22. November 2015

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Pädagoge und Literaturwissenschaftler Dr. Daniel Eiwen wurde 70

Daniel Eiwen – die ersten 44 Jahre seines wechselvollen Lebens hieß er Doru Chirică – wurde am 22. November 1945 in Galatz geboren, kam mit seinen Eltern und seiner Schwester nach Kronstadt und lebte dort, zusammen mit seiner Gattin, bis zu seiner Ausreise, 1984. Seither ist er Kölner und seitdem er Rentner ist, ist er auch oft in Kronstadt, Brenndorf oder sonstwo in Siebenbürgen zu Besuch und zu Hause.
Daniel Eiwen ist ein Siebenbürger, dessen Werdegang und Wirken im Zeichen des deutsch-rumänischen Zusammenlebens steht. Nach dem Schulbesuch in Kronstadt ging er zum Pädagogischen Institut der Universität Jassy (Abschluss mit Staatsexamen), wurde danach Lehrer im Burzenland, setzte seine germanistische Ausbildung im Fernstudium an der Universität Bukarest fort (seine Diplomarbeit widmete er dem dramatischen Werk Adolf Meschendörfers), wirkte als Lehrer an der Schule in Brenndorf und gleichzeitig an der Volkshochschule von Kronstadt. Nach seiner Ausreise wurde er erneut Student, dieses Mal an der Universität zu Köln. Nach vierjährigem Studium der Romanistik, Germanistik und Bibliothekswissenschaft promovierte er 1986 mit dem hochinteressanten Thema „Das Bild Deutschlands und des Deutschen in der rumänische Literatur“.

Dr. Daniel Eiwen. Foto: Stefan Lössl ...Dr. Daniel Eiwen. Foto: Stefan Lössl Ingmar Brantsch, der leider zu früh verstorbene Germanist, nannte Eiwens Dissertationsarbeit eine „wahre literaturhistorische Herkulesarbeit“. In seinem umfassendsten literaturwissenschaftlichen Buch habe Eiwen „die wichtigsten rumänischen Literaturdarstellungen der Deutschen in ihrem zeitbedingten Gesellschaftsrahmen kritisch dargestellt, angefangen von der Gründung der rumänischen Fürstentümer Moldau und Walachei über die Zeit Großrumäniens in den Jahre zwischen den zwei Weltkriegen und dann die Epoche des Sozialistischen Realismus bis in die späten achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts“, so Brantsch. Ein weiteres interkulturelles Thema behandelte Eiwen im Essay „Das Bild des Anderen in Siebenbürgen. Stereotype in einer multiethnischen Region“ (1998).

In Köln war Daniel Eiwen zunächst Dozent und Lehrbeauftragter für Rumänisch an der Universität und anschließend Leiter des Dokumentationsbüros und der Bibliothek, lehrte Deutsch im Kulturzentrum „Ignis“, arbeitete nebenbei als beeidigter Dolmetscher und Übersetzer, war Mitarbeiter der Berlitz Schools of Languages für Geschäftsleute Köln und der linguedu Sprachschule Wuppertal, leitete des Bundesarchiv des ZMO in Bergheim zur Inventarisierung und Katalogisierung ostdeutschen Kulturgutes und führte zeitweise die Bibliothek des Pädagogischen Seminars der Universität Köln. Auch nach seiner Pensionierung bietet er Rumänisch-Kurse für Hörer aller Fakultäten der Uni Köln, nimmt an wissenschaftlichen Kolloquien teil, übersetzt rumänische Literatur und arbeitet an einem mehrsprachigen Bilderwörterbuch für Migrantenkinder.

Über die Imagologie, die das Bild des Anderen mit den jeweiligen Vorurteilen und Stereotypen erforscht, hielt Daniel Eiwen immer wieder Vorlesungen und Vorträge an der Uni in Leipzig und Köln, in der Volkshochschule und anderen Einrichtungen. So referierte er im Oktober 2015 beim deutsch-französische Kolloquium „Bohemiens und Marginalität“, das seine frühere Studentin Dr. Sidonia Bauer, Tochter des Brenndorfer Dichters Edgar Bauer-Kloos, organisierte, über „Das Bild des Zigeuners in der rumänischen Literatur – vom Sklaven in den Fürstentümern zum Thron Moldaus“. Er bot dabei einen Überblick über die Darstellung des Zigeuners in der rumänischen Literatur, über Vorurteile und Ressentiments, aber auch über die Möglichkeiten und Pflicht, den Anderen wie die Seinigen zu verstehen und zu respektieren.

Mit Siebenbürgen ist Daniel Eiwen stets eng verbunden geblieben. Den Kontakt zu den sächsischen Dorfbewohnern pflegt er auch heute, besucht oft Brenndorf und schickt seinen bescheidenen Obolus als Spende für die Erhaltung der dortigen Kirche.

Dr. Daniel Eiwen ist ein Siebenbürger modernen Typs, dem die Sprache – Rumänisch und Deutsch – vorzüglich und hilfreich zur Hand steht und der anhand der Sprache das Typische dieser interessanten Region Ostmitteleuropas und seiner Menschen beleuchtet hat.

Wir wünschen ihm noch viele Jahre des fruchtbaren Arbeitens.

HvK

Schlagwörter: Porträt, Geburtstag, Literaturwissenschaftler, Pädagoge

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