30. März 2017

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Spektakuläre Aktionskunst in der Münchner Fotoausstellung von Jürgen van Buer

Die Ausstellung „Eine feste Burg … Kirchenburgen in Siebenbürgen“ des Fotografen Jürgen van Buer fand nach der vielbeachteten Präsentation in der Nürnberger Vesperkirche eine nächste Bleibe in München. Es ist nicht das erste Mal, dass ein Künstler, der von der Tiny Griffon Gallery präsentiert wird, anschließend in den Räumen des Generalkonsulats von Rumänien in München ausgestellt wird. Es ist eine große Ehre für den Künstler. Prof. Dr. Jürgen van Buer hat diese Ehre erwidert, indem er aus Berlin anreiste, um am 10. März an der Vernissage teilzunehmen.
Gemeinsam mit dem Kurator der Ausstellung, Josef Balazs, wurde eine aufsehenerregende Performance veranstaltet. Sie nannten die Aktion: „Keisd statt Kreisd – Die Eliminierung des R und Wiederkehr der Farbe“. Zwischen Aktionskunst und Performance ist eine eindeutige Trennlinie schwer zu ziehen. Der Künstler und der Kurator wollten sich auch nicht auf einen der Begriffe festlegen. Fakt ist, dass die Aktion vor der einführenden Rede, die Josef Balazs halten sollte, stattfand. Eingeleitet wurde sie durch einen Text: Die Ausstellung sei enttäuschend, weil schwarz-weiß, und die Bilder seien fehlerhaft beschriftet – Meinungen, die vereinzelt auftraten und Künstler und Kurator zu einer Stellungnahme und Korrektur in Form einer Performance veranlassten. Man wolle, dass diese Ausstellung nicht als enttäuschend in der Erinnerung der Besucher bleibe, sondern: befriedigend, akzeptabel, mehr noch, beglückend bis phantastisch! Deshalb werde der Künstler Jürgen van Buer ein Foto ersetzen – symbolisch – für die anderen ... in Farbe … und die fehlerhafte Beschriftung werde auch richtig gestellt! Das ist, verkürzt wiedergegeben, der Text der Performance.Josef Balazs und Jürgen van Buer. Foto: ...Josef Balazs und Jürgen van Buer. Foto: Mühlenbacher Die Aktion bzw. Performance dauerte vier Minuten und folgte einer präzisen Dramaturgie: Jürgen van Buer hängte das besagte Bild ab. Das Schwarzweißfoto wurde aus dem Rahmen genommen und durch ein Farbfoto ersetzt; anschließend wurde er mit dem neuen Inhalt zurückgehängt. Beim zweiten Bild wurde die „fehlerhafte“ Beschriftung durch ein Etikett mit der korrekten Ortsbezeichnung, also KEISD, überklebt.

Jürgen van Buer deutet diese Aktion als „eine kritische Selbstkorrektur“. Denn, sagte er, wegen der Fülle des Materials habe er sich schlichtweg vertippt und ein „r“ zu viel geschrieben, also „Kreisd“. Dieser Tippfehler sorgte beim Heimattag in Dinkelsbühl, wo die Bilder erstmalig ausgestellt wurden, doch für einen „kleinen Anstoß“. Ärgerlich für eine ganze Reihe von Betrachterinnen und Betrachtern, die ihn immer wieder auf den „Fehler“ hinwiesen.

Die zwei Performer haben Wert auf die mediale Dokumentation ihrer einmaligen Aktion gelegt und sie als Video aufzeichnen lassen, allerdings ironisch, provokativ ohne Ton. Nur die Bewegung zählt, also die Tat. Vom anwesenden Vernissage-Publikum, darunter auch der Kulturreferent des Verbandes der Siebenbürger Sachsen, Hans-Werner-Schuster, wurde die Aktion positiv aufgenommen. Erst als ein einziges Farbfoto zwischen den Schwarz-Weiß-Darstellungen hing, erkannte man eindeutig den qualitativen Unterschied. Die Kommentare lauteten unisono: Ja, erst jetzt sehe man klar, dass Schwarzweißfotografie viel prägnanter, kontrastreicher und aussagekräftiger sei.

Elsa Mühlenbacher


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Fotografien von Jürgen van Buer in München ausgestellt

Schlagwörter: Ausstellung, Fotografie, München

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