13. November 2007

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Zweites siebenbürgisches Kultur­wochenende in München

Das 2. Siebenbürgisch-Sächsische Kulturwo­chen­ende des Landesverbandes Bayern und der Kreisgruppe München fand am 26. und 27. Oktober in der bayerischen Landeshauptstadt statt. Auf dem Programm standen, wie nachfolgend berichtet wird, am ersten Tag ein Vortrag von Horst Göbbel über Hermannstadt und die Großregion Luxemburg, diesjährige Kulturhauptstädte Europas, sowie, tags darauf, ein „Bunter Nachmittag“ im Sudetendeutschen Haus.

Europas Kulturhauptstädte 2007

Die Tische im Gemeindesaal der Auferstehungs­kirche hatte Astrid Greff mit ihren Helferinnen sehr geschmackvoll herbstlich dekoriert. Die rund hundert Zuhörer fanden Getränke und feines Gebäck vor, wofür wir uns auf diesem Wege herzlich bedanken. Der erste Teil unseres Kultur­wochenendes konnte beginnen. Die Vorsitzende der Kreisgruppe München, Heidemarie Weber, begrüßte Oberstudiendirektor Horst Göbbel aus Nürnberg, der uns an diesem Abend mit seinem Vortrag durch die Kulturhauptstädte Hermann­stadt und Luxemburg führen sollte. Sie dankte Frau Dr. Geyer, Pfarrerin in der Auferstehungs­kirche, für die freundliche Aufnahme sowie weiteren Ehrengästen, die der Einladung zum Vor­trag gefolgt waren, insbesondere dem Ehepaar Staude. Herr Staude war früher Pfarrer dieser Gemeinde und ist bestens vertraut mit den Pro­blemen der Siebenbürger Sachsen. In Vertretung von Dr. Bernd Fabritius, des Vor­sitzenden des Landesverbandes Bayern, überreichte Frau Weber den verdienten Mitgliedern unserer Kreisgruppe, Astrid und Michael Greff, das Silberne Ehrenwappen der Landsmann­schaft in Würdigung ihres ehrenamtlichen Engagements. Sie dankte ihnen für ihre vorbildliche Arbeit im Rahmen der Münchner Kreis­gruppe und der „Rokestuf“ und ermunterte sie zu weiterer Tätigkeit. Dann stellte Frau Weber den Redner des Abends vor und erwähnte Göbbels beeindruckenden Werdegang wie auch seine vielen ehrenamtlichen Aufgaben und Tätigkeiten im Dienste unserer Landsmannschaft.

Horst Göbbel stimmte das Publikum auf seinen Vortrag ein mit Momentaufnahmen aus der „guten alten Zeit“. Es folgte ein historischer Ex­kurs ins Frühjahr 1608, als der absolutistische Fürst Gabriel Báthori mit seiner Armee in Hermannstadt eindrang: Plünderungen, große Verluste für die Stadtgeschichte, für unsere Kultur. Der Referent ging ein auf die Begriffe „Kultur“ und „Kulturhauptstadt“, auf die Ver­wandtschaft der Siebenbürger mit den Luxem­burgern, auf die Ähnlichkeit der Sprache. Er sprach von der Identität der Siebenbürger Sachsen, von Hermannstadt als deren geistigem Zentrum, von der schwierigen, aber auch glanzvollen Vergangenheit, von einer Stadt zwischen Arm und Reich, deutscher Tradition, rumänischer Gegenwart und europäischer Zukunft. Göbbel berichtete von der Arbeit und den Erfolgen des Bürgermeisters Klaus Johannis. Zudem entführte der Redner das Publikum in das faszinierende Luxemburg, zeigte Dias von der wunderschönen Landschaft, von Festungen, Kirchen, Brücken, dann wieder moderne Bauten – Bilder eines friedlichen, wohlhabenden Großherzogtums. Und immer wieder sah man die Inschrift „Mir wölle bleiwe wat mir sin“. Es folgten Bilder vom renovierten Zentrum Hermannstadts. Murmeln im Publikum, freudiges Wiedersehen verschiedener altbekannter Gebäude. Dann sah man Aufnahmen von sächsischen Tanzgruppen, auch die Münchner waren zu sehen! Spontanes Klatschen im Saal. Spätestens da war es Göbbel gelungen, die Anwesenden in diese wunderschöne Stadt zu versetzen, sie teilnehmen zu lassen an dem lebhaften Geschehen auf dem Großen Ring, auf dem Huet-Platz.

Man spürte ein wenig Heimat. Mit viel Applaus dankte das Publikum Herrn Göbbel für den schönen Vor­trag, Familie Greff wie auch den vielen fleißigen Helferinnen und Helfern für das Ambiente und nicht zuletzt Frau Weber für ihre guten Ideen und die perfekte Organisation. In geselliger Runde konnten die Anwesenden das Gehörte, Gesehene und vor allem das Empfundene besprechen und das Motto des diesjährigen Sachsentreffens in Hermann­stadt, „Erbe und Zukunft“, besser hinterfragen.

Renate Kaiser

„Bunter Nachmittag“: Kulturelle Vielfalt mit Niveau

Was mal gut begonnen hat, sollte weitergeführt werden – dachten sich der Landesverband Bayern und die Kreisgruppe München, als sie gemeinsam zum zweiten „Bunten Nachmittag“ Ende Oktober ins Sudetendeutsche Haus einluden. Was die Besucher erwartete? – „Tanz, Ge­sang, Dichtung und Wahrheit, mal heiter, mal besinnlich verpackt, und immer wieder Blas­musik“, kündigte die Moderatorin Annette Königes, ihres Zeichens Kulturreferentin der Zeidner Nachbarschaft, gleich zu Beginn an. Sie hatte sogleich die Lacher auf ihrer Seite, als sie sich dafür entschuldigte, dass das Publikum mit ihr Vorlieb nehmen müsse, da die sächsische Fernsehmoderatorin Carmen Nebel abgesagt habe mit der Begründung, die Veranstaltung werde nicht direkt im Fernsehen übertragen. Annette Königes moderierte souverän das zweite ...Annette Königes moderierte souverän das zweite Siebenbürgisch-sächsische Kulturwochenende des Landesverbandes Bayern und der Kreisgruppe München. Foto: Oswald Kessler Zunächst aber wandte sich die stellvertretende Vorsitzende der Landesgruppe Bayern, Herta Daniel, an das Publikum und erinnerte an die gelungene Veranstaltung des Vorjahres. Solche Treffen seien gut geeignet, um „an unsere Her­kunft zu erinnern“. Sie verwies auf die erfolgreichen Ereignisse dieses Jahres, die Mut für die Zukunft machten, etwa das große Engagement der zahlreichen siebenbürgischen Kulturgruppen in der Europäischen Kulturhauptstadt Hermann­stadt oder den jüngst in Geretsried ausgetragenen Volkstanzwettbewerb. Münchens Kreisgrup­penvorsitzende Heidemarie Weber ergänzte die Ausführungen der stellvertretenden Landesvor­sitzenden mit dem Hinweis auf den Verbandstag in Bad Kissingen, von dem sicherlich positive Signale ausgehen werden (siehe Berichterstat­tung in dieser Ausgabe). Sie gab sich überzeugt, dass das Motto des Sachsentreffens in Hermannstadt, „Erbe und Zukunft“, den Geist des Zusam­menhalts unter den Landsleuten stärken werde, und rief dazu auf: „Wir dürfen das Gemeinsame nicht aus den Augen verlieren“.

Den musikalischen Reigen eröffnete die „Original Siebenbürger Blaskapelle München“ unter der Leitung von Werner Schullerus. Den ganzen Abend schafften es die Blasmusiker, mit ihren anspruchsvollen und zum Teil sehr flotten Stücken die Gäste bei Laune zu halten, so dass sie begeistert mitgingen und immer wieder mitklatschten. Man sah einen engagierten Dir­genten, der seine Musiker zu Höchstleistungen anspornte. Genauso engagiert dirigierte auch Wilhelm Spielhaupter den Reußmarkter Chor, der in diesem Sommer in seinem Heimatort aufgetreten ist. Die schönen Trachten der Sänger rundeten den harmonischen Klang der Lieder ab.

Zu einer guten siebenbürgischen Kulturveran­staltung gehört auch der Volkstanz. Und weil die Münchner es sich leisten können, sind gleich drei Formationen aufgetreten. Zunächst die Volks­tanzgruppe München, die vor 23 Jahren von Reußmarktern gegründet wurde und heute unter der Leitung von Simon Spielhaupter steht. In der ersten „Halbzeit“ traten noch die Garchin­ger Volkstänzer unter der Leitung von Ilse Schunn auf, die die Gelegenheit nutzten, unterschiedliche Trachten zu zeigen. Im zweiten Teil kam die Münchner Jugendtanzgruppe auf die Bühne. Sie wird von Gerhard Martini geführt. Der Tanz­nachwuchs hatte unlängst den dritten Preis im Volkstanzwettbewerb erzielt, einen Preis, „über den wir uns gefreut haben als wär’s der erste gewesen“, hörte man von den begeisterten Tänzern.

Eine Premiere, die das Publikum mit viel Applaus honorierte, war der Auftritt des Zeidner Gesangstrios mit Effi Kaufmes, Diethe Maier und Annette Königes. Begleitet wurde es am Keybord vom Musiker Laci Eigner und auf der Querflöte vom Dirigenten der Augsburger Blas­kapelle, Helmut Kraus, und dessen Tochter Harriet. Nach dem Motto „Alte Lieder neu gesungen“ boten sie ein buntes Repertoire von alten siebenbürgischen Volksliedern bis hin zu bayerischen Weisen und schlugen damit eine Brücke von der alten zur neuen Heimat. Neben Tanz und Musik brachte der Kerzer Mundart­dichter Oswald Kessler mit seinen Gedichten und Texten das Publikum zum Schmunzeln und Nachdenken. Zum Abschluss der Veranstaltung versammelten sich alle Darsteller auf der Bühne und sangen zu den Klängen der Blasmusik mit dem Publikum gemeinsam das Siebenbürgen-Lied. Viel Lob erntete die Moderatorin Annette Königes, die mit Esprit souverän durch die Veranstaltung führte. Ein besonderer Dank gebührt der Initiatorin dieser gelungenen Ver­anstaltung, Heidemarie Weber.

hk

Schlagwörter: Bayern, München, Brauchtumspflege

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