20. Dezember 2011

Verdienter Agrarwissenschafter: Heinz Brandsch

Prof. em. Dr. habil. Heinz Brandsch (1926-2011) hat sich nicht nur als Agrarwissenschaftler, sondern auch als Vorsitzender der HOG Schäßburg verdient gemacht.
Als Sohn des anerkannten, langjährigen Direktors des Schäßburger Lehrerinnenseminars Dr. Heinz Brandsch (der Ältere) erblickte Heinz Brandsch das Licht der Welt am 10. Januar 1926 in Schäßburg. Schon am ersten Tag nach seiner Geburt erreichte die Familie eine Gratulation vom Landesbischof zum Stammhalter in der fünften Generation und sagte ihm bereits, wie das in der Familie schon in der Tradition lag, das Studium der Philosophie, Philologie und der Theologie voraus.

Wie wir aber sehen werden, gab es diesbezüglich nur ein kleines „Intermezzo“. Mit der elterlichen Wohnung im Bereich des Lehrerinnenseminars am Schäßburger Wiesenberg begann Heinz Brandsch seinen Schulbesuch in der „Übungsschule“ dieser Lehranstalt, wechselte aber in der vierten Klasse in die evangelische Knabenschule in die Stadtmitte. Hier wurden wir Klassenkollegen und Freunde, eine Freundschaft, die bis zu seinem Lebensende währte. Heinz machte überall mit: In der Blaskapelle des Bischof Teutsch Gymnasiums blies er zunächst Waldhorn, danach übernahm er, um besser in Erscheinung zu treten, die „Tschinellen“. Unter den Schülerinnen des Lehrerinnenseminars war er als Sohn des Direktors sehr gefeiert, was ihm den Spitznamen „Pascha“ einbrachte.

Kurz vor dem Abitur wurde durch die politischen Ereignisse des 23. August 1944 der schülerische Werdegang jäh unterbrochen. Nach Flucht und Kriegserleben war die Heimkehr erst 1946 möglich. Demnach konnte er erst im Sommer 1947 das Abitur ablegen.

Sein beruflicher Traum galt eigentlich der Landwirtschaft; dies bestärkt auch dadurch, dass seine Mutter Hedda, geborene Broser, auf Schäßburger Hattert ein landwirtschaftliches Gut als Erbe mit in die Ehe gebracht hatte. Als Schüler hatte Heinz dafür in den Sommerferien 1943 an der Mediascher Ackerbauschule ein Praktikum abgelegt.

Nun sollte es aber ganz anders kommen. Der Grundbesitz der Mutter war 1945 wie der aller Sachsen enteignet worden. Es herrschte allgemeine Perspektivlosigkeit.

Wie auch andere Kollegen trat er den Fluchtweg an und landete bei seiner Schwester Marna in Leipzig. Der früheren Prophezeiung des ­Bischofs entsprechend begann er in Leipzig und Berlin ein philosophisch-theologisch-philo­lo­gi­sches Studium, ohne dies jedoch abzuschließen. Er nahm eine Anstellung als Grundschullehrer wahr, wobei ihm die pädagogischen Erfahrungen, erlebt im Elternhaus und im Umfeld des Lehrerinnenseminars, zugute kamen. Dies bis 1952. Dann begann er das Studium in seinem Wunschberuf an der Landwirtschaftlichen Hochschule. Der Diplomprüfung 1955 folgten Stationen und Meilensteine als Hochschulassistent, Promotion, Oberassistent, Institutsdirektor, Habilitation, Dozent, Professor an der Universität, Dekan, Stellvertretender Vorsitzender des Beirates für Agrarwissenschaften beim Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen der DDR. Es gab in seiner beruflichen Laufbahn zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen für seine wissenschaftlichen und pädagogischen Leistungen. Veröffentlichungen in seinem Fachgebiet rundeten die erfolgreiche Laufbahn unseres Landsmannes ab. Er verfügte über eine glänzende Rhetorik, verbunden mit viel Sinn für Humor, was ihn bei seinen Studenten sehr beliebt machte.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurden einige Heimatortsgemeinschaften neu gegründet. Heinz Brandsch wurde wieder zu dem, der er im Innersten geblieben war: zu einem Schäßburger. Als Mann der ersten Stunde war er am 15. Mai 1993 Gründungsmitglied der Heimatortsgemeinschaft Schäßburg e.V. und wurde 1994 zu deren erstem Vorsitzenden gewählt. Sein Führungsstil war geprägt von Toleranz, Geduld, Nachsicht und Sicherheit. Es galt, durch echte Führung eine Vielfalt von Personen unterschiedlicher Generationen, Charaktere und Bildung zu einem effizienten Team zu bringen. Eine echte Herausforderung!

In den Jahren seiner Vorstandschaft wurde das Vereinsblatt „Schäßburger Nachrichten“ erstmals herausgegeben, zahlreiche Hilfsprogramme für Schäßburg durchgeführt und Projekte angestoßen sowie Schäßburger Treffen veranstaltet. Bleibendes Zeugnis seines Engagements für Schäßburg war die Herausgabe, zusammen mit Heinz Heltmann, Walter Lingner und zahlreichen Mitarbeitern, des Heimatbuches „Schäßburg – Bild einer siebenbürgischen Stadt“ (1994 und 1998), gefolgt vom „Bildband Schäßburg/Sighişoara/Segesvár – aus Vergangenheit und Gegenwart“.

Die HOG Schäßburg ist ihm dankbar bis auf den heutigen Tag für seinen Einsatz, verliert in ihm ihren ersten Vorsitzenden. Prof. Dr. Heinz Brandsch hinterlässt einen Sohn und eine Tochter, die in ihrem Tun bemüht sind, ihrem erfolgreichen Vater Ehre zu machen. Ein besonderer Dank gilt Christa Wilhelm. Sie ist eine Bekannte aus früheren beruflichen Beziehungen, die sich mit ihm gedanklich gut austauschen konnte und unserem Verstorbenen in seinen letzten Jahren hilfreich beistand.

Julius Henning

Schlagwörter: Nachruf, Agrarwissenschaft, Schäßburg, HOG

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