26. Dezember 2018

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SbZ-Umfrage zum Jahreswechsel, Teil 1

Was sie 2018 besonders bewegte und 2019 beschäftigt – prominente Landsleute geben Auskunft
Es rinnt unaufhaltsam aus, das Jahr 2018, und lässt sich bereits aus der Vogelperspektive betrachten, 2019 dagegen, dessen Schwelle wir uns soghaft nähern, noch kaum aus der erkenntnisarmen Froschperspektive erahnen. Da ist der Begriff also gefallen: Perspektive – Durchsicht oder Durchblick. Von der deutschen Lyrikerin Anke Maggauer-Kirsche stammt der Aphorismus: „Rituale und Zeichen geben uns die Kraft, dem Unfassbaren ins Auge zu sehen.“ Global verbreitet findet man die ritualisierte Handlungsweise, zum Jahreswechsel Bilanz zu ziehen, insbesondere Wünsche und Vorsätze insgeheim oder mehr als halblaut zu bekunden, am Höhepunkt der Silvesternacht, wenn, im pulsierenden Sekundentakt Schlag zwölf Neujahr in einem Schwall aus Sekt, farbenprächtigem Himmelsspektakel, Umarmungskaskaden, ohrenbetäubendem Krach und Frostschauern über uns hereinbricht. So gesehen wollen wir die Ruhe vor dem „Sturm“ nutzen und von einigen bekannten, prominenten Landsleuten kurz vor Ultimo erfahren, was sie im abgelaufenen Jahr persönlich besonders bewegt hat, was sie 2019, wie man neudeutsch flapsig zu sagen pflegt, „auf dem Schirm“ haben und, nicht zu vergessen, was sie uns allen wünschen. Allen Teilnehmenden unserer kleinen Umfrage der Siebenbürgischen Zeitung (SbZ) wurden die identischen folgenden vier Fragen gestellt, verbunden mit der Bitte, möglichst kurz und bündig zu antworten:


a) Was hat Sie 2018 am meisten nachhaltig gefreut?

b) Worüber haben Sie sich am stärksten aufgeregt bzw. geärgert?

c) Ein besonderes Projekt oder Ziel, das Sie im nächsten Jahr umsetzen bzw. erreichen wollen:

d) Was wünschen Sie sich zum Jahreswechsel für unsere Gemeinschaft bzw. Gesellschaft?


Lesen Sie im Folgenden die Antworten der Befragten (in alphabetischer Reihung), die wir, heute beginnend, dreiteilig veröffentlichen.

Christian Schoger




Dr. Wolfgang Bonfert, Ehrenvorsitzender des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland: Dr. Wolfgang Bonfert, Ehrenvorsitzender des ...Dr. Wolfgang Bonfert, Ehrenvorsitzender des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland a) Für mich ist es immer wieder eine Freude, den Heimattag in Dinkelsbühl, dieses Jahr war es meine 56. Teilnahme, zu erleben, besonders weil hier unsere Jugend mit reger Beteiligung aktiv ist, z.B. bei der Planung, bei der Organisation, bei der Beteiligung am Trachtenzug, bei der Ausrichtung eigener Festbeiträge und beim offenen Tanzen. Aber nicht nur bei Festveranstaltungen, auch in der Mitarbeit in den Landes- und Kreisgruppen und dem Auftreten in der Öffentlichkeit ist die Jugend gleichbleibend aktiv. Diese Aktivitäten sind nach der „Ankurbelung“ der Jugendarbeit vor rund 40 Jahren zunehmend selbstständig von der Jugend entwickelt und vorangetrieben worden.

b) In einer Zeit, in der die Menschen zunehmend aufgrund der technisch-elektronischen Möglichkeiten mit Informationen, Meldungen, Ratschlägen und Bildmaterial überflutet werden, neigen auch die öffentlichen Medien zunehmend, diesem Trend nachzueifern. Statt sachbezogener, korrekter Meldungen und Informationen werden immer häufiger Tendenzen, Meinungen und Kommentare, die als solche nicht ausgewiesen werden, vermittelt. Zur Presse- und Medienfreiheit gehört auch Verantwortung und Ehrlichkeit. Dass hier zunehmend Mängel zu verzeichnen sind, stört mich!

c) Im Alter denkt man häufig an das Gewesene zurück. So habe ich schon in diesem Jahr damit begonnen, meine Lebenserinnerungen, vorrangig für meine Enkel, in Abschnitten niederzuschreiben. Für das kommende Jahr 2019 habe ich mir vorgenommen, diese Arbeit mit der beruflichen Ausbildung nach dem Abitur und meinem weiteren Lebensweg fortzusetzen, wobei natürlich mein Engagement seit meinem Beitritt 1959 zur Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen auch für die damit verbundenen Tätigkeiten dokumentiert werden soll.

d) Das Projekt „Siebenbürgisch-Sächsisches Kulturzentrum Schloss Horneck“ in Gundelsheim, das voriges Jahr in so eindrucksvoller Weise aufgefangen und auf einen neuen Weg gebracht wurde und nun auch durch öffentliche Mittel gefördert wird, möge möglichst rasch durch die begonnenen erforderlichen Baumaßnahmen so hergerichtet werden, dass es der bestimmungsgemäßen Nutzung zugeführt werden und als Zentrum unserer Identität wirksam werden kann. Den Akteuren, die sich dieser Arbeit widmen, gebührt unser aller Dank.


Herta Daniel, Bundesvorsitzende des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland sowie Präsidentin der Föderation der Siebenbürger Sachsen: Herta Daniel, Bundesvorsitzende des Verbandes der ...Herta Daniel, Bundesvorsitzende des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland sowie Präsidentin der Föderation der Siebenbürger Sachsen a) Mit Dr. Bernd Fabritius wurde zum ersten Mal ein Siebenbürger Sachse in ein hohes Regierungsamt in Deutschland berufen: Er wurde Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten! Als Präsidentin der Föderation der Siebenbürger Sachsen freute mich besonders die Zustimmung des Föderationsrates, den Kulturaustausch und die Föderationsjugendlager unbedingt aufrechtzuerhalten.

b) Die Benachteiligung der Spät-/Aussiedler in Sachen Fremdrentengesetz ist von den dafür verantwortlichen Politikern immer noch nicht beseitigt worden! Als Präsidentin der Föderation der Siebenbürger Sachsen ärgerte mich vor allem die Diffamierungskampagne gegen die deutsche Minderheit in Rumänien, die eigentlich gegen den Staatspräsidenten Klaus Johannis gerichtet ist.

c) Die Besetzung der Positionen des Bundesgeschäftsführers und des Bundeskulturreferenten mit tatkräftigen und engagierten Personen, um so die Kontinuität der bisher geleisteten Arbeit in unserem Verband sicherzustellen; darüber hinaus die Aufnahme des Vereins der Siebenbürger Sachsen in der Schweiz in die Föderation der Siebenbürger Sachsen.

d) Etwas mehr Gemeinschaftssinn und Verständnis füreinander – insbesondere auch auf der von uns ursprünglich für einen zivilisierten und intelligenten Gedankenaustausch zur Verfügung gestellten interaktiven Website.


Hans Jürgen Dörr alias „Jürgen aus Siebenbürgen“, Musiker: Hans Jürgen Dörr alias „Jürgen aus Siebenbürgen“ ...Hans Jürgen Dörr alias „Jürgen aus Siebenbürgen“ a) Das ist ganz klar die Geburt von Hannes, meinem Sohn!

b) Über die vielen nationalistischen Bewegungen in Europa.

c) Ich möchte so viel Zeit wie möglich mit meiner Familie verbringen.

d) Ich sehe viele von uns als kleine „Selbstversorger“ und glaube, dass auch dadurch unsere Kultur noch am Leben ist. Darum wünsche ich uns keinen Thermomix zu Weihnachten.


Dr. Bernd Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, zudem Präsident des Bundes der Vertriebenen: Dr. Bernd Fabritius, Beauftragter der ...Dr. Bernd Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, zudem Präsident des Bundes der Vertriebenen a) Die Berufung zum Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten.

b) Die unverschämten Angriffe der rumänischen Regierung mit Nazi-Vorwürfen gegen unsere Gemeinschaft der Siebenbürger Sachsen.

c) Rentengerechtigkeit auch für Spätaussiedler!

d) Mehr Großherzigkeit und Zusammenhalt im Ganzen, Gesundheit und Glück für jeden Einzelnen.


Dr. Heinke Fabritius, Kulturreferentin für Siebenbürgen: Dr. Heinke Fabritius, Kulturreferentin für ...Dr. Heinke Fabritius, Kulturreferentin für Siebenbürgen, Bessarabien, Bukowina, Dobrudscha, Maramuresch, Moldau, Walachei. Bildquelle: Anna Nesterenko a) Die substanziellen Förderzusagen für Schloss Horneck durch BKM (Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien; die Redaktion) und das Land Baden-Württemberg; der Abschluss der Restaurierungsarbeiten am Tobsdorfer Chorgestühl und seine Aufstellung in der Mediascher Margarethenkirche.

b) Das – trotz zahlreicher Initiativen – vielerorts dennoch ungewisse Schicksal religiöser Baudenkmale in Rumänien.

c) Viele weitere Interessierte für den landschaftlichen und kulturellen Reichtum des südöstlichen Europa gewinnen, etwa durch Reise-, Informations- und Bildungsangebote.

d) In der öffentlichen Debattenkultur wünsche ich mir weniger Aufregung, mehr Phantasie und mehr Gelassenheit.


Erhard Graeff, Bundesgeschäftsführer des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland: Erhard Graeff, Bundesgeschäftsführer des ...Erhard Graeff, Bundesgeschäftsführer des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland a) Die Bestellung zweier Beauftragter der Bundesregierung mit Personen mit siebenbürgischen Wurzeln hat mich gefreut – der Beauftragte gegen Antisemitismus und der Aussiedlerbeauftragte.

b) Das in der Öffentlichkeit kommunizierte oder gar reale Wahlverhalten bestimmter Aussiedlergruppen ärgert mich immer noch.

c) Die „Neuordnung“ der Schwerpunkte in meinem Sein und Handeln steht an.

d) Unserer Gemeinschaft wünsche ich die Erkenntnis, dass sich von selbst gar nichts erledigt und nur Zusammenhalt in möglichst großer Anzahl erfolgversprechend bleibt; unserer Gesellschaft stünden ausgeprägtere christliche Werte gut zu Gesicht. Wünschen kann man‘s sich.


Lesen Sie dazu auch:


SbZ-Umfrage zum Jahreswechsel, Teil 2

SbZ-Umfrage zum Jahreswechsel, Teil 3

Schlagwörter: Umfrage, 2018, Siebenbürgische Zeitung, Landsleute, 2018, 2019, Bonfert, Herta Daniel, Bernd Fabritius, Heinke Fabritius, Dörr, Jürgen aus Siebenbürgen, Graeff

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