7. Dezember 2019

Großauer auf Spurensuche in Luxemburg und Trier

Auch wenn die Vorfahren der Siebenbürger Sachsen laut moderner Geschichtsschreibung und Ahnenforschung aus allen Gebieten des früheren deutschen Reiches kamen und zu dem Volk mit einzigartiger Identität zusammengewachsen sind, hält sich doch der Mythos von Luxemburg als ihrer Urheimat. Einst ausgewandert aus der mittelrheinischen Moselregion, dem Moselfränkischen, in die neue Heimat Siebenbürgen, zeigen sich noch heute in der Sprache unverkennbare Parallelen zum luxemburgischen Dialekt. Diese Sprachverwandtschaft weckt auch Jahrhunderte später das Interesse der Nachkommen, sich auf Spurensuche zu begeben.
So trafen sich am frühen Morgen des 26. Oktober eine Gruppe Großauer und Freunde in Bietigheim, um eine Wochenendreise in die Urheimat anzutreten. Mit einem bis auf den letzten Platz besetzten Reisebus ging es Richtung Luxemburg. Auf der Fahrt wurde der Wiedersehensfreude mit Nachbarn, Schulfreunden, Großauern, die man schon lange nicht gesehen hatte, gefrönt. Nach zweistündiger Fahrt wurde eine Pause eingelegt. Fleißige Hände zauberten im Nu ein Frühstücksbüfett her. Es gab Kaffee, Hanklich, Marmorkuchen und Griebenschmalz auf „Mutterbrot“, selbst gebackenes Brot nach siebenbürgischem Rezept, eine Köstlichkeit, die unsere Organisatorin Kathi Mai von Siebenbürgern hat backen lassen.
Großauer und Freunde vor der Unterkunft in Nittel ...
Großauer und Freunde vor der Unterkunft in Nittel-Rehlingen. Fotos: Katharina Mai
In Luxemburg trafen wir uns mit unserer Reiseführerin auf dem Place de la Constitution zu Füßen der Goldenen Frau, eines Kriegsmahnmals. Sie führte uns über die Corniche, die Promenade, die als schönster Balkon Europas bezeichnet wird. Von dort hatten wir einen überwältigenden Blick über die Stadt zu der Abtei Neumünster, der St.-Michaels-Kirche, über die Festungsanlage. Nach einem Blick auf den Bockfelsen ging es weiter in die Altstadt, wo wir die Stadtresidenz der großherzoglichen Familie besichtigten, und weiter über den Fischmarkt, Mittelpunkt der malerischen Stadt. Dort kann man den Spruch „Mir wölle bleiwe wat mir sin“ an einem Erker eines Hauses lesen. Damit identifizieren sich die Siebenbürger Sachsen. Dieser Spruch spiegelt den Unabhängigkeitswillen der Luxemburger Bevölkerung gegenüber den Franzosen in früherer Zeit wider. Wir kehrten auch in der Kathedrale Notre-Dame ein, ließen die Farben und Lichtreflexe der Glasfenster auf uns wirken und lauschten der Stadtführerin. Luxemburg ist in der Tat ein schönes Fleckchen Erde, außergewöhnliche Bauten, beeindruckende Höhenunterschiede innerhalb der auf Fels gebauten Stadt.

Schließlich fuhren wir in unsere Unterkunft in Nittel-Rehlingen, wo uns ein schön gedeckter Tisch erwartete. Den Abend verbrachten wir bei gutem Essen, unterhaltsamen Gesprächen, Tanz und Musik. Samuel Grennert spielte auf seinem Akkordeon, man sang und tanzte dazu.
Beliebtes Reiseziel für die Siebenbürger Sachsen ...
Beliebtes Reiseziel für die Siebenbürger Sachsen und Landler: das Haus mit dem Erker in Luxemburg.
Ziel des nächsten Tages war Trier nahe der luxemburgischen Grenze. Leider war der Sonnenschein des vorigen Tages einem bewölkten Himmel gewichen. Es regnete die ganze Fahrt bis nach Trier. Dort zeigte uns ein Stadtführer bei einem Rundgang unterm Regenschirm die älteste Stadt Deutschlands. Er bekam unsere ganze Aufmerksamkeit, da er so interessant und bildhaft erzählen konnte. Einst von den Römern gegründet, verfügt Trier über einige gut erhaltene Denkmäler wie die Porta Nigra, einziges noch erhaltenes Stadttor aus der Zeit der Römer, deren Baukunst uns faszinierte. Vorbei ging es an der Judengasse mit zahlreichen Geschäften und Cafés zum Dreiköniginnenhaus, das mediterrane und spanische Einflüsse zeigt. Auf dem Hauptmarkt konnten wir die Vielfalt der Bauten bewundern, Eindrücke vom Trierer Dom bekommen, auf den Kurfürstlichen Palast schauen und die Liebfrauenkirche besuchen.
Luxemburg mit Bockfelsen. ...
Luxemburg mit Bockfelsen.
Zum Ausklang dieser Stadtbesichtigung saßen wir im Bitburger Wirtshaus bei leckerem Flammkuchen beisammen und führten manch interessantes Gespräch. Geerdet durch dieses gemütliche Beisammensein, traten wir die Heimreise an. Zwischendrin machten wir eine Essenspause, aßen das leckere Brot mit Griebenschmalz, dazu Trauben und saure Gurken. Während der Weiterfahrt im Reisebus fand unsere gute Stimmung ihren Höhepunkt im Singen, wieder begleitet von Samuel Grennert und seinem Akkordeon. Die mitgebrachten Liederhefte sorgten für eine große Vielfalt, alle Liedwünsche wurden erfüllt. Ein herzlicher Dank geht an alle Mitreisenden und Mitwirkenden, die diese Tage zu einer wunderschönen Erinnerung haben werden lassen.

Marianne Reinhold und Susanne Liebhardt

Schlagwörter: Reisebericht, Luxemburg, Großau

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