2. November 2014

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Der Siebenbürgisch-Sächsische Kulturrat - Überblicksdarstellung des Vorsitzenden Hon.-Prof. Dr. Konrad Gündisch

Der Siebenbürgisch-Sächsische Kulturrat e.V. (SSKR) ist ein Zusammenschluss überregional tätiger siebenbürgisch-sächsischer Organisationen und Institutionen aus Deutschland, Österreich und Rumänien. Er wird als ein Dachverband aller größeren siebenbürgisch-sächsischen Vereine angesehen, die sich für kulturelle Belange der Siebenbürger Sachsen einsetzen. Der SSKR ist diesen allerdings nicht übergeordnet, vielmehr bemüht, gemeinsame Projekte und Anliegen zur Sicherung, Bewahrung und Weiterentwicklung der Kultur und Geschichte der Deutschen in und aus Siebenbürgen abzustimmen, zu koordinieren und deren Förderung bei dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, dem Bundesinnenministerium, den Ländern Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg und anderen Behörden auf der Grundlage des §96 des Bundesvertriebenen- und Flüchtlingsgesetzes (BVFG) zu beantragen.
Dieser Paragraph lautet in seiner aktuellen Fassung: „Bund und Länder haben entsprechend ihrer durch das Grundgesetz gegebenen Zuständigkeit das Kulturgut der Vertreibungsgebiete in dem Bewusstsein der Vertriebenen und Flüchtlinge, des gesamten deutschen Volkes und des Auslandes zu erhalten, Archive, Museen und Bibliotheken zu sichern, zu ergänzen und auszuwerten sowie Einrichtungen des Kunstschaffens und der Ausbildung sicherzustellen und zu fördern. Sie haben Wissenschaft und Forschung bei der Erfüllung der Aufgaben, die sich aus der Vertreibung und der Eingliederung der Vertriebenen und Flüchtlinge ergeben, sowie die ­Weiterentwicklung der Kulturleistungen der Vertriebenen und Flüchtlinge zu fördern.“ Desgleichen wurden und werden Projektförderungen bei der Europäischen Union und bei Stiftungen eingeworben. Mitglieder des Kulturrates sind folgende Vereine oder Verbände (in alphabetischer Reihung):

  • Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde e.V. Heidelberg
  • Bundesverband der Siebenbürger Sachsen in Österreich e.V.
  • Demokratisches Forum der Deutschen in Siebenbürgen
  • Evangelische Kirche A.B. in Rumänien
  • Freunde und Förderer der Siebenbürgischen Bibliothek e.V.
  • Gemeinschaft Evangelischer Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben im Diakonischen Werk der EKD e.V. (Hilfskomitee)
  • Sektion Karpaten im Deutschen Alpenverein e.V.
  • Siebenbürgisch-Sächsische Stiftung
  • Siebenbürgisches Museum Gundelsheim e.V.
  • Stiftung Siebenbürgische Bibliothek
  • Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V.
  • Verband der Siebenbürgisch-Sächsischen Heimatortsgemeinschaften e.V.

Geschichte – Aufgaben – Projekte

Vorläufer des heutigen Kulturrats war ab 1969 der Siebenbürgisch-Sächsische Kulturbeirat als informeller Kreis der maßgeblichen sächsischen Vereinigungen in Deutschland mit dem Ziel, die kulturellen Maßnahmen aufeinander abzustimmen, gemeinsam gegenüber den Förderern aufzutreten, mit einer Stimme zu sprechen statt miteinander zu konkurrieren. 1982 erfolgte die Etablierung als eingetragener Verein unter dem heutigen Namen, um die institutionelle Förderung des Patenlandes Nordrhein-Westfalen und des Sitzlandes Baden-Württemberg für das Kulturzentrum in Gundelsheim und weitergehende kulturelle Anliegen zu verwalten. 1992 wurde das Siebenbürgische Museum auf Veranlassung des Bundes aus dieser Konstruktion gelöst und wird seither von diesem direkt gefördert. Das Patenland Nordrhein-Westfalen stellte seine Förderung Ende 2005 leider ein. Weist die Wetterfahne auf günstigen Wind hin? ...Weist die Wetterfahne auf günstigen Wind hin? Schloss Horneck in Gundelsheim beherbergt unsere zentralen Kultureinrichtungen: Siebenbürgische Bibliothek, Archiv und Museum. Neben der institutionellen Förderung durch Baden-Württemberg (etwa 1,5 Personalstellen) und Projektförderungen vor allem des Bundes hat seither die Unterstützung durch die Mitglieder des Kulturrats zentrale Bedeutung erlangt. Dank zahlreicher und selbstloser Spender konnte die Fortführung der kulturellen und wissenschaftlichen Aktivitäten ermöglicht werden, wenngleich nicht mehr auf dem Niveau, das bis 2005 möglich war: Schon 1992 war der Verein der Freunde und Förderer der Siebenbürgischen Bibliothek gegründet worden, der die laufende Bestandspflege sicherstellt. 1996 erwarb der Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde das Institutshaus (Schlossstraße 41), das er mietfrei zur Verfügung stellt. 1999 wurde schließlich die Stiftung Siebenbürgische Bibliothek gegründet, die inzwischen die Entlohnung von fast der Hälfte des in Gundelsheim tätigen Personals sichert. Ihrem konsequenten Aufbau gilt das Augenmerk aller Werbeaktivitäten und Spendenaufrufe, um Siebenbürgen-Institut und Bibliothek langfristig auf eine feste Basis zu stellen. Zudem wäre die Fortführung der Arbeit dieser zentralen wissenschaftlichen Einrichtungen der Siebenbürger Sachsen in Deutschland ohne den ehrenamtlichen Einsatz sehr vieler Funktionsträger undenkbar.

Aufgaben des SSKR sind gemäß seiner Satzung die wissenschaftliche Forschung, Dokumentation und Lehre zur Geschichte und Kultur Siebenbürgens mit Schwerpunkt Siebenbürger Sachsen. Zu diesem Zweck unterhält er das Siebenbürgen-Institut mit Siebenbürgischer Bibliothek und Archiv in Gundelsheim am Neckar und stellt dessen Verwaltungsrat.

Der Kulturrat koordiniert nicht nur, sondern fördert und verwirklicht auch kulturelle und wissenschaftliche Aktivitäten. Als wichtigstes Projekt ist zweifellos das in den Jahren 1991-1999 umgesetzte Vorhaben „Dokumentation siebenbürgisch-sächsischer Kulturgüter“ zu nennen. Damals wurden, gefördert vom Bundesinnenministerium, später vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, alle historischen Baudenkmäler und deren Inventar erfasst, die die Siebenbürger Sachsen in ihrer Heimat errichtet und ausgestattet haben. Es wurde die einmalige Gelegenheit wahrgenommen, die Situation unmittelbar nach der Wende in Rumänien und nach der Aussiedlung zahlreicher Siebenbürger Sachsen zu dokumentieren. Gleichzeitig wurde bei der Sicherung von Kultur- und Archivgut in enger Abstimmung mit der Evangelischen Landeskirche mitgeholfen, insbesondere in Gemeinden, die nahezu vollständig ihre deutsche Bewohnerschaft eingebüßt haben.

Der Vorstand und seine Funktionsweise

Der Vorstand des Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturrats wird alle drei Jahre neu gewählt. Seit September 2013 leiten den Kulturrat: Hon.-Prof. Dr. Konrad Gündisch – Vorsitzender, Dr. Harald Roth – stellvertretender Vorsitzender, Dekan Hermann Schuller – Schriftführer. Ebenso gehört dem Vorstand der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats des Siebenbürgen-Instituts, Prof. Dr. Joachim von Puttkamer, an. Dr. Dr. h. c. mult. Christoph Machat, der im Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturrat von 1992 bis 2013 den Vorsitz innehatte, wurde im September 2013 zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Der Kulturratsvorsitzende Hon.-Prof. Dr. Konrad ...Der Kulturratsvorsitzende Hon.-Prof. Dr. Konrad Gündisch (rechts) im Gespräch mit seinem Amtsvorgänger Dr. Dr. h.c. Christoph Machat beim diesjährigen Heimattag, als beide mit dem Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturpreis 2014 ausgezeichnet wurden. Foto: Christian Schoger Die Vorsitzenden der Mitgliedsvereine oder deren Vertreter treten zu zweimal jährlich stattfindenden Sitzungen zusammen und beraten über die großen, übergreifenden kulturellen Vorhaben der Mitgliedsverbände. Diese werden aufeinander abgestimmt, es werden – nach Einholung von Gutachten – Prioritäten gesetzt sowie deren Finanzierung geregelt, soweit diese auf Zuwendungen der öffentlichen Hand angewiesen sind. Eigene Förderfonds besitzt der Kulturrat nicht. Vorrang genießen bei Anträgen die Erhaltung der Arbeitsfähigkeit und die Förderung der zentralen Einrichtungen auf Schloss Horneck (Siebenbürgisches Museum und Siebenbürgen-Institut), wissenschaftliche Forschungsvorhaben und die kulturellen Anliegen der Siebenbürger Sachsen im Herkunftsgebiet.

Die wichtigsten Einrichtungen

Die Siebenbürgische Bibliothek auf Schloss Horneck ist mit über 80000 Bestandstiteln heute die vollständigste Sammlung zur Geschichte und Kultur der Siebenbürger Deutschen sowie zur Landeskunde Siebenbürgens. Sie wurde 1955 in Rimsting gegründet und 1963 auf Schloss Horneck nach Gundelsheim überführt. Laufende Zustiftungen ließen und lassen die Bestände stetig wachsen. Bis 2003 waren ihre Träger der Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde, das Hilfskomitee der Siebenbürger Sachsen und der Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland. Seither befindet sie sich in der Trägerschaft des Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturrates als gesamtsächsischer Institution. Gern wird sie als Nationalbibliothek der Siebenbürger Sachsen in Deutschland bezeichnet, die das kulturelle Gedächtnis dieser Gruppe in ihren Wechselwirkungen mit anderen Völkern und Ethnien dieser Region speichert. Die Siebenbürgische Bibliothek sammelt lückenlos alles publizierte Schriftgut von und über Siebenbürger Sachsen und hat somit die Funktion übernommen, die bis 1944 der Bibliothek des Brukenthalmuseums in Hermannstadt zukam. Schon seit den 1960er Jahren war die Bibliothek über die Universitätsbibliothek Heidelberg eng mit dem deutschen Bibliothekswesen vernetzt. Seit 1995 meldet sie ihre Bestände direkt in überregionale Verbundkataloge, so dass ein Großteil der Titel inzwischen weltweit recherchierbar ist. Neben Heimatforschern nutzen die Bibliothek vor allem Wissenschaftler aus dem In- und Ausland sowie Studierende für ihre Qualifikationsarbeiten.

Der Bibliothek wurde 1970 ein Archiv angeschlossen, in dem nichtpubliziertes Schriftgut erschlossen und der Forschung zugänglich gemacht wird. Hier befinden sich die Archive zahlreicher sächsischer Institutionen der Nachkriegszeit, eine Vielzahl an Nachlässen, ein großes Foto-Archiv, vielerlei Sondersammlungen zum Beispiel mit einem Persönlichkeiten-Archiv, Plänen, Briefmarken, Schriftgut jeder Art. Seit der Jahrtausendwende werden auch Digitalisate von Archivbeständen in Siebenbürgen in großem Umfang gesammelt.

Als Klammer für Bibliothek, Archiv sowie verschiedene Forschungsprojekte, die sich in der Zwischenzeit in Gundelsheim angesiedelt hatten, wurde 1992 das Siebenbürgen-Institut gegründet. 2003 wurde dieses als An-Institut dem Seminar für Osteuropäische Geschichte der Universität Heidelberg angegliedert und versorgt dort seither einen Lehrauftrag. Zwischen 1970 und 1993 hatte das Institut für Auslandsbeziehungen über den Arbeitskreis für Siebenbür­gische Landeskunde einen „Referenten für transylvanische Forschung“ in Gundelsheim beschäftigt, der in dieser Zeit die Grundlagen für das Institut schuf.

Das Siebenbürgische Museum sieht es als seine Aufgabe an, in seinen Schausammlungen ein umfassendes Bild der Geschichte und Kultur Siebenbürgens und seiner Völker zu vermitteln. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei den Siebenbürger Sachsen. In seiner Dauerausstellung auf Schloss Horneck in Gundelsheim werden die Landesgeschichte, städtische und ländliche Kultur, Kunstgewerbe, Bildungs- und Sozialwesen dargestellt und eine Gemäldegalerie unterhalten. Sonderausstellungen befassen sich mit einzelnen Künstlern, Gewerben oder volkskundlichen Themen.

Das Museum entstand als siebenbürgisch-sächsische Heimatstube, die zunächst von fachkundigen Bewohnern des Heimathauses Siebenbürgen, insbesondere von Dr. Luise Treiber-Netoliczka betreut wurde. Schon in den 1970er Jahren entwickelte sich daraus ein Museum mit einem umfassenden Anspruch zu Dokumentation und Präsentation. Dabei konnte es vor allem auf die große Spendenbereitschaft der Landsleute bauen. Seit 1978 wurde es von einem Kustos betreut. Mit der Übernahme der Förderung durch den Bund 1992 wurde es mit dem Status eines Landesmuseums personell und strukturell ausgebaut und erhielt eine räumliche Dépendance in der Stadt Gundelsheim, unter anderem für die inzwischen umfänglichen Depots und Schausammlungen.

Genauso wie die Bibliothek hatte das Museum früh auf Schloss Horneck eine Heimstatt gefunden. Das Schloss mit Nebengebäuden wurde 1960 vom Hilfsverein der Siebenbürger Sachsen „Johannes Honterus“ mit dem Zweck der Einrichtung eines Altenheims erworben. Die Kultureinrichtungen konnten hier bis 2013 mietfrei unterkommen und wurden in den Anfangsjahrzehnten vom Hilfsverein vielfältig gefördert. Derzeit beteiligen sie sich an den hohen Kosten – etwa für den Denkmalschutz – mit einem Mietanteil.

Kulturzentrum verdient eine stärkere Förderung der öffentlichen Hand

Der Kulturrat ist heute insbesondere damit beschäftigt, den Fortbestand der zentralen Kultureinrichtungen der Siebenbürger Sachsen in Gundelsheim zu sichern. Siebenbürgen-Institut und Siebenbürgisches Museum können nur mit hauptamtlich wirkenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ihre Arbeit voll entfalten, die erforderlichen Finanzmittel müssen sowohl bei der öffentlichen Hand nachdrücklich eingefordert als auch bei allen Siebenbürger Sachsen eingeworben werden. Das ist eine schwierige Aufgabe, die allen Verantwortlichen viel Einsatzbereitschaft abfordert, damit alle Kräfte dieser Gruppe auf politischer, gesellschaftlicher und gruppeninterner Ebene mobilisiert werden. Es kann nicht sein, dass ein vorwiegend auf Eigenleistung aufbauendes Kulturzentrum nicht auch jene Förderung der öffentlichen Hand findet, die es verdient! Dabei leistet der Verband der Siebenbürger Sachsen als wichtigster politischer Zusammenschluss und kraftvolle Interessenvertretung der Belange seiner Mitglieder eine ausgezeichnete, eng mit dem Kulturrat abgestimmte Arbeit. Doch müssen alle Mitglieder und alle Verantwortungsträger des Kulturrats zugleich für das Verständnis und die Unterstützung durch die Landsleute wirken, ihnen klar machen, dass ihre historische und kulturelle Erinnerung bewahrt werden muss, weil auf ihr das Gemeinschaftsgefühl gründet, aber auch die Identität jedes Einzelnen auf ihr beruht. Dafür zu wirken, dass nicht nur das Bestehende langfristig gesichert wird, sondern dass neue kulturelle und wissenschaftliche Vorhaben durchgeführt werden können, um die Kultur und Geschichte der Siebenbürger Sachsen im dritten Jahrtausend zeitgemäß und breitenwirksam fortzuentwickeln, ist eine lohnende, eine begeisternde Aufgabe.

Der Siebenbürgisch-Sächsische Kulturrat e. V. ist als gemeinnützig anerkannt. Spenden können steuerlich abgesetzt werden (bis 50 Euro gilt der Überweisungsbeleg). Das Konto des Kulturrats: Kreissparkasse Heilbronn BLZ: 62050000, Kontonummer: 009 574 537, IBAN: DE31 6205 0000 0009 5745 37, BIC: HEISDE66.

Konrad Gündisch

Schlagwörter: Gundelsheim, Kulturrat, Bibliothek, Archiv, Museum, Siebenbürgen-Institut, Gündisch

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