz (Vorstandsmitglied), Martin Jekel, Hans Schmidts, Reinhold Mechel, Gerold Jekel, Paul Klöss und Pfarrer i.R. Helmut v. Hochmeister, dem auch als außergewöhnlichem Förderer der Gemeinschaft gedankt wurde.

Die Blaskapelle Brenndorf habe maßgeblich zum Erhalt der siebenbürgisch-sächsischen Kultur und Tradition in Brenndorf beigetragen, sagte der Vorsitzende Siegbert Bruss. Sie habe unser Leben musikalisch begleitet, sowohl bei Maifesten, Hochzeiten, Beerdigungen und Kulturabenden in Brenndorf als auch bei großen oder regionalen Treffen oder beim Festumzug des Heimattages in Deutschland.

Am Nachmittag des 22. September begeisterte die Blaskapelle Brenndorf mit einem vierstündigen Konzert, wobei vier Musiker der Stadtkapelle Brackenheim spontan mitspielten. In der Blaskapelle rückt nun die mittlere Generation unter der Leitung von Holger Darabas, unterstützt von Bertold Kreisel und Hartmut Darabas, nach. Wir wünschen der Dreier-Führung, dass sie die Musiktradition erfolgreich in die Zukunft führen möge.

Eröffnet wurde der Nachbarschaftstag um 10.30 Uhr mit einem Gottesdienst, den Dekan i.R. Hermann Schuller, Vorsitzender der Gemeinschaft Evangelischer Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben im Diakonischen Werk der EKD, im festlichen, von Weinbergen umgebenen Theodor-Heuss-Saal des Bürgerzentrums in Brackenheim hielt. Seine Predigt mit vielen Bezügen zu Brenndorf und zur Lage der ausgesiedelten Landsleute bewegte die Herzen der Gottesdienstbesucher. Mit dem Zitat „Alles wirkliche Leben ist Bewegung“ (Martin Buber) wies Dekan Schuller auf das herzliche Wiedersehen der Landsleute hin, die viele gemeinsame Erinnerungen verbinden. Vergangenheit und Gegenwart gehörten zusammen, sie gehörten zur Ganzheitlichkeit des Lebens. Schön seien die Erinnerungen an die Zeit des Aufbaus und der Jugend, aber es gäbe auch manche Bitterkeit zu verkraften. Mit den Jahren gewinne man neue Einsichten und werde reifer in Güte und Versöhnungsbereitschaft, in allem, was gemeinschaftliche Verantwortlichkeit ausmacht. Wir seien längst angekommen in der neuen Heimat und davon überzeugt, dass die gegangenen Wege gut seien. Ähnlichkeiten ergeben sich dabei zu Gottes Verheißung eines neuen Bundes in Jeremias, 31,31-34, einem vor etwa 2 700 Jahren gesprochenen Prophetenwort: „Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein.“Sechs der zwölf scheidenden Mitglieder der ...Sechs der zwölf scheidenden Mitglieder der Blaskapelle Brenndorf nahmen die „Ehrenurkunden“ in Brackenheim persönlich entgegen, von links: Reinhold Mechel, Martin Jekel, Horst Hergetz, Otto Gliebe, Georg That und Walter Dieners (Dirigent). Foto: Siegbert Bruss Passend zum Predigttext sei auch das Altarbild „Der Heiland im Gebet vor Gott“, das der Maler und Kunsterzieher Carl Dörschlag aus Hermannstadt im Jahr 1869 in der Kirche in Brenndorf gemalt hatte: Es zeige den knieenden Heiland und einen Engel mit erhobenem Kelch, die im Garten Getsemane zu Gott beteten. Auch durch die Taufe habe Gott einen Bund mit uns Christen geschlossen, betonte Pfarrer Hermann Schuller. Die Schriftlesung (Apostelgeschichte 12,1-11) nahm Bettina Zibracky vor. Der Kirchenchor Brenndorf unter der musikalischen Leitung der Organistin Melitta Wonner und der organisatorischen Leitung von Detlef Copony gestaltete den Gottesdienst musikalisch mit.

Nach Sektempfang und Mittagessen begrüßte Brackenheims stellvertretender Bürgermeister Edgar Übelhör die Brenndorfer bei ihrem fünften Treffen in der größten Weingemeinde Württembergs und lud sie ein, die Spuren von Theodor Heuss, der 1884 in Brackenheim geboren und 1949 zum ersten Bundespräsidenten gewählt wurde, im örtlichen Museum zu entdecken. Er würdigte den Einsatz der Brenndorfer, die ihre Gemeinschaft und Kultur durch regelmäßige Treffen, das Heimatblatt „Briefe aus Brenndorf“ und unzählige Unterstützungsaktionen lebendig halten. „Gerade in der heutigen Zeit, in der Globalisierung unsere Gesellschaft prägt, ist es sehr wichtig, sich auf seine Wurzeln zu besinnen und Traditionen und Bräuche zu pflegen“, betonte Übelhör. Trotz der Ferne von der einstigen Heimat würden sie Siebenbürgen wohl immer im Herzen tragen.

Kurator Manfred Copony berichtete Erfreuliches aus der Kirchengemeinde Brenndorf: Die Renovierungsarbeiten an der von einem Erdbeben beschädigten Kirche werden schon in diesem Herbst beginnen. Die Lehrerwohnung in der Schulgasse werde in Kürze verkauft, um einen Teil der Arbeiten zu finanzieren.

Vorsitzender Siegbert Bruss dankte allen Verantwortlichen der Kirchengemeinde für ihren Einsatz für die dort lebenden Sachsen. Die Kirchenrenovierung sei das schwierigste Vorhaben, für das die HOG Brenndorf seit 2004 Spenden sammelt. Umso erfreulicher sei es, dass die Bauarbeiten bald beginnen werden. Aus Mitteln der HOG Brenndorf werden in einer ersten Etappe Absenkungsarbeiten rund um die Kirche durchgeführt, um die Feuchtigkeit aus den Wänden zu entfernen, und die Decke im Kircheninnern verputzt. Dank gilt allen Spendern der Dorfgemeinschaft und vor allem der Siebenbürgisch-Sächsischen Stiftung, die Reparaturarbeiten in einer zweiten Bauetappe finanzieren werde.

Der Vorstand legte zudem Rechenschaft ab über seine Tätigkeiten seit September 2009. Brenndorf verfügt über zwei geschichtliche Dokumentationen, die einmalig sind für ganz Siebenbürgen und die vor allem Otto Gliebe zu verdanken sind: 2009 wurde eine CD mit acht Bänden der Consistorial- und Presbyterialprotokolle der evangelischen Kirchengemeinde Brenndorf (1807 bis 2006) und 2011 die DVD „Af der Häifzet brecht em vill – Hochzeitsbräuche aus Brenndorf“ herausgegeben. Seit Pfingsten 2008 nimmt die HOG Brenndorf jedes Jahr mit einer Trachtengruppe am Festzug des Heimattages in Dinkelsbühl teil, für die Jugendlichen und Junggebliebenen werden jährlich Skitreffen in Tirol und Freizeitwochenenden im Altmühltal veranstaltet, die Homepage www.brenndorf.de wurde neu gestaltet. Siegbert Bruss rief dazu auf, unsere siebenbürgisch-sächsische Kultur weiterzupflegen und sie in unser heutiges Leben einzubringen.

Unter der Wahlleitung von Laura Darabas wurden folgende Vorstandsmitglieder wieder gewählt: Siegbert Bruss (Vorsitzender), Volker Kreisel (stellvertretender Vorsitzender), Edmund Seimen (Kassenwart), Bettina Zibracky (Schriftführerin), Hugo Thiess (Familienforschung), Norbert Thiess und Gert Mechel (Jugendreferenten). Otto Gliebe ist als Ehrenvorsitzender Mitglied des Vorstandes auf Lebzeit. Kassenprüferinnen sind Edda Rhein und Herta Seimen-Sperlich.

Die „Silver Stars“ unter Reinhard Nussbächer sorgten für beste Tanzstimmung bis in die Nacht hinein. An dem erfolgreichen Treffen nahmen rund 300 Landsleute teil. Für das Gelingen sei dem Organisator Volker Kreisel, Benno Wagner (Getränke), Sibille Dworschak (Kasse), Heidi Mechel und Renate Rothenbächer (Kinderbetreuung) sowie dem siebenbürgischen Partyservice von Hermann Wagner herzlich gedankt. Auf Wunsch zahlreicher Landsleute wird der zwölfte Nachbarschaftstag im September 2015 ebenfalls in Brackenheim stattfinden.

S. B.

Schlagwörter: HOG-Treffen, Ehrungen, Wahlen, Brenndorf

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