4. Mai 2002

Klaus Johannis

Interview mit Klaus Johannis gleich nach seiner Wahl zum neuen Vorsitzenden des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien (DFDR) und vor dem Spitzengespräch mit der Regierungspartei (PSD). Auf eine "kritische Loyalität", die der deutschen Minderheit in Rumänien nun einmal eigen ist, wolle er achten, erklärte Klaus Johannis vergangener Tage gleich nach dem Gespräch mit dem rumänischen Informationsminister Vasile Dâncu. Der Spitzenvertreter der Regierungspartei (PSD) war nach Hermannstadt gekommen, um eine mögliche Zusammenarbeit ähnlich jener mit dem Ungarnverband (UDMR) mit dem Forum auf Landesebene auszuhandeln. Was sich Johannis in dieser seiner neuen Funktion vornimmt, darüber unterhielt sich mit dem Landesforumschef unser Hermannstädter Mitarbeiter, Martin Ohnweiler.

Herr Johannis, gleich nach Ihrer Wahl zum neuen DFDR-Vorsitzenden sprachen Sie von einer Kompromisslösung. War sie das?

Ja, ich betrachte meine Wahl nach wie vor als einen Kompromiss, denn die Entscheidung der Vertreterversammlung und mithin das Ergebnis entsprechen nun einmal nicht dem Profil einer idealen Lösung. Das auch darum, weil ich als neuer Vorsitzender bereits ein Amt und durchaus kein Ehrenamt inne habe, das schon viel Zeit in Anspruch nimmt, und daher die eine oder andere Funktion an einem etwas kürzeren Strang ziehen könnten. Das hatte ich den Kollegen aus dem Landesvorstand, als sie mir die Kandidatur vorschlugen, auch gleich zu bedenken gegeben und zur Debatte gestellt. Allerdings waren sie dennoch dafür und der Meinung, dass dies ein akzeptabler Kompromiss sei. Schließlich stand damals noch nicht fest, wer sich alles für das Amt noch bewerben werde.

Aber für viele war Ihr Wahlerfolg abzusehen und gleichzeitig der von Ihnen angesprochene Kompromiss.

Ob das nun ein Erfolg ist oder nicht, bleibt vorerst dahingestellt. Ich bin aber der Meinung, dass man sich nicht zur Seite stellen sollte, wenn dies oder jenes dem einen oder anderen abverlangt wird. Wie gesagt, ich hatte meine Bedenken gegenüber dieser zusätzlichen Belastung den Kollegen von aller Anfang an klar formuliert und auf besagten Kompromiss hingewiesen. Nur ohne Kompromisse, denke ich, kommt man in der Politik aber auch nicht aus.

Allerdings durchaus kompromisslos klang Ihre Antrittsrede.

Als Pragmatiker wollte ich gleich von Anfang an die Probleme ansprechen, die wir nun einmal haben. Es macht doch keinen Sinn, diese ganz einfach unter den Teppich zu fegen. Mag sein, dass dabei einige Bereiche angesprochen wurden, die auf diese Art öffentlich im Forum so nie zur Sprache kamen. Nur soll man mich nun nicht falsch verstehen: Ich will auf alle Fälle auf der Linie des Forums weiter arbeiten. Und weil wir ein demokratischen Forum sind, denke ich keineswegs an Entscheidungen im Alleingang, vielmehr möchte ich zunächst die Arbeit des Vorstandes so effizient wie möglich gestalten und gleichzeitig engere Beziehungen zu den einfachen Mitgliedern knüpfen.

Dabei sind Sie auf eine effiziente Unterstützung zunächst der Regionalforen angewiesen, diese jedoch, so hat es den Anschein, setzen vielmehr auf regionalspezifische Prioritäten.

Ich rechne hier durchaus mit einer guten Unterstützung, und die Kollegen haben sie mir auch zugesagt. Dabei meine ich mit Unterstützung weniger langatmige Debatten als vielmehr ehrliche Antworten und prompte Lösungsvorschläge, selbst wenn vieles über die modernen Kommunikationsmittel abgewickelt werden muss. Natürlich bin ich auch auf eine, sagen wir es mal so, ‚physische' Hilfe angewiesen. Und hier denke ich ganz besonders an die Kollegen, die in Bukarest tätig sind, weil die ‚große Politik' nun einmal vor allem in der Landeshauptstadt gemacht wird und die meisten Ereignisse dort über die Bühne gehen. Ich kann, verständlicherweise, nicht immer und überall präsent sein.

Erstmals sprach sich nun mit Ihnen ein DFDR-Vorsitzender eindeutig für eine engere Zusammenarbeit mit den Landsmannschaften aus. Woran denken Sie dabei?

Ich denke, das ist ganz wichtig, weil die Landsmannschaften nun mal diejenigen sind, die sich auch für die Siedlungsgruppen der Deutschen in Rumänien einsetzen. Natürlich haben sie zunächst die Interessen unserer ausgewanderten Landsleute - der Sachsen, Schwaben, Zipser usw. - in den jeweiligen Ländern, eben in Deutschland, Österreich, Kanada oder den USA, zu vertreten. Aber es ist genauso erwiesen, dass diese Leute - wenn auch vorerst verstärkt emotionale - so doch Bindungen zu ihrer Heimat bewahren und von daher geneigt sind, uns, die Hiergebliebenen, zu unterstützen. Das sollte man auf eine gesunde Diskussionsbasis stellen und in gegenseitige Zusammenarbeit ummünzen.

Sie sprachen überdies von einer verstärkten Präsenz des Forums und seiner Mitglieder in landesinternen Gremien. Auf welche Art soll das geschehen?

Die Antwort mag zwar komisch klingen, aber: Ich möchte die Präsenz eben durch Präsenz verstärken. Es ist einfach wichtig, dass wir überall dort dabei sind, wo es möglich ist und wo auch unsere Anliegen besprochen werden. Bloß geht es mir nun nicht nur darum, den anderen zu signalisieren, dass wir da sind. Das weiß man ja. Vielmehr sollten wir gleichzeitig auch die Bereitschaft bekunden, uns in Problemlösungen auf unterschiedlichen Ebenen einzubinden: in der lokalen Verwaltung, in Regierungsgeschäften und, warum nicht, in der Diplomatie.

Nur wie?

Wir müssen immer wieder darauf pochen, was Prof. Philippi stets bekräftigte: Man soll nicht ohne uns über uns sprechen. Das ist leider noch nicht ganz der Fall. Es gibt nämlich Kreise, wo man, öffentlich oder auch nicht, über unsere Probleme debattiert, die Repräsentanten der deutschen Minderheit hierfür aber oft nicht hinzuzieht. Und selbst wenn das eintrifft, sollten wir darauf achten, dass wir dabei nicht nur als einfache Figuranten, sondern als gleichberechtigte Partner akzeptiert und als solche auch behandelt werden.

Das täten mitunter schon die anderen Minderheitenorganisationen. Haben sie an eine engere Zusammenarbeit mit diesen bereits gedacht?

Es gibt sie bereits. Bloß bewegt sich diese momentan hauptsächlich im kulturellen Bereich. So denke ich beispielsweise an das interethnische Projekt in Schäßburg oder an andere ähnliche Veranstaltungen. Nur ist auch dieser Aspekt punktuell sicherlich noch ausbaufähig, selbst auf politischer Ebene kann man sich unter Umständen so gegenseitig den Rücken stärken.

Als bereits "gebranntes Kind" auf dem politischen Parkett bei Verhandlungen, allerdings auf lokaler Ebene, mit der Regierungspartei (PSD) kommt nun das Problem eines Protokolls auf Sie als neuer Landesvorsitzender wieder zu. Was nun?

Warum „gebranntes Kind“? Ich habe, wie bekannt, diese Protokoll-Verhandlungen mit der PSD quasi begonnen und ich habe sie auch wieder abgebrochen bzw. auf Eis gelegt. Anders gesagt: Ich werde diese Gespräche erst dann wieder aufnehmen, wenn gewisse Leute der Regierungspartei aus Hermannstadt ihre Position mir gegenüber klären. Das heißt aber noch lange nicht, dass nun die Beziehungen des Landesforums zur PSD generell von den Hermannstädter Verhältnissen aus definiert werden sollen. Das wäre, wie auch immer betrachtet, unkorrekt und, wenn man dieses Protokoll haben will - die meisten DFDR-Vorstandsmitglieder haben signalisiert, dass man Verhandlungen mit der Regierungspartei wünscht -, dann werde ich in dieser Richtung die passenden Kontakte knüpfen.

Wird Ihnen diese neue Funktion und in dieser Angelegenheit den Rücken auf lokaler Ebene mitunter stärken?

Ich denke, das hängt auch von meinem diplomatischen Geschick ab. Ich halte es durchaus für denkbar, dass diese neue Funktion mich im Amt des Bürgermeisters stärken kann. Ausschließen will ich allerdings gleichzeitig die Situation nicht, wo ich in der einen Position etwas so klar und deutlich mitunter nicht formulieren dürfte, um der anderen eben nicht den Wind aus den Segeln zu nehmen. Ich verwende bewusst den Konjunktiv, behaupte jedoch affirmativ: Wenn man die Probleme ehrlich angeht und anspricht, so muss man keine Vogel-Strauß-Politik betreiben, also den Kopf in den Sand stecken.

Apropos Kopf: Ist dieser neue Hut gekoppelt mit dem anderen nun nicht doch etwas zu groß für Klaus Johannis?

Das sollen die anderen einschätzen, ob der Hut zu groß ist bzw. war oder nicht. Zunächst einmal fühle ich mich nicht überfordert. Und von der Hand zu weisen sind auch einige andere Vorteile nicht: Der Sitz des Bürgermeisters und jener des Landesforums-Vorsitzenden befinden sich nun einmal in Hermannstadt und zudem recht nahe beieinander, so dass zumindest die laufenden Amtsgeschäfte relativ leicht erledigt werden können.

Dafür wünschen wir Erfolg und danken Ihnen für das Gespräch.

Link: www.klausjohannis.com

Schlagwörter: Politik, Johannis, Forum

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