16. Februar 2020

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Ausstellungen über Kirchenburgen und Tobsdorfer Chorgestühl in Düsseldorf

Gleich zwei Ausstellungen mit siebenbürgisch-sächsischem Bezug laufen bis zum 15. März im Gerhart-Hauptmann-Haus in Düsseldorf. Die Ausstellungen „Kirchenburgenlandschaft Siebenbürgen – Ein europäisches Kulturerbe“ und „Das Tobsdorfer Chorgestühl und seine Restaurierung“ werden als Kooperationsveranstaltung zwischen der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus und der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland erstmals in Nordrhein-Westfalen gezeigt. Auch die thematische Verbindung beider Ausstellungen war ausschlaggebend, damit beide Ausstellungen parallel in Düsseldorf zu sehen sind.
Die Wanderausstellung über die Kirchenburgenlandschaft Siebenbürgen wirft einen Blick auf die Kirchenburgen als eindrucksvolles, architektonisches Zeugnis mittelalterlicher Architektur in Siebenbürgen. Entwickelt wurde die Schau von der Stiftung Kirchenburgen, die unter der gemeinsamen Schirmherrschaft des deutschen Bundespräsidenten und rumänischen Staatspräsidenten steht, dem Deutschen Kulturforum östliches Europa, der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien (EKR) sowie der Technischen Universität Berlin. Anschaulich wird dabei über die Geschichte der Kirchenburgen und aktuelle Intitiativen zu deren Erhalt informiert.

Der Ursprung der Ausstellung über die Renovierung des Tobsdorfer Chorgestühls geht auf das Jahr 2009 zurück, als dieses in der Kirchenburg in Großau als Bretterhaufen von der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim entdeckt wird. Rund 500 Jahre stand das gotische Gestühl – genaugenommen ein Dreisitzer und ein Sechssitzer – in der Kirche in Tobsdorf im Weinland, bevor es Anfang des 21. Jahrhunderts, stark in Mitleidenschaft gezogen, in Tobsdorf abgebaut und in Großau eingelagert wurde. Der Studiengang Konservierung und Restaurierung von Möbeln und Holzobjekten von der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim nahm sich nach Absprache mit der EKR und der rumänischen Denkmalpflege dieses Objektes an. Von 2010 bis 2018 erforschten, dokumentierten und restaurierten rund 70 Studierende das Gestühl, bevor es im Herbst 2018 wieder nach Siebenbürgen zurückgebracht und im Chor der Mediascher Margarethenkirche in der Nähe des Tobsdorfer Flügelaltars aufgestellt wurde, der sich seit 1999 ebenfalls dort befindet. Großes Interesse und rege Gespräche bei der ...Großes Interesse und rege Gespräche bei der Kirchenburgenausstellung in Düsseldorf. Foto: Rainer Lehni Eine Nachbildung des Dreisitzers des Tobsdorfer Chorgestühls in Originalgröße auf Leinwand ist als Blickfang neben dem Eingang zum Gerhart-Hauptmann-Haus schon von der Straße aus zu sehen und macht neugierig auf beide Ausstellungen. Dass beide Themen großes Interesse weckten, zeigte die Anwesenheit von über 90 Besuchern bei der Eröffnung der Ausstellungen am 29. Januar 2020. Der Ausstellungsraum platzte fast aus allen Nähten. Die Organisatoren freuten sich selbstverständlich über den enormen Zuspruch.

Nach einer kurzen Begrüßung durch den Direktor des Hauses, Prof. Dr. Winfried Halder, hieß der Bundes- und Landesvorsitzende Rainer Lehni das Publikum willkommen. Er begrüßte den Konsul am Rumänischen Generalskonsulat in Bonn, Marin Gheorghe, und zeigte sich erfreut, dass Landsleute aus mehreren Kreisgruppen anwesend waren, ebenso wie Vertreter des Rumänischen Kulturvereins Athenäum in Düsseldorf und zahlreiche Düsseldorfer. Sein Dank ging auch an die Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus für die gute Zusammenarbeit. Die Ausstellung zeigt, wie das Tobsdorfer ...Die Ausstellung zeigt, wie das Tobsdorfer Chorgestühl restauriert wurde. Foto: Laura Ebert Im Auftrag der Stiftung Kirchenburgen stellte Dr. Hans-Georg Franchy, Vorsitzender der HOG Bistritz-Nösen, die Kirchenburgenausstellung vor. Es ging dabei auf den Zweck und das Wirken der Stiftung seit ihrer Gründung in 2015 ein. In die Ausstellung zum Tosbdorfer Chorgestühl führte der Leiter der Restaurierungswerkstätte an der HAWK Hildesheim, Dr. Ralf Buchholz, ein. Er gehört zu den „Rettern“ dieses sakralen Möbels und hat die Restaurierung von Beginn an begleitet. Seine Begeisterung war in seinen Worten gut zu spüren. Die Vernissage wurde bei einem siebenbürgischen Imbiss, den Landeskulturreferentin Heike Mai-Lehni mit ihren Helferinnen Angelika Schwager und Gabriele Mai vorbereitet hatte, bei guten Gesprächen und einem Gläschen Wein abgerundet.

Als Rahmenveranstaltung zu den Ausstellungen referierte Rainer Lehni am 11. Februar ebenfalls im Gerhart-Hauptmann-Haus zum Thema „Siebenbürgen – eine einmalige Kirchenburgenlandschaft“. Im Vortrag wurden die geschichtliche Entwicklung dieses Symbols der Siebenbürger Sachsen und die aktuellsten Entwicklungen verdeutlicht. Neben vielen bekannten waren auch weniger bekannte Kirchenburgen zu sehen. Zudem wurden die ungarischen Kirchenburgen im Szeklerland vorgestellt, ebenso die sächsischen Kirchen des Nösnerlandes, die größtenteils an andere Konfessionen übergeben wurden. Ralf Buchholz erläutert den Besucherinnen der ...Ralf Buchholz erläutert den Besucherinnen der Ausstellung, wie das Tobsdorfer Chorgestühl restauriert wurde. Foto Rainer Lehni Der Vortrag erfreute sich – trotz stürmischen Wetters – eines enormen Zuspruchs mit rund 65 Besuchern. Auch bei dieser Veranstaltung hatte Landeskulturreferentin Heike Mai-Lehni ein kleines siebenbürgische Büffet gezaubert, unterstützt vor Ort von Hanna Jung-Boldan und Winfried Göllner. Bei Veranstaltungen der Landesgruppe NRW hat sich dieses Format einer Verbindung von Kultur und Kulinarik als sehr gut und gemeinschaftsfördernd erwiesen.

Als weitere Rahmenveranstaltung zur Kirchenburgenausstellung stellt die Bibliothek des Gerhart-Hauptmann-Hauses in ihrer Reihe „Bücher im Gespräch“ Bücher zu den Kirchenburgen und Wehrkirchen vor. Die Buchpräsentation findet am Mittwoch, dem 11. März, um 15.00 Uhr statt. Eine Anmeldung bis zum 10. März ist erforderlich bei Dina Horn unter Telefon (02 11) 1 69 91-30 oder per E-Mail an horn [ät] g-h-h.de.

Die beiden Ausstellungen können noch bis 15. März 2020 im Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstr. 90, 40210 Düsseldorf besucht werden. Die Öffnungszeiten sind Montag und Mittwoch 10 – 17 Uhr, Dienstag und Donnerstag 10 bis 19 Uhr und Freitag 10 bis 14 Uhr. Eine Besichtigung am Samstag ist auf Anfrage möglich.

Rainer Lehni

Schlagwörter: Ausstellung, Kirchenburgen, Düsseldorf, Tobsdorf, Rainer Lehni, Gerhart-Hauptmann-Haus

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