1. Juli 2011

Ein Leben im Zeichen der Malerei: Karl Nik Voik wurde 90

Der aus Hermannstadt stammende Dekorations- und Landschaftsmaler Karl Nikolaus Voik beging gestern im oberbayerischen Geretsried seinen 90. Geburtstag im Kreise seiner Familie. Er verdankt sein künstlerisches Talent dem Vater und Großvater, beide von Beruf Maler. Gefördert und zum Malen angeregt hat ihn sein Gymnasiallehrer Oskar Pastior in Hermannstadt.
Karl Nikolaus Voik wurde am 30. Juni 1921 geboren und lebte bis zur Aussiedlung in Hermannstadt. Am Anfang seiner jahrzehntelangen Berufstätigkeit standen seine mit dem Vater als Maler durchgeführten Restaurierungsarbeiten in alten, geschichtsträchtigen Bürgerhäusern von Hermannstadt, wo zahlreiche alte Handmalereien zu entdecken und auf Skizzen festzuhalten waren. Diese Skizzen befinden sich heute im Besitz des Brukenthalmuseums.

Sein Vater hatte in Frankfurt a. M. und in Budapest seine Ausbildung zum Kunstmaler erworben und 26 Jahre lang als Lehrer an der Höheren Gewerbe- und Kunstschule von Hermannstadt gewirkt. Der malerisch begabte Sohn Karl Nikolaus erlernte von ihm den Beruf des Zimmer- und Dekorationsmalers, der ihn ein Leben lang erfüllt hat. Mit viel Geduld und Können vollführte er Aufträge zur Freilegung und Restaurierung übertünchter Handmalereien in den barocken Festräumen im Brukenthalpalais in Hermannstadt und die Auffrischung der Vergoldungen an Wänden, Türen und Möbeln. Neben seiner Haupttätigkeit als Dekorations-, Zimmer- und Schildermaler und als langjähriger Bühnenmaler am Hermannstädter Staatstheater widmete er sich in seiner Freizeit auch der Bauernmöbelmalerei und der Landschaftsmalerei. Nik Voik war ein begeisterter Wanderer und Bewunderer der eindrucksvollen Karpaten, und so entstanden mehrere Hundert Skizzen als Grundlage für spätere Ölgemälde, die heute viele Wohnungen unserer Landsleute zieren.

Der Maler Karl Nikolaus Voik erfüllte gestern in ...
Der Maler Karl Nikolaus Voik erfüllte gestern in Geretsried sei 90. Lebensjahr. Foto: Hans Rolf Daniel
Nach seiner Kriegsteilnahme im finnischen Karelien bzw. im fernen Lappland, nach Verwundung und Kriegsgefangenschaft kehrte der junge Nik Voik nach Hause zurück, wo er 1949 Herta, geborene Platzner, heiratete. Das Ehepaar hat drei Kinder großgezogen – Herta, Wilhelm und Klaus – und siedelte 1984 in die Bundesrepublik Deutschland aus. Mit seinen Tempera-, Aquarell- und Schwarz-Weiß-Zeichnungen schloss er sich thematisch der Hermannstädter Malerschule um Trude Schullerus und Hans Hermann an und blieb der tiefen Verbundenheit mit der Natur und der engeren siebenbürgischen Heimat treu. Etwa 200 Drucke entstanden als Kupferstiche und Stahlstiche im Tiefdruckverfahren und Linolschnitte in Hochdrucktechnik. Ab 1963 begann er Ölgemälde zu malen und hat rund 1800 Bilder, vor allem in Spachteltechnik, geschaffen und akribisch durchnummeriert. Dazu malte er über 2600 Aquarelle und Tempera-Bilder und 300 Tuschezeichnungen.

Erstmals stellte er 1967 seine Bilder in Hermannstadt aus. In 47 Einzel- und Gruppenausstellungen in Rumänien und in 17 Ausstellungen in Deutschland, davon neun in Geretsried, hat er seine Werke mit Erfolg gezeigt. Zu seinem Lebenswerk gehören ungezählte Skizzen von Wanderungen, Bühnenbilder für Theaterstücke, Dekorationen, Wandmalereien an Fassaden und in Wohnungen.

Über Jahrzehnte fertigte er Illustrationen und Bühnendekorationen für Veranstaltungen und Feste der Stadt Geretsried, für die Theatergruppe Geretsried der Siebenbürger Sachsen, für die Musikschule u.a. Dafür ehrte ihn die Stadt mit einer großen Urkunde und einem Festakt. Auch war er jahrelang als Kulturreferent im Vorstand der Kreisgruppe Bad Tölz – Wolfrathausen tätig und wurde für sein ehrenamtliches Wirken mit dem Silbernen und Goldenen Ehrenwappen des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland geehrt.
Nik Voik: Kirchenburg in Eibesdorf, Ölbild, 1986, ...
Nik Voik: Kirchenburg in Eibesdorf, Ölbild, 1986, 58 x 43 cm, Schenkung an die Redaktion der Siebenbürgischen Zeitung.
Auf Initiative seiner drei Kinder wurde die über 70 Jahre währende Schaffensperiode im Dienste der Malerei durch eine sehenswerte Gemäldeausstellung im August 2006 anlässlich seines 85. Geburtstags in der Stadtbücherei Geretsried festlich gewürdigt. Seine Ehefrau Herta und seine Kinder haben den Jubilar in seiner Arbeit segensreich unterstützt, so wie er aufopfernd für seine Familie stets zur Stelle war. Besondere Freude hat er an seinen Enkelkindern und seinem Urenkelkind. Oft kann man dem Ehepaar beim täglichen Spaziergang in Wohnungsnähe begegnen. Zum runden Geburtstag wünschen der Verband der Siebenbürger Sachsen und die Redaktion der Siebenbürgischen Zeitung alles Gute.

Walter Klemm

Schlagwörter: Kunst, Hermannstadt, Geretsried

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Neueste Kommentare

  • 04.07.2011, 20:16 Uhr von guni: Wir hatten die Gelegenheit kurz vor der Ausreise des Malers einige Bilder zu erwerben und brachten ... [weiter]

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