17. November 2017

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HOG-Tagung "Brücken in die Zukunft" in Bad Kissingen

Die Tagung „Brücken in die Zukunft“ wurde in Zusammenarbeit mit dem Verband der Siebenbürgisch-Sächsischen Heimatortsgemeinschaften vom 27. bis 29. Oktober 2017 in der Bildungs- und Begegnungsstätte „Der Heiligenhof“ in Bad Kissingen organisiert. In lebendigen Vorträgen und Diskussionen wurde festgestellt, dass die Siebenbürger Sachsen in Deutschland mit Partnern in Rumänien sehr gut zusammenarbeiten, um ihre Kultur und Gemeinschaft zu pflegen. Der HOG-Verband feierte dabei sein 20-jähriges Bestehen und vollzog einen Führungswechsel. Neue Vorsitzende ist Ilse Welther. Die Tagung wurde vom Bundesinnenministerium gefördert.
Seit zehn Jahren finden hier die HOG-Tagungen in vertrauter Atmosphäre statt, vorzüglich betreut von Studienleiter Gusti Binder, der in seiner Begrüßung die siebenbürgischen Veranstaltungen als wichtiges Standbein seines Hauses bezeichnete. Hans Gärtner, Vorsitzender des HOG-Verbandes, hieß die Teilnehmer herzlich willkommen zur 19. HOG-Tagung.

Jutta Tontsch, seit 2013 Leiterin des Projektes Genealogie der Siebenbürger Sachsen, präsentierte anhand von vielen Beispielen die Arbeit der sehr regen Gruppe von Hobby-Familienforschern, die seit acht Jahren kirchliche Unterlagen aus 85 Gemeinden Siebenbürgens in einem Genealogie-Programm erfasst hat. Jetzt wollten die Familienforscher die Ergebnisse ihrer Arbeit der Öffentlichkeit zugänglich machen und gründeten – mit Blick auf die Haftungsfrage für die Datenschutzbestimmungen – im Sommer dieses Jahres den „Verein für Genealogie der Siebenbürger Sachsen“. Der Verein wurde inzwischen eingetragen und könnte die ersten Datensätze schon bis Jahresende ins Netz stellen.

„Filmische Zeitzeugenporträts aus Siebenbürgen – ein Werkstattbericht“ stellte Manuel Stübecke aus Ratingen vor. Seit 2008 filmt und interviewt er Persönlichkeiten in Siebenbürgen, darunter Paul Philippi, Inge und Heinz Galter, Frieder Schuller, Walter Seidner u.a. Das Material will er für sechs Episoden à 45 Minuten sowie für eine längere Filmfassung bearbeiten. Zurzeit arbeitet Stübecke an der Postproduktion und bittet um historische Fotos sowie Hintergrundinformation für den Film.

Der Theologe und Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen in Hermannstadt, Dr. Hans Klein, berichtete in seinem Grußwort über die Entwicklungen in Rumänien, das sich in der Einflusssphäre zwischen Ost und West befinde. Für die Europäische Union und die Nato sei Staatspräsident Klaus Johannis ein zuverlässiger Partner. Hans Klein zeigte sich daher optimistisch, dass Rumänien in Zukunft der Ostpfeiler der euroatlantischen Einrichtungen sein werde. Die Siebenbürger Sachsen befinden sich nach seiner Meinung zurzeit in einer „Situation des Abwartens“. Heimatgemeinschaften trugen entscheidend zur Festigung der Gemeinschaft bei und legten die Grundlage für etwas Neues. Dem HOG-Verband dankte er „für die Vorbereitung und Gestaltung des für uns so wichtigen Sachsentreffens“. Die Teilnehmer der HOG-Tagung "Brücken in die ...Die Teilnehmer der HOG-Tagung "Brücken in die Zukunft" in Bad Kissingen. Foto: Petra Reiner Doris Hutter, Stellvertretende Bundesvorsitzende des Verbandes der Siebenbürger Sachsen, betonte, dass wir nur gemeinsam stark seien – das habe sich beim Sachsentreffen in Hermannstadt gezeigt. Sie sei stolz, dass die Jugend so stark daran mitgewirkt habe. „Wir sind eine Gemeinschaft von Menschen, die nach ihren Wurzeln suchen. Wir dürfen nicht mehr in trennenden Kategorien denken.“

Glückwünsche zum 20. Jubiläum des HOG-Verbands übermittelte Hauptanwalt Friedrich Gunesch seitens der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien (EKR). Er zeigte sich sehr dankbar für die freundschaftliche Zusammenarbeit mit dem HOG-Verband und für die zahlreichen Heimattreffen, die im 500. Reformationsjahr in Siebenbürgen gemeinsam gefeiert wurden und ihren Höhepunkt mit dem Sachsentreffen in Hermannstadt erreicht haben.

Sebastian Bethge, Beauftragter für Denkmalpflege der Stiftung Kirchenburgen, betonte, dass die Gemeinschaft der Siebenbürger Sachsen eine entscheidende Rolle sowohl bei der Entstehung und dem jahrhundertelangen Erhalt der Kirchenburgen gespielt habe. Ebenso wie Dr. Hans Klein stellte Sebastian Bethge fest, dass wir in einer Zeit des Abwartens leben und die nächsten Jahre überbrücken müssten. Er hoffe, dass sich – ähnlich wie bei den norwegischen Holzkirchen – auch in Siebenbürgen Menschen finden werden, die sich der Kirchenburgen annehmen. Als Denkmalpfleger habe er den Anspruch, dass alle erhalten werden.

Über das „Pfarrerbild und Gemeindeverständnis in der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien“ referierte Dr. Daniel Zikeli, Bischofsvikar, Bukarester Stadtpfarrer und Dechant des Kronstädter Kirchenbezirks. Seit 1990 habe sich die EKR von einer Volkskirche hin zu einer Diasporakirche entwickelt. Gemeindeidentität, Glaubensinhalte, Bräuche, Riten, Gewohnheiten seien brüchig geworden. Das Gemeindeverständnis habe sich durch permanente Schrumpfung und Mitglieder anderer Konfessionen, die hinzukommen, gewandelt. Angesichts der erdrückend vielen Verwaltungsaufgaben sei sogar die Rolle der Pfarrer als Seelsorger problematisch geworden. Er dankte allen, die sich in die Gemeindearbeit einbringen und beweisen, dass wir alle gemeinsam Verantwortung tragen. In den letzten drei Jahren sind aus Deutschland rund 650 Mitglieder im Sonderstatus hinzugekommen, die die Kirche stärken. Die Vorsitzenden des HOG-Verbandes seit dessen ...Die Vorsitzenden des HOG-Verbandes seit dessen Gründung, von rechts: Horst Göbbel (1997-2001), Michael Konnerth (2001-2013), Ilse Welther (seit 2017) und Hans Gärtner (2013-2017). Foto: Rainer Lehni Einen Rückblick auf das 20-jährige Bestehen des HOG-Verbandes bot Oberstudienrat i.R. Horst Göbbel. Acht Tagungen hatten die Heimatortsgemeinschaften von 1982 bis 1995 schon organisiert, bevor sie sich auf ihrer neunten Zusammenkunft vom 28. Februar bis 2. März 1997 im Feriendorf Gomadingen in der Schwäbischen Alb den HOG-Verband gründeten. In der Satzung wurde klargestellt, dass der HOG-Dachverband selbstständig ist und mit allen siebenbürgisch-sächsischen Institutionen zusammenarbeiten will. Horst Göbbel hatte als Gründungsvorsitzender des HOG-Verbands auch eine enge Zusammenarbeit mit der Landsmannschaft befürwortet, was die Selbstständigkeit des HOG-Verbandes in keinster Weise beeinträchtigt habe. Sein Nachfolger Michael Konnerth (2001-2013), ebenfalls ein Befürworter dieses Zusammengehens, hat auch die tragfähigen Beziehungen zur Heimatkirche vertieft. Ein Höhepunkt der 20-jährigen Geschichte sei das Sachsentreffen im August 2017 in Hermannstadt gewesen. Als große Leistungen des Vorstands unter Hans Gärtner (2013-2017) erwähnte Horst Göbbel die Professionalisierung des HOG-Verbandes, die sehr aktiv geförderte Zusammenarbeit mit der EKR, dem Forum, der Stiftung Kirchenburgen, rumänischen Einrichtungen sowie die Veranstaltung hochwertiger Fachtagungen, des Sachsentreffens in Hermannstadt und der Heimattreffen in zahlreichen siebenbürgischen Orten.

„Perspektiven der Zusammenarbeit für die Zukunft“ zeigten Hans Gärtner und Heinz Hermann, stellvertretender Vorsitzender des HOG-Verbands, in einem Vortrag auf. Hauptfokus des HOG-Verbandes bleibt auch in Zukunft Siebenbürgen, betonte Hans Gärtner. Die gute Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien (EKR), auch auf Bezirksebene, und dem Siebenbürgenforum sollte fortgeführt werden. Die gute Zusammenarbeit mit dem Verband der Siebenbürger Sachsen findet ihren Ausdruck u.a. in der Mitgestaltung des Heimattages in Dinkelsbühl. 2020 wird wieder eine HOG-Regionalgruppe Mitausrichter des Pfingsttreffens sein. Als Projekt regte Hans Gärtner Jugendbegegnungen in Siebenbürgen an, wobei den jungen Leuten sowohl Kultur als auch Freizeitaktivitäten geboten werden. Sie könnten auch gemeinsam den Friedhof und die Kirche pflegen. Heinz Hermann sprach sich für die Gründung einer gemeinnützigen Gesellschaft aus, die sich der medizinischen und sozialen Pflege in Siebenbürgen widmet. Dafür sollten die fünf Kirchbezirke mit je einem Auto und je einer Krankenschwester ausstattet werden.

Des Weiteren zog der HOG-Verband eine Bilanz der letzten vier Jahre. Eine Organisationsanpassung und Satzungsänderung wurden vorgenommen, die Regionalgruppen wurden analog zu den Kirchenbezirken organisiert. Der HOG-Verband ist Mitglied im Siebenbürgischen Museum e.V. und im Siebenbürgischen Kulturzentrum „Schloss Horneck“ e.V. geworden. 2015 war die damalige Regionalgruppe Zwischenkokelgebiet Mitausrichter des Heimattages in Dinkelsbühl. Zudem unterstützt der HOG-Verband die jährliche Aktion der Landeskirche „Bike & Like. Der Überschuss des Sachsentreffens geht an die Stiftung Kirchenburgen. Auch der Erlös aus dem Verkauf der DVD „Bäm Brännchen“ von Hermann Depner (Preis: 10,00 Euro), die vom HOG-Verband herausgegeben wurde, kommt der Stiftung zugute. Bestellungen nimmt Hans Gärtner entgegen, der auch das Buch „HOGs tun was“ vorstellte. Das reich bebilderte Buch, redaktionell betreut von Horst Göbbel und Ilse Welther, ist eine exzellente Dokumentation der Arbeit der Heimatortsgemeinschaften und ihres Dachverbands. Es umfasst 176 Seiten und kann zum Preis von 3,00 Euro bei Hans Gärtner, E-Mail: geha.gaertner@t-online.de, bestellt werden.

Christa Wandschneider, seit 1994 Vorsitzende der HOG Großpold und Bundesfrauenreferentin des landsmannschaftlichen Verbandes, wurde mit der Goldenen Ehrennadel des HOG-Verbands ausgezeichnet. Sie hat zahlreiche HOG- und Heimattreffen organisiert und Projekte wie den Gottesdienst mit „Leuchtersingen“ in Augsburg und die Gründung des Großpolder Chores unter Leitung von Heinz Piringer angestoßen.

Hans Gärtner wurde unter stehendem Applaus für seine herausragende Arbeit an der Spitze des HOG-Verbands gedankt, seine Frau Gerda nahm als Dank einen Blumenstrauß entgegen. Der neue Vorstand des HOG-Verbands, von links: ...Der neue Vorstand des HOG-Verbands, von links: Sunnhild Walzer, Hans-Georg Richter, Ilse Welther (Vorsitzende), Horst Müller, Gretel Theil. Foto: Petra Reiner Am Rande der Tagung wählte der HOG-Verband in der Mitgliederversammlung einen neuen Vorstand und vollzog einen Führungswechsel. Trotz einer sehr erfolgreichen Amtszeit stellte sich der Vorsitzende Hans Gärtner nicht mehr zur Wahl – ausschlaggebend waren berufliche Gründe. Erstmals in der 20-jährigen Geschichte steht eine Frau an der Spitze des HOG-Verbands. Unter der Wahlleitung von Hauptanwalt Friedrich Gunesch wurde Ilse Welther (Felmern), die bisherige Geschäftsführerin des HOG-Verbands, zur neuen Vorsitzenden gewählt. Sie setzte sich mit 56 Stimmen gegen Heinz Heltmann (18 Stimmen) durch. Neu im Amt sind die stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Horst Müller (Kronstadt) und Hans-Georg Richter (Agnetheln), die Geschäftsführerin Sunnhild Walzer (Bulkesch) und Schriftführerin Gretel Theil (Kleinschenk). Rechnungsprüfer sind Klaus Foof (Nußbach) und Peter Doniga (Großprobstdorf), Ersatzrechnungsprüfer Dr. Hans Franchy (Bistritz) und Heike Mai-Lehni (Tobsdorf). Ilse Welther dankte für das entgegengebrachte Vertrauen und erklärte, dass sie die bisherigen Schwerpunkte der HOG-Arbeit und die Kooperation mit den Partnern in Deutschland und Siebenbürgen fortführen werde. Die neue Vorsitzende wird in einem Porträt in der nächsten Ausgabe der SbZ vorgestellt.

In der Sonntagsandacht verdeutlichte Bischofsvikar Daniel Zikeli, ausgehend von Markus 10, 17-27, den Mehrwert des Lebens, der nicht durch materiellen Besitz erschlossen werden kann und jenseits von falschen Abhängigkeiten und Bindungen zu finden sei.

Einen vielbeachteten Erfahrungsbericht über die „Sieben­bürger Sachsen der dritten Generation in Österreich“ lieferte Konsulent Manfred Schuller, Bundesobmann des Bundesverbands der Siebenbürger Sachsen in Österreich. Die Flucht aus Nordsiebenbürgen im September 1944 bedeutete für die Siebenbürger Sachsen einen jähen Heimatverlust, erst im Laufe der Jahrzehnte fassten sie Fuß in Österreich und fanden Heimat auch durch die siebenbürgisch-sächsische Kultur- und Gemeinschaftspflege. Manfred Schuller schilderte authentisch, wie er sich die siebenbürgisch-sächsischen Traditionen zu eigen machte, wie intensiv der Kontakt zu Siebenbürgen und zu allen Organisationen im Rahmen der Föderation der Siebenbürger Sachsen gepflegt werden und wie bereichernd der persönliche Einsatz für diese „besondere Kultur“ ist.

Siegbert Bruss

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Schlagwörter: HOG, HOG-Verband, Tagung, Bad Kissingen

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