21. Januar 2019

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Cristian Cismaru von „My Transylvania“ über die Europäische Gastronomieregion 2019 Hermannstadt

Hermannstadt rückt in diesem Jahr gleich mehrfach ins Rampenlicht, in erster Linie natürlich als Schauplatz des EU-Gipfels am 9. Mai. Obendrein ist Hermannstadt aber auch Europäische Gastronomieregion 2019. Über dieses spannende Projekt interviewte Hans Reinerth den Vorsitzenden des Vereins „My Transylvania“, Cristian Cismaru.
In Siebenbürgens Gastronomiewelt ist seit einigen Jahren sehr viel in kreativer Bewegung. Beschreiben Sie bitte diese aufregenden Entwicklungen.
Alles begann 2008 mit dem Transilvanian Brunch. Anfangs war dies ein Versuch, lokale Partner an einen Tisch zu bringen, Initiativen im Harbachtal bekannt zu machen oder einfach einen kulturellen Austausch zu ermöglichen. Mit einem schmackhaften Teaser: lokales Essen in einem neuen Design. Wir haben frühere Nachbarschaftsgerichte und Hochzeitsmenüs in ein Büfett verwandelt, mit Saisonblumen und Kräutern verschönert und abgerundet mit einem kulturellen Nachtisch: eine Besichtigung einer Kirchenburg, ein Besuch bei einem Handwerker, ein Orgelkonzert oder eben, was es im Dorf gibt. Kreative Kulinarik im Schatten der Kirchenburg in ...Kreative Kulinarik im Schatten der Kirchenburg in Almen in Siebenbürgen. Foto: Gabriela Cuzepan Ab 2013 wurde die Eventserie mit mehreren Veranstaltungen erweitert.
Stimmt. Bei „Flavours and Sounds of Transylvania“ wählen wir bestimmte emblematische Produkte aus, die ein Menü prägen, z.B. Erdbeeren und Rhabarber im Frühling, und Musik spielt eine wichtige Rolle im Ablauf des Tages. Beim „Picknick im Zibinsgebirge“ werden aus unserem Buffet Picknickpakete zusammengestellt und wir wandern zu einem schönen Aussichtspunkt in den Südkarpaten. „Full Moon Picnic“ ist eine Veranstaltung für junge Familien mit lokalen Gerichten auf einem Campingplatz, wo nach dem Essen die folkloristischen Wurzeln der rumänischen Elektromusik im Zusammenspiel mit Lichtprojektionen auf eine Scheune oder ein Haus gezeigt werden. Beim „Abendessen in der Natur“ wird mit lokalen Zutaten gekocht, aber anstatt einem Buffet wird ein Verköstigungsmenü angeboten. Wenig(er) Quantität, mehr Qualität und spannende, lokale Geschichten aus den umliegenden Dörfern.
Neben diesen Veranstaltungen im ländlichen Raum entwickelte sich seit 2015 unter dem Titel „Transilvania Gastronomica“ in Hermannstadt eine Veranstaltung für Restaurants, Hotels und Gasthäuser, ein wahres Gourmet-Festival, dessen Ziel es ist, die große Vielfalt der regionalen Produkte in der lokalen Gastronomie sichtbar zu machen sowie den Zibinsmarkt als touristisches Wahrzeichen und Beschaffungsort für gesunde regionale Lebensmittel sowohl für die Gastronomie als auch die Einwohner zu präsentieren.

Können Sie kurz und konkret den Sinn und die Ziele einer europäischen Gastronomieregion beschreiben?
Der Grundgedanke der europäischen Gastronomieregion besteht in der Präsentation regionaler Lebensmittel, ­ihrer traditionellen Herstellung und Weiterverarbeitung sowie in der kontinuierlichen Weiterentwicklung der regionalen Küche mit den Zielen: Umweltschutz, Nutzung gesundheitlicher Chancen, Bewahrung der Biodiversität oder Identifikation für bürgerliches Engagement oder Unternehmensgründungen. Die Region Hermannstadt wurde aufgrund ihrer großen Vielfalt an Produkten und der immer noch gelebten Traditionen betreffend die Produktion und Verarbeitung der Lebensmittel ausgewählt.

Welches sind die wichtigsten Veranstaltungen und Termine 2019?
Die Region hofft, über 100 kulinarische Veranstaltungen zu organisieren, von traditionellen Gastronomiefestivals über neue Streetfood-Events, Veranstaltungen für die Branche bis hin zu sehr kleinen und lokalen Veranstaltungen. Für uns ist wichtig, dass wir zwischen April und November jedes Wochenende in einem Dorf oder einer Gebirgsregion präsent sein werden. Und die Krönung ist dann die „Transilvania Gastronomica“ zwischen dem 12. und 15. September. Neu wird auch eine internationale Slow-Food-Konferenz in Hermannstadt sein.

Was erhofft sich die Region kurz-, mittel- und langfristig von dem Titel?
Kurzfristig werden meistens touristische Ziele erwähnt, wie der Anstieg der Besucheranzahl und die Verlängerung des Aufenthaltes im Kreis. Mittelfristig sind viele öffentliche bzw. private Kooperationen erwünscht sowie die Entwicklung der kurzen Lebensmittelketten. Auf lange Sicht gibt es schon zahlreiche Programme der Universität, und man bemüht sich um die Entstehung eines Food-Clusters. Im Idealfall führen alle Aktivitäten zur Entwicklung einer „neuen siebenbürgischen Küche“.

Welche Rolle spielt die siebenbürgisch-sächsische Küche in diesem Kontext?
Die siebenbürgisch-sächsische Küche ist eine von den wichtigen Küchen im südlichen Siebenbürgen, neben der rumänischen Küche aus den Gebirgsdörfern. Dazu kommen noch ungarische, jüdische und armenische Einflüsse. Nicht unerwähnt bleiben darf die „Zigeunerküche“. Kleinere Spuren von österreichischen, griechischen, türkischen sowie russischen und französischen Elementen sind ebenfalls zu verzeichnen. Elf Einflüsse in einer Küche! Die siebenbürgisch-sächsische Küche bleibt sicherlich noch sehr lange in Siebenbürgen verankert.

Was würden Sie Siebenbürgenbesuchern mit sächsischen Wurzeln empfehlen?
Auf jeden Fall eine Teilnahme an unterschiedlichen Veranstaltungen in ehemaligen sächsischen Dörfer, wo die jetzige Bevölkerung sächsische Traditionen übernommen hat und das Ortsbild weiterhin von den alten Kirchenburgen geprägt ist. Ganz bestimmt werden auch Events in schön restaurierten Kirchenburgen wie Trappold, Almen oder Meschen stattfinden.

Wo finden Interessenten Informationen zu den Veranstaltungen?
Sowohl die beschriebenen Veranstaltungen als auch die Agenda der Veranstaltungen des Gastronomiejahres 2019 sind unter www.sibiu-turism.ro, www.eat-local.ro sowie www.mytransylvania.ro stets aktuell abrufbar.

Vielen Dank für das Gespräch.

Schlagwörter: Interview, Tourismus, Gastronomie, Siebenbürgen

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