19. Juni 2018

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Vorhang auf für Frida Binder-Radler!

Am 13. Mai wäre sie 110 Jahre alt geworden. Frida Binder-Radler, im Alter von 78 Jahren verstorben, lebt weiter in unzähligen sächsischen Gedichten, die zum Teil vertont wurden, in Sagen und Volkserzählungen und Bühnenstücken in siebenbürgisch-sächsischer Mundart. Das Theaterstück „Der seltsame Gast“ unter der Regie von Helga Schuster durften wir letztes Jahr in Ingolstadt besuchen, damals waren wir auf der Durchreise. Ende April 2018 wurde das Theaterstück „Det Fräendref oder Wie woijt gewännt“ anlässlich von Frida Binder-Radlers 110. Geburtstag im Heidenheimer Siebenbürgerhaus uraufgeführt von der Eltern- und Kindertanzgruppe Heidenheim sowie Gastspielern aus der Theatergruppe Heidenheim, abermals unter der professionellen Regie von Helga Schuster.
Im Vorfeld war es jedoch nötig, das Stück in enger Zusammenarbeit mit Frida Binder-Radlers Sohn Wolfgang Binder den Gegebenheiten anzupassen und teilweise umzuschreiben. Großes Fingerspitzengefühl bewies Helga Schuster bei der Besetzung der Rollen, der Gestaltung des Bühnenbildes und der Auswahl der Kostüme. Ein Augenschmaus waren die diversen Trachten und ein Ohrenschmaus die sächsischen Texte, Redewendungen und Lieder.

Um ein ganzes Dorf mit allen Facetten darzustellen, brauchte Helga Schuster ein großes Ensemble. Groß und Klein, Alt und Jung, Kinder, Frauen, Männer, alle waren zahlreich vertreten. Bildhaft und textgewaltig wurde die kriegsbedingte Männerknappheit dargestellt. Jede Lösung war den einsamen Frauen willkommen. Und auf manch einem Hof wurde zu guter Letzt mit dem angeworbenen Dienstknecht aus dem Szeklerland Hochzeit gefeiert. Auch die Hauptprotagonisten, Enni (gespielt von Sarah Schuster) und Hans (Thomas Weber jun. aus Stuttgart), genannt der Eulenspiegel, durften sich eines Happy Ends erfreuen. Anfangs verschmäht und abgelehnt wegen seines unseriösen Lebenswandels, wurde er freudestrahlend von der Dorfgemeinschaft in Empfang genommen, als er als „Cioban“ mit einer großen Schafherde ins heimatliche Dorf zurückkehrte. Sehr gelungen war die Idee, an die Gäste kleine Schafanstecker zu verteilen, die dadurch die große Schafherde verkörperten und somit aktiv in das Bühnengeschehen eingebunden wurden. Bei Enni, die als einzige dem Hans zugewandt blieb, war die Freude riesengroß, ihn wiederzusehen. Die jüngsten Schauspieler erfreuten das Publikum mit dem Vortrag des Tanzliedes „Et wor enmol en reklich Med“.Frida Binder-Radlers Theaterstück „Det Fräendref ...Frida Binder-Radlers Theaterstück „Det Fräendref oder Wie woijt gewännt“ wurde uraufgeführt von der Eltern- und Kindertanzgruppe Heidenheim sowie Gastspielern aus der Theatergruppe Heidenheim. Foto: Georg Schuster Im Foyer des Hauses ließen die Gäste und Spieler den Abend bei kleinen kulinarischen Köstlichkeiten und guten Gesprächen ausklingen. Die Anreise aus Freiburg im Breisgau nach Heidenheim hat sich gelohnt. Eine überaus gelungene Hommage an Frida Binder-Radler, die, hätte sie der Vorstellung beiwohnen können, sicherlich hocherfreut über die Umsetzung des Stückes im Heidenheimer Siebenbürgerhaus gewesen wäre.

Ursula Stefanovici

Schlagwörter: Heidenheim, Theater, Mundart, Brauchtum

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