7. Januar 2026

Stolzenburger Neuigkeiten

Ein über 60 Jahre altes Gedicht über die Stolzenburg ist aufgetaucht. Vor Kurzem hat mir Doris Hutter, Vorsitzende der HOG Agnetheln, freundlicherweise ein Gedicht über die Stolzenburg überlassen, das jahrzehntelang halbvergessen in einem Schreibtisch lag und das nun sozusagen das Licht der Welt erblicken soll, was meine Landsleute besonders freuen wird.
Die Bauernburg von Stolzenburg, Ostseite, ...
Die Bauernburg von Stolzenburg, Ostseite, Nachlass Ernst O. Schneider, historische Aufnahme, Fotograf unbekannt
1963 bat der Stolzenburger Pfarrer Ernst O. Schneider seinen Gast, Freund und Gevatter* Heinrich Oczko aus Agnetheln anlässlich eines Besuchs in Stolzenburg um ein paar Zeilen für das Gästebuch und Herr Oczko schrieb gleich im Burghof, also ad hoc, folgende Zeilen:

Du stolze Stolzenburg

von Heinrich Oczko

Wuchtig in den blauen Himmel ragt ihr Mauern hoch empor
und dem staunenden Betrachter klingt ein altes Lied im Ohr:

„An der Saale hellem Strande
stehen Burgen stolz und kühn.
Ihre Dächer sind verfallen
und der Wind streicht durch die Hallen,
Wolken zieh’n darüber hin ...“

Doch die Schöpfer dieser Mauern wohnten nicht am Saalestrand,
Sachsen, tücht’ge Bauern war’n es, aus dem Siebenbürgerland.
Ihrer Arbeit Früchte waren stets dem Vaterland von Nutzen,
durch den Bau von Burgen konnten sie auch starken Feinden trutzen.
Von dem Glanz vergang’ner Zeiten künden diese Burgruinen,
voller Wehmut und Bewund’rung stehen heute wir vor ihnen.
Denn, was unsre Ahnen schufen, sind wir heute nicht imstand!
Ihre Spuren leuchten jetzt noch durch das weite, schöne Land.
Wie ein undurchsicht’ger Nebel liegt die Zukunft vor uns hier. Dass sie Licht und Sonne bringe und auch Frieden, wünschen wir!

Das Gedicht spricht für sich selbst. Beim Lesen der elegisch-wehmütigen Verse steht man im Geiste unversehens im Burghof, was jeder bestätigen wird, der die Stolzenburg kennt. Und der fromme, innige Wunsch der letzten Zeile ist heute aktueller denn je.

*Gevatter/Gevatterin: bezeichnet das Verhältnis zwischen den Eltern des Täuflings und den Taufpaten. Dieses Wort eignet sich heutzutage und hierzulande gut für eine Preisfrage mit hohem Schwierigkeitsgrad, weil kaum jemand außerhalb der siebenbürgischen Community die genaue Bedeutung dieses alten Wortes noch kennt.

Astrid K. Thal

Schlagwörter: Solzenburg, Gedicht

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