21. Juli 2015

Jugend prägt Heimattag der Siebenbürger Sachsen in Nordamerika

Die Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Kanada und der German-Canadian Klub in Aylmer, Ontario hatten zum Heimattag nach Aylmer, Ontario, eingeladen. Dieser Einladung folgten am 11. und 12. Juli zur großen Freude der Veranstalter weitaus mehr Gäste aus Kanada und den USA als ursprünglich erwartet. Zeitgleich fand auch das Föderationsjugendlager in den USA statt, dessen Teilnehmer selbstverständlich auch dabei waren und offensichtlich magnetische Wirkung auf viele Jugendliche aus der näheren Umgebung ausübten.
Dieser Heimattag war durch die große Anzahl von jungen Leuten geprägt und entsprach somit voll und ganz dem Motto „Unsere Jugend - unsere Zukunft“: „Ich konnte mir gar nicht vorstellen, dass es hier in der Gegend so viele junge Siebenbürger Sachsen gibt", freute sich der stellvertretende Bundesvorsitzende der Landsmannschaft in Kanada John Penteker. Die Jugend begeisterte die Zuschauer am Kameradschaftsabend am Freitag, der als Einstimmung auf diesen Heimattag gedacht war, mit einem kurzweiligen Kartoffelspiel. Bei stimmungsvoller Musik und Tanz war die Wiedersehensfreude unter den Teilnehmern groß. Die Freude, einander wiederzusehen, war allen in die Gesichter geschrieben. Unter ihnen waren am Sonntag auch Anna und Michael Boehm, die Eltern des kanadischen Vizeaußenministers Dr. Peter Boehm.

Für die sportbegeisterten jungen Leute ging es gleich Samstagvormittag mit einem „Soccer“-Spiel auf dem Sportplatz des Klubs weiter. Anschließend konnte sich jeder mit einem Mittagessen stärken, wobei Palukes nicht fehlte.

Die Tanzgruppen (hier die Transylvania Club Youth ...
Die Tanzgruppen (hier die Transylvania Club Youth Dance Group) strahlten Jugend und Eleganz aus. Foto: Herta Daniel
Eine liebevoll zusammengestellte Ausstellung von alten Handarbeiten und Trachten lud zum Bewundern und Betrachten ein. Viele dieser Erbstücke konnten Geschichten erzählen: Eines der ältesten Stücke stammt aus dem Jahre 1904 und wurde von Familie Ungar Michael im Treck mitgenommen und überstand unversehrt einen Bombenangriff, während fast alle anderen wertvollen Handarbeiten nicht mehr zu retten waren. In dem Ausstellungsraum liefen ein Film und eine Fotoschau über die Entwicklung des Aylmer Klubs. So konnten sich die Besucher u. a. über die Misswahlen, Heimattage, Vorsitzenden, Oktoberfeste informieren. Der Handarbeitskreis der Frauen hatte bestickte Trachtenbeutel vorbereitet, die zum Verkauf angeboten wurden und auch reißenden Absatz fanden.

Das festliche Bankett am Samstagabend wurde mit dem Einzug der Fahnenabordnungen und der Redner eröffnet. Das Ansehen, das die Siebenbürger Sachsen in Aylmer genießen, konnte man daran ermessen, dass als Vertreter der Politik der amtierende Bürgermeister Gregg Currie den Heimattag mit seiner Anwesenheit beehrte. Er begrüßte die Gäste im Namen der Stadt und wies in seiner Ansprache auf den Schmelztiegel der vielen in dieser Stadt lebenden Nationalitäten und deren Wirken für die Stadt hin und hob besonders das gute Miteinander auch mit der Gemeinschaft der Siebenbürger Sachsen hervor, während der 1. stellvertretende Präsident der Alliance of Transylvanian Saxons (ATS), Robert Cunningham, seiner großen Freude über das Zustandekommen des Jugendlagers Ausdruck verlieh und einiges zu dessen Organisation sagte. Die stellvertretende Bundesvorsitzende des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, Herta Daniel, überbrachte neben den Grüßen unseres Verbandes auch diejenigen des Bundesverbandes der Siebenbürger Sachsen in Österreich und des Demokratischen Forums der Deutschen in Siebenbürgen.

Bei einem solche Heimattag fehlten auch ernste Themen nicht: Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Kanada, John Penteker, erinnerte in seinem Grußwort an die Heimatlosigkeit der Siebenbürger Sachsen vor über 70 Jahren und an die hier im fernen Kanada gefundene neue Heimat. Einen ähnlichen Themenkomplex hatte auch der aus Bayern stammende Pfarrer Manfred Strauß für den Festgottesdienst gewählt. Er erläuterte den Begriff Heimat, wies auf die Einmaligkeit dieses Begriffes hin und hob die Schwierigkeit hervor, das Wort Heimat in eine andere Sprache zu übersetzen. Er spannte den Bogen von der verlorenen Heimat Siebenbürgen bis hin zu Kanada, wo die Siebenbürger Sachsen ihre neue Heimat gefunden hätten und nun hier zuhause seien.

Am Sonntagmorgen konnte man einen stattlichen Trachtenumzug von der evangelischen St. John's Kirche bis zum Klubhaus des German-Canadian Klubs durch die Straßen von Aylmer bewundern. Angeführt wurde dieser von den Fahnenträgern, die die siebenbürgisch-sächsische Fahne und die derjenigen Länder trugen, in der die Föderationsvereine der Siebenbürger Sachsen ihren Sitz haben: Deutschland, Österreich, USA, Kanada, Rumänien.
Heimattag im kanadischen Aylmer: Ehrengäste auf ...
Heimattag im kanadischen Aylmer: Ehrengäste auf dem Podium beim festlichen Bankett (von links) Helgard Werner mit ihrem Gatten John Werner, Herta Daniel, Thomas Manning mit Gattin Liz Manning; auf der Bühne die Transylvania Hofbräu Band.
Der Transylvania Chor unter der Leitung von Dieter Conrad erfreute mit einem überaus reichen Liederrepertoire, während die Transylvania Blasmusik unter der Leitung von Andrea Emrich für gute Stimmung sorgte. Die Tanzgruppen (Cleveland Saxon Dance Group, Transylvania Club Youth Dance Group, Saxonia Club Dance Group) strahlten Jugend und Eleganz aus und überboten sich bei ihren Vorführungen althergebrachter, aber auch moderner Tänze.

Die Teilnehmer des Föderationsjugendlagers überraschten die Anwesenden mit einem gemeinsamen Auftritt, für den sie das Lied „Wahre Freundschaft“ unter der Leitung von Heidi Weber einstudiert hatten. Die Begeisterung für diese Art Veranstaltung, für das Zusammensein mit Siebenbürger Sachsen, für die Kulturpflege kann sehr gut auch durch ein beeindruckendes Beispiel aufgezeigt werden: Amanda Seiler-Botsch, die Präsidentin der Cleveland Saxon Dance Group, machte nur vier Wochen nach der Geburt ihres fünften Kindes mit. Ein solches Engagement ist bewundernswert!

Die Ansprachen des Gastgebers John Werner und die Festansprache des Gastes aus Übersee, Herta Daniel, standen ganz im Zeichen des Mottos „Unsere Jugend - unsere Zukunft“. John Werner ging auf die Entwicklung der Föderationsjugendlager ein und verkündete stolz, dass von den Teilnehmern des ersten Jugendlagers 1971 in Siegen in Deutschland vier Personen (Elizabeth Weber aus den USA, Rosemary Toeper/Rawlings, Helgard und John Werner aus Kanada) anwesend seien. Er erinnerte auch an das bedeutende Jugendlager des Jahres 1975 in Kanada, das mit dem Heimattag zusammenfiel und bei dem erstmalig die Vorsitzenden der siebenbürgisch-sächsischen Landsmannschaften aus Deutschland, Österreich, USA und Kanada, Vertreter der Evangelischen Kirche aus Siebenbürgen und auch Gäste aus Rumänien dabei waren. Er hielt den Anwesenden sehr detailliert die Ziele der Jugendlager vor Augen: Sinn und Zweck eines Jugendlagers sei nicht nur ein schöner Urlaub, sondern vielmehr die Jugendlichen mit dem lebendigen Puls unserer Vergangenheit und mit den Problemen der Gegenwart vertraut zu machen, um an den Lösungen der Aufgaben in Zukunft mitarbeiten zu können. „Der wichtigste Eindruck, den Ihr mitnehmt, ist jedoch der von unserer Gemeinschaft, denn das ist ja der eigentliche Sinn unserer gegenseitigen Besuche und der Jugendlager, dass wir einander kennenlernen und so gut das geht wieder zu der Gemeinschaft zusammenwachsen, aus der uns das Schicksal herausgerissen hat.“

Die Festansprache von Herta Daniel war ein Appell an die siebenbürgisch-sächsische Jugend, sich innovativ und leistungsbereit am Fortgang unserer Kultur, unserer Traditionen und unserer landsmannschaftlichen Arbeit weiterhin zu beteiligen. Dabei gelte es, unsere aus jahrhundertealter Tradition und Lebensweise hervorgegangenen Werte weiterzugeben und weiter zu leben. Unsere Jugend habe vor allem den Auftrag, als Zukunftsträger der siebenbürgisch-sächsischen Gemeinschaft den gewachsenen Ansprüchen der heutigen Zeit gerecht zu werden.

Als Beispiele der Vernetzung der siebenbürgisch- sächsischen Jugend nannte sie die Internationale Tanzveranstaltung in Wels, Österreich, 2014 mit über 400 Trachtenträgern aus drei Ländern sowie den geplanten Sachsentreffen 2017. Dies seien Beispiele von Veranstaltungen und Projekten mit Leuchtturmcharakter.

Der ATS-Präsident Thomas J. Manning ging in seiner Ansprache auf unsere Traditionen ein und erinnerte daran, dass diese auch viele Jahrzehnte in den USA weitergelebt würden.

Die Trachtenkenner werden sich freuen zu hören, dass auch bei den Siebenbürger Sachsen in Kanada das Bewusstsein für das Tragen korrekter Trachten vorhanden ist. So berichteten zum Beispiel zwei Schwestern von ihrer aus Mediasch stammenden Mutter, dass diese darauf bestehe, ihre beiden Töchter bei siebenbürgisch-sächsischen Veranstaltungen immer in ihrer (unveränderten) Mediascher Tracht gekleidet zu sehen. Mehrere Damen erkundigten sich nach der Möglichkeit, in Deutschland oder Siebenbürgen authentische Nordsiebenbürger Trachten anfertigen zu lassen oder zu erwerben. Ihre Vorfahren stammen aus dem Nösnerland und sie möchten diese Tradition fortführen. All dies sind erfreuliche Entwicklungen, die zuversichtlich stimmen, geht es doch darum, die Vielfalt der siebenbürgisch-sächsischen Trachten in ihrer jeweiligen Authentizität auch in Kanada und in den USA erhalten zu wollen. Einige waren sich auch dessen bewusst, dass die Trachten im Laufe der Zeit einige fremde oder nicht passende Elemente enthielten, was man unbedingt korrigieren müsse. Dieser Heimattag wurde auch für Gespräche zwischen den anwesenden Verantwortungsträgern der Mitgliedsverbände der weltweiten Föderation der Siebenbürger Sachsen genutzt. Es wurden Fragen zu Satzungsänderungen, zur Planung eines Weltverbandstags, zum Sachsentreffen 2017 in Siebenbürgen und dem Kulturaustausch 2016 besprochen.

HD

Schlagwörter: Heimattag, Kanada, ATS, Aylmer, Daniel

Bewerten:

28 Bewertungen: +

Noch keine Kommmentare zum Artikel.

Zum Kommentieren loggen Sie sich bitte in dem LogIn-Feld oben ein oder registrieren Sie sich.