21. November 2020

Engagierter Pfarrer feierte seinen 70. Geburtstag

Pfarrer Erwin Köber erfüllte am 27. Oktober 2020 sein 70. Lebensjahr – ein guter Anlass, um auf sein Leben und Wirken zurückzublicken.
Pfarrer Erwin Köber ...
Pfarrer Erwin Köber
Geboren wurde Erwin Köber in Schönberg. Hier verbrachte er zusammen mit seinen Eltern Katharina (geb. Stürner) aus Schönberg und Josef Köber aus Neppendorf sowie seinem älteren Bruder Karlheinz acht glückliche Kinderjahre. 1958 beschloss die Familie, nach Neppendorf bei Hermannstadt umzuziehen. Hier wuchs er auf und absolvierte 1968 die Fachprüfung zum Elektriker. Dieser Beruf machte ihm anfangs Spaß, jedoch wurde ihm nach und nach bewusst, dass diese Arbeit ihm nicht die innere Genugtuung und Zufriedenheit gab. Nach seinem Militärdienst entschied er sich, neben seinem Beruf die Abendschule zu besuchen, die er 1977 mit dem Abitur abschloss. 1974 heiratete er Johanna geb. Schmidt aus Hammersdorf. In den darauffolgenden zwei Jahren freute sich das Ehepaar über die Geburten ihrer beiden Kinder Heidrun und Manfred. Kurz nach ihrer Hochzeit traf das Ehepaar eine weitere wichtige Entscheidung, die den Lebensweg von Erwin Köber prägen sollte: sein Eintritt in eine Neppendorfer Unterhaltungsmusikkapelle als Gitarrist und Sänger. Seine Motivation dafür lag einerseits in seiner Liebe zur Musik, andererseits aber auch im Bedürfnis, es seinen Freunden gleichzutun und in der unbefriedigten Erfüllung durch den Elektriker-Beruf. Seine Erwartungen an seine Gestaltungsmöglichkeiten in der Musik- und Kulturbranche wurden in den darauffolgenden 15 Jahren erfüllt. Er spielte in mehreren Musikkapellen und wirkte zu Beginn der 1980er Jahre auch als Sänger, Humorist und Showmaster mit den Neppendorfer Blasmusikkapelle und Big-Band in vielen deutschen Ortschaften Siebenbürgens und im deutschsprachigen Programm des rumänischen Fernsehens mit.

Die kulturellen Tätigkeiten von Erwin Köber, sein Interesse an der Geschichte der Siebenbürger Sachsen, welches eng verbunden ist mit Kirche und Glaube, und sein Bedürfnis, mit Menschen zu arbeiten, führten zu einer neuen weitreichenden Entscheidung für seinen Werdegang: Im Alter von 33 Jahren nahm er ein Theologiestudium in Hermannstadt auf und legte 1989 seine Diplomprüfung ab. Noch im selben Jahr wanderte die Familie Köber nach Deutschland aus. Es war keine gewöhnliche Auswandung, sondern eine Urlaubsreise in die damalige DDR, deren Verlauf in Budapest in Richtung Bundesrepublik geändert wurde. Hier trat Erwin Köber in den Dienst der Evangelischen Kirche ein, indem er ein Colloquium ablegte, ab April 1990 in ein Anpassungspraktikum in Bensheim eingewiesen und 1991 Vikar wurde. Nach seinem 2. Examen und einem Spezialpraktikum in der Abteilung Ökumenische Diakonie des Diakonischen Werkes der hessischen Landeskirche in Frankfurt wurde er im Mai 1993 in der Kirche zu Gardenheim im Odenwald zum Pfarrer ordiniert. Hier wirkte er die darauffolgenden 22 Jahre als Pfarrer bis zu seiner Pensionierung im November 2015.

Das starke und ununterbrochene ehrenamtliche Engagement von Erwin Köber für unsere siebenbürgisch-sächsische Gemeinschaft äußert sich auf vielfältige Weise. Im Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland wirkt er als Mitglied ab 1990 und als Vorsitzender der Kreisgruppe Darmstadt von 1993 bis 2012. Die tiefe Verbundenheit zu seinen Heimatgemeinden zeigt sich in seiner Mitarbeit und bis heute anhaltenden Unterstützung der HOG Neppendorf und der HOG Schönberg. Wann immer wir an ihn appellierten – z.B. für die Gestaltung der Gottesdienste bei unseren Treffen, für die Übernahme der Wahlleitungen u.Ä. – ist er für uns da. In unserem Vereinsheft Schönberger Echo erscheinen regelmäßig Berichte und Fotos unter seinem Namen. In Schönberg hat er ein Heimatmuseum eingerichtet, welches mittlerweile von der Universität Ion Mincu übernommen und weiter ausgebaut wurde.

Einen weiteren Schwerpunkt seines Engagements bilden seine Publikationen. Diesbezüglich begann er mit der Herausgabe eines kleinen Buches zur Geschichte der Neppendorfer Blaskapelle „Bald und alles ist vergessen?“ (Hora-Verlag Hermannstadt, 1996). Mitte der 90er Jahre arbeitete er an einem zweibändigen Geschichtswerk zur Spurensicherung der österreichischen Emigranten des 18. Jahrhunderts „Die Siebenbürger Landler“ (Böhlau-Verlag Wien, 2002) mit. 2004 veröffentlichte er im Honterus-Verlag Hermannstadt seine Erfahrungen aus der siebenbürgischen Unterhaltungsmusikszene in den letzten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts in dem Buch „Hinter den Kulissen“. 2009 erarbeitete er mit seiner Ehefrau Johanna ein Heimatbuch über Hammersdorf. Ebenso wichtig war ihm die schriftliche Sicherung des Neppendorfer Gemeinschaftslebens in der außersiebenbürgischen Zerstreuung unter dem Titel „… und um alle deine Söhne schlinge sich der Eintracht Band“. Über zwei Jahrzehnte gab er die Zeitung der Neppendorfer HOG Neppendorfer Blätter heraus und führte Chronik über Neppendorfer Lebensäußerungen in der außersiebenbürgischen Zerstreuung. Für seine Pfarrgemeinde Gardenheim im Odenwald veröffentlichte er 2011 ein kleines Buch zur Geschichte und Gegenwart des Ortes und zwei Jahre später ein Festbuch zum hundertjährigen Bestehen der Kirche. In seinem Buch „Musik kennt keine Grenzen“ (Eigenverlag, 2018) beschäftigt er sich mit der Geschichte der Neppendorfer deutschen Musikkultur sowie deren Fortsetzung in Deutschland und Österreich. Kürzlich erschien sein Buch „Wurzeln, Wege, Wandlungen und Wahrzeichen Neppendorf – Persönlichkeiten aus Geschichte und Gegenwart einer deutschen Gemeinschaft in Siebenbürgen/Rumänien“ (Eigenverlag, 2020). Gleichzeitig widmete er sich auch seiner Heimatgemeinde mütterlicherseits mit dem Buch „Begegnung mit Heimat: Schönberg in Siebenbürgen/Rumänien“ (Eigenverlag, 2020).

Wir gratulieren dem Jubilar und wünschen ihm alles erdenklich Gute, Gesundheit und Gottes reinen Segen.

Dr. Martin Schnabel

Schlagwörter: Pfarrer, Neppendorf, Schönberg, Darmstadt, Geburtstag, Porträt

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