8. Oktober 2019

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Tagung in Bad Kissingen: Klausenburg im Fokus

In der Bildungs- und Begegnungsstätte „Der Heiligenhof“ in Bad Kissingen findet vom 22. bis 24. November das Wochenendseminar „Stadt- und Kulturgeschichte von Klausenburg/ Cluj-Napoca/Kolozsvár“ in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde sowie der Babeş-Bolyai-Universität Klausenburg statt.
Die im Nordwesten Siebenbürgens gelegene Stadt Klausenburg ist mit etwa 325000 Einwohnern gegenwärtig die zweitgrößte Stadt Rumäniens. Siedlungsspuren gibt es aus prähistorischer Zeit und der Antike. Zeitweise war sie Hauptstadt der römischen Provinz Dacia Porolissensis. Während der Zeit der Völkerwanderung verfiel die antike Siedlung. Auf ihren Überresten wurde durch die ungarischen Könige, die Anfang des 12. Jahrhunderts ihr Reich von der Pannonischen Tiefebene in Richtung Osten bis zu den Karpatenkämmen befestigten, eine Burg gebaut. Ende des 12. Jahrhunderts wurden Hospites aus Westeuropa angesiedelt, die aber im „Mongolensturm“ 1241 umkamen. Danach wurden erneut Siedler angeworben und die Ortschaft neu aufgebaut. 1316 wurden Klausenburg die Stadtrechte verliehen, ab 1405 wurde die Stadt mit Mauern befestigt. Sie wurde zunächst von sächsischen Kaufleuten und Handwerkern bewohnt, jedoch zogen stetig Bewohner aus dem weitgehend ungarisch geprägten Umland nach. Ab 1458 gab es eine paritätische Beteiligung deutscher und ungarischer Bürger an der Leitung der Stadt. In Klausenburg durften im Gegensatz zu den sächsischen Städten Siebenbürgens auch ungarische Adlige wohnen und Grundbesitz erwerben. Durch Assimilierungsprozesse ging das deutsche Bürgertum Anfang des 17. Jahrhunderts im ungarischsprachigen auf.

In habsburgischer Zeit wurde Klausenburg Provinzhauptstadt des Fürstentums und nachmaligen Großfürstentums Siebenbürgen. 1872 wurde dort die erste Universität Siebenbürgens gegründet. Bis heute ist sie die zweitgrößte Rumäniens. Infolge der Friedensverhandlungen nach dem Ersten Weltkrieg kam Siebenbürgen zu Rumänien. Durch den Zweiten Wiener Schiedsspruch wurde Nordsiebenbürgen mit Klausenburg von 1940 bis 1944 Ungarn zugesprochen, was nach 1945 revidiert wurde. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde aus einer lange Zeit mehrheitlich von Ungarn geprägten Stadt durch Bevölkerungswachstum und die forcierte Industrialisierung sowie die Zuwanderung von Rumänen aus anderen Landesteilen eine Gemeinde mit großer rumänischer Mehrheit. Die lebenswerte Stadt hat ein bedeutendes städtebauliches Erbe und ein reges kulturelles Leben. Nach der Tagung findet die Mitgliederversammlung des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde statt.

Als Referenten haben ihre Teilnahme zugesagt: Ph.D. Cosmin Rusu: Einführung in die Geschichte Klausenburgs von den Anfängen bis 1787; Dr. Szilárd Ferenczi: Die Entwicklung Klausenburgs und die städtischen Eliten im 19. und frühen 20. Jahrhundert; Dr. Albert Zsolt Jakab: Hungarian and Romanian Memory Construction in Cluj in the 19th-20th Centuries; Hon.-Prof. Dr. Konrad Gündisch: Die Rolle Klausenburgs in der sächsischen Erinnerungskultur; Prof. Dr. Wilfried Schreiber: Kulturgeographischer Stadtrundgang durch Klausenburg; Dr. Robert Nagy: Die Entwicklung Klausenburgs zum siebenbürgischen Industriezentrum seit 1867; Prof. Dr. András F. Balogh: Die Rolle der Klausenburger Germanistik im rumäniendeutschen Literaturbetrieb 1919-2019; Lesung von Dr. h.c. Joachim Wittstock aus dem Werk: „Die uns angebotene Welt“; Dr. Robert Offner: Ärzte und Apotheker in Klausenburg vom 15. bis 19. Jahrhundert; Dr. Edit Szegedi: Kirchengeschichte Klausenburgs.

Die Teilnahme an der Veranstaltung kostet 60 Euro (ermäßigt für Studierende, Teilnehmer aus Ost- und Ostmitteleuropa, Bedürftige: 20 Euro) und ggf. Einzelzimmerzuschlag 20 Euro, zuzüglich 3,60 Euro Kurtaxe, jeweils für den gesamten Zeitraum. Einzelzimmer sind nur begrenzt verfügbar. Der Veranstalter ist bemüht, alle Interessenten in der Tagungsstätte unterzubringen. Der Teilnahmebeitrag beinhaltet Unterkunft, Verpflegung und Programmkosten. Die Veranstaltung wird voraussichtlich von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert. Bitte melden Sie sich umgehend an: Bildungs- und Begegnungsstätte „Der Heiligenhof“, Alte Euerdorfer Straße 1, 97688 Bad Kissingen, Telefon: (0971) 71470, Fax: (0971) 714717, E-Mail: info[ät]heiligenhof.de.

Schlagwörter: Tagung, Bad Kissingen, Heiligenhof, Klausenburg

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