7. November 2019

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Lesung Heinrich Heini in Augsburg

Der in Hermannstadt geborene und am Bodensee lebende Satiriker Heinrich Höchsmann las aus seinem Werk und verblüffte das Auditorium mit seinen Gedanken- und Worts. Die Lesung am 11. Oktober im Haus der Begegnung wurde von der Kreisgruppe Augsburg veranstaltet. Die eingeschlagene Linksfährte endete ohne zu blinken rechts bzw. geradeaus.
„Die 100 Seiten des Herrn Siegerius“ und neu „Die verborgenen Seiten des Herrn Siegerius“ bieten Einblick in sein (Er)Leben. Er ist eine Kunstfigur, die alles hört, sieht und weiß. Leider weiß er alles besser oder tut nur so, als ob er es besser wüsste. Tatsache, dass keiner mehr hinhört, sein Senf wird nicht gebraucht.

Die Geschichten aus „der alten und neuen Heimat“ sind keine Baugesellschaft, sie spiegeln das Leben des Autors. „Fünfzehn Mal“, die Weihnachtsgeschenk-Geschichte, beschreibt das 16. Erscheinen auf der Polizei mit der Verständigung, dass nun die Ausreise genehmigt sei. Der Tagtraum „Kirschblüte am Michaelsberg“ verbindet Bilder und Gedanken vor und nach der Ausreise. „Die Wiese, in der ich lag, die Kirschblüte über mir, die Burg und der halbe Stein, sie begehrten auf, sie führten mich zurück in die unbeschwerten Jugendjahre.“ Heini Höchsmann las aus seinem Buch „Die 100 ...Heini Höchsmann las aus seinem Buch „Die 100 Seiten des Herrn Sigerius“ in Augsburg. Foto: Annemarie Klein Die nostalgische Rückschau „Unsere Schreyer-Mühle gibt es nicht mehr“ erinnert an die herausragende Stellung des Bades (Ștrandul Sașilor, Sachsenbad) bei der Naherholung des damals nicht sonderlich gestressten Hermannstädters. „Mir doch nicht“ erzählt das Missgeschick beim Schwarztauschen, vorher überzeugt seiend, dass „mir sowas nicht passieren kann“.

„Das Kabüffchen“ beschreibt Badeerlebnisse in zwei Ebenen. Der Autor liegt im Luxusmarmorbad eines Fünf-Sterne-Hotels und erinnert sich an den Holzverschlag mit offenem Gasfeuer von zu Hause.

Im Zuge des Sportstudiums, Schwimmkurs in Năvodari, erlebt H.H. „Mamaia bei Nacht“ (und Tag), Erlebnisse, die mit der Aussage (der Westdeutschen) kulminieren: „Aha, sie kommen aus dem Siebengebirge …!“ Zum Abschluss dieses Kapitels bot „Die Zangengeburt der Himbeerwurst“, Einblick in den verstopften Alltag einer Sommerfrische in Sibiel. Nach einer Stunde anstrengenden Zuhörens wurden die Anwesenden mit einem Schmalz-Schnittlauch-Imbiss und passenden Getränken belohnt.

Im zweiten Teil tauchte Heinrich Heini in die Satire ein. Er stellte fest, dass spätestens seit Tucholsky die Satire alles dürfe (dachten die Abendländer). „Der Stick“, ein verbaler Slapstick, macht deutlich, wie es um die Kommunikation zwischen Mann und Frau steht, er liest Zeitung und sie spricht (an die Wand).

„Keiner kommt hier lebend raus!“, Titel der Jim Morrison (Doors)-Biographie, ist die amüsante Geschichte von „ Zehn kleine Käferlein“, die über Nacht die Wohnung des Autors besetzten, um zu bleiben, und wie es ihnen ergangen ist. Herr Siegerius stolziert über den berühmten Pariser Friedhof und assoziiert wahre und unwahre Begebenheiten zu den toten Berühmtheiten. Es auferstehen Hahnemann (Der Erfinder der Homöopathie mit Apotheke am Kleinen Ring in Hermannstadt), Enescu rhapsodiert, während Gertrude Stein Hemingway was proustet, weil dieser ihr eine unanständige Postkarte geschrieben hatte. Mehr davon in „Pere Lachaise und all die anderen“.

Passend zum Leseort Augsburg wird der QM-Wahn der neuen Brüsseler (Spitzen) Bestimmungen entlarvt und auf die Schippe genommen. „Warten leicht gemacht“ karikiert das Warten im Klinikum, und wie es die Patienten glücklich macht. Trump darf nicht fehlen. Er steigt aus dem Pariser Umweltabkommen aus und beschleunigt so das Abschmelzen der Polkappen. Er spielt:“Kiribati- oder wie versenke ich Inseln?“

Das Ende ist der Unsinns-Poesie gewidmet. Nonsens muss keiner verstehen, er soll unterhalten. Heinrich Heini entlässt seine Hörer mit kurzen Schmunzel-Attacken: „Das Wappen der Lappen, ist ein Lappen im Wappen!“ „Die Monarchie gehört ins Monarchiv!“ „Am Ende bist du immer gescheiter(t)!“ „Aus der Regel in die Taufe!“ „Mit Nasenring wirst du handlicher!“

Alles in allem, drei kurzweilige Stunden, in denen sowohl Geist als auch Körper nicht zu kurz kamen. Unser Dank geht an alle freiwilligen Helferinnen und Helfer der Kreisgruppe Augsburg, die die Räume geschmückt und für das leibliche Wohl der Gäste gesorgt haben.

Jürgen Scheiber

Schlagwörter: Lesung, Satire, Hermannstadt, Satire

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