5. Januar 2014

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Naturfreund und Musikliebhaber aus Siebenbürgen: In memoriam Friedrich Meburger

Zum Jahreswechsel blicken wir üblicherweise zurück, und so gedenken diesmal des beliebten Lehrers Fritz Meburger, der die Natur mit ihren Menschen schätzte und bewunderte. Deshalb war auch er selbst geschätzt und beliebt von Siebenbürgen bis in die Schweizer Alpen und von Schäßburg bis Köln. Nach dem Motto: „In der Welt zu Hause, aber dort daheim“ fühlte sich Fritz Meburger in Siebenbürgen daheim, in Meeburg, wo er am 16. Dezember 1947 geboren wurde.
Touristisch betrachtet ist es eine einmalige Naturlandschaft, wo die Landkreise Kronstadt, Harghita und Mieresch zusammentreffen, eine Region, wo die sehr seltenen „Morgenröschen“ blühen, die man sonst nur noch in Italien in freier Natur findet. Hier verbrachte Fritz Meburger seine Kindheit und erste Jugendzeit in der Tradition der Siebenbürger Sachsen. Sein allgemein bekannter Vorfahre war der Predigerlehrer Johann Meburger aus Draas im Hommorodtal. Seit der 5. Klasse besuchte Fritz die Schule in Reps, und kam mit seinen Kameraden von da oft zu Fuß nach Hause über die „Rauhe Koppe“. Friedrich Meburger auf der Koppe, August 2008. ...Friedrich Meburger auf der Koppe, August 2008. Foto: M. Schuller Es ist eine Region mit einer unverfälschten Natur, die deshalb auch von Persönlichkeiten und Naturliebhabern wie Prinz Charles besucht wurde. Von da oben bewunderte Fritz auch die Menschensiedlungen mit ihren Kirchen und Burgen – von der Repser Burg über die benachbarten Ortschaften Katzendorf, Palos und Radeln, wo der Rockstar Peter Maffay sein soziales Projekt gestartet hat, bis zu den ungarischen Siedlungen und den Harghita-Bergen in der Ferne. Ethymologisch betrachtet symbolisiert diese Region auch den Ursprung der Namen „Meeburg“ und „Meburger“. Die Sage erzählt nämlich, dass vor vielen Jahren da oben Nonnen lebten, die die umliegenden Gemeinden vor den nahenden Feinden warnten. Von einer Jungfrau (siebenbürgisch-sächsisch „Meet“), die schließlich alle Nonnen überlebte, soll der Name der Ortschaft „Meeburg“, rumänisch Beia, am Fuße des Berges stammen. Aus jener Kapelle von der Koppe soll die Meeburger Jesus-Statue stammen, die ihren Platz im Meeburger Flügelaltar fand. Der 1513 von einem Sohn des Nürnberger Bildhauers Veit Stoss erschaffene Altar kann jetzt in der Schäßburger Bergkirche bewundert werden. Heute zeugen auch die rumänischen Flurnamen „Dealul Chiliei“ (Kapellenberg), „Pârâul Chiliei“ (Kapellengraben) und der ungarische „Léanyhalom“ (Mädchenberg) von der Geschichte.

Nach dem Besuch des Gymnasiums in Schäßburg war Fritz ein beliebter junger Lehrer in Bodendorf, in Kreisch bei Schäßburg und in Meeburg. Das gesellige Klassentreffen 2005 in Deutschland mit seinen ehemaligen Kreischer Schülern ist ein Beweis seiner damaligen Beliebtheit. Das größte Ereignis dieser ersten Lehrerzeit war die Bekanntschaft mit seiner späteren Ehefrau Annemarie, Mathematiklehrerin in Meeburg. Ebenfalls aus dieser Zeit stammt Fritz‘ immer stärkere Zuneigung zur Musik. Doch folgte er nicht seinem Großvater Meburger, der Violine spielte, sondern seinem Vater Friedrich Meburger, von dem er erstmals Akkordeon spielen lernte. Später besuchte Fritz die Musikhochschule in Neumarkt am Mieresch und kehrte danach als Musiklehrer in seine geliebte Heimatgemeide zurück. Er unterrichtete unter anderem Musik in Meeburg und Katzendorf bei Reps. Sein Zuhause mit seiner Ehefrau war nun in Schäßburg. In Meeburg baute Fritz als Chorleiter den Kirchenchor vierstimmig aus, und nahm mit ihm auch an so manchen überregionalen Laienveranstaltungen teil.

1978, nach einer Reise nach Schweden, kam Fritz Meburger nach Frechen bei Köln. Als sozial engagierter Mensch, geprägt von Interkulturalität schon seit seiner Kindheit in Siebenbürgen, war er bald hauptamtlich als Sprachlehrer im Internationalen Bund für Sozialarbeit in Köln tätig. Auch in der Gesellschaft der Siebenbürger war er schnell integriert und freute sich, so manchen ehemaligen Klassenkameraden und Freund aus der Schäßburger Zeit wiederzutreffen. Nun erst hatte Fritz die ersehnte Möglichkeit, die Naturschönheiten Europas kennenzulernen. Auf diesen Reisen lernten er und seine Ehefrau auch die Geschichte und Kultur der jeweiligen Regionen kennen. In Ost- und Südtirol bewunderten Anne und Fritz beispielsweise nicht nur die Naturschönheiten der Alpen, sondern auch die stark umkämpften Regionen im ersten Weltkrieg, wo auch Großvater Meburger als k.u.k. Offizier schließlich in Gefangenschaft geriet. Doch zu den schönsten Reisen gehörten jene nach Siebenbürgen, ins Repser Ländchen, sowie in den benachbarten Forstbezirk Oderhellen in der Nähe der Ostkarpaten. Diese Regionen, wie auch den Altdurchbruch bei Rakosch, den Geisterwald bei Kronstadt und viele andere Naturschönheiten, besuchte Fritz mindestens einmal im Jahr.

Nach schwerer OP und einem Schlaganfall ist Fritz Meburger, unbegreiflich für alle seine Freunde, im Juli 2013 für immer von uns gegangen. Dabei sollte erst jetzt mit 65 die Zeit zum eigentlichen Genießen des Lebens im Rentenalter beginnen! Alle seine Freunde werden sich immer wieder gern an Fritz Meburger erinnern, spätestens dann, wenn in Siebenbürgen die Nebelschwaden am Waldrand vorbeiziehen.

Michael Schuller, Editor meeburg.de

Schlagwörter: Nachruf, Lehrer

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