15. September 2021

Neues aus der Orgelwelt Siebenbürgens

Der Orgelausschuss der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien ist stolz darauf, von zahlreichen positiven Aktivitäten zum Erhalt von Orgeln in unserer Landeskirche berichten zu können. Er ist gemäß seinem Mandat ausschließlich ein beratendes Organ und nicht Urheber und Finanzierer all der im Folgenden genannten Projekte. Er ist dafür verantwortlich, die Besitzer (Kirchengemeinden oder stellvertretend Kirchenbezirke) der Instrumente fachlich zu begleiten und zu beraten.
Am 22. August 2021 konnte im Rahmen des Bartholomäusfestes in Kronstadt die Wegensteinorgel nach einer umfassenden Reparatur wieder in Gebrauch genommen werden. In den letzten Jahren häuften sich bei ihr offensichtliche Fehler massiv. Ein würdiges Begleiten des Gottesdienstes und anderer Aktivitäten wurde immer schwieriger. Jetzt erstrahlt das Instrument wieder in neuem Glanz und ermöglicht es dem Kantor, Anlässe in der ältesten Kirche Kronstadts wieder musikalisch zu begleiten und zu umrahmen.

Schon in der kommenden Woche – bis zur am 8.-10. Oktober geplanten Wiedereinweihung der Evangelischen Stadtpfarrkirche Hermannstadt – werden dort gleichzeitig zwei (!) Orgeln aufgestellt: die Stolzenburger Orgel, die ins Südschiff auf das neue Chorpodest zu stehen kommt, und die Martinsberger Orgel, die in der Ferula ihren neuen Standort finden wird. Beide Instrumente werden, auf Zeit vertraglich geregelt, das kirchenmusikalische Leben in der Stadtpfarrkirche bereichern. Ihr Besitzstand ändert sich dabei nicht. Ihre Sicherheit am ursprünglichen Standort war bedroht; die eine wurde leider bereits massiv beschädigt. Da trotz allem sich beide Instrumente in relativ gutem Zustand befinden, lohnt es sich, sie zu schützen, um möglichst viel historische Substanz zu bewahren. Es fallen bei beiden Umzügen hohe Kosten an, die die Evangelische Kirchengemeinde A.B. Hermannstadt aus eigenen Mitteln und aus Spenden deckt.
Die Hermannstädter Sauerorgel wurde im Zuge der ...
Die Hermannstädter Sauerorgel wurde im Zuge der Innenrestauration gereinigt, die 349 Jahre alten Pfeifen repariert. Foto: Jürg Leutert


Die Reinigung und Reparatur der großen Sauerorgel der Stadtpfarrkirche in Hermannstadt wird im Sommer 2022 (technisch) und Winter 2022/23 (Reinigung des Pfeifenwerkes, Kontrolle der Windladen) erfolgen. Bis dann werden sich die OrganistInnen im Slalom um kleine und große Fehler herum manövrieren, um für die KirchenbesucherInnen den imposanten Klang wenigstens teilweise hör- und spürbar zu machen.

In Eibesdorf wird im Laufe des Herbstes die ursprünglich von Joh. Hahn sen. erbaute Orgel gründlich repariert. Es ist ein Instrument, das äußerlich stark verändert wurde. Seine innere Struktur blieb jedoch bis heute gut bewahrt.

In Niedereidisch wird ebenfalls im Laufe des Herbstes die Orgel wieder spielbar gemacht und eingeweiht. Es handelt sich im Kern um eines der ältesten Instrumente unserer Landeskirche. Die letztjährige Kantatekollekte machte bereits auf diese Projekt aufmerksam.

In Großau wird die Hahnorgel nach dem Sachsentreffen vom 17.-18. September 2021 abgetragen, um über den Winter in der Werkstatt restauriert und im Frühling wieder aufgestellt zu werden – sobald das Wetter mitmachen wird und die Temperatur in der Kirche genügend hoch ist, um mit Warmleim zu arbeiten. Die Finanzierung dieses großen Projektes wird ganz durch großzügige Spenden getragen.

In der evangelischen Kirche in Bis­tritz geht es zumindest orgelmäßig gut voran; leider ist die Kirchenrestauration stark verzögert. Die Orgel wird erst wieder eingebaut, wenn die Innenrestauration fertig sein wird. Die Orgelbauer haben zum Beispiel aus wiedergefundenem, also teilweise aus originalem Material die riesige Balganlage rekonstruiert. Sie ist neben derjenigen der Buchholzorgel die wohl größte Anlage ihrer Art. Die HOG Bistritz-Nösen sagte zudem spontan zu, einen neuen Orgelmotor zu spenden. Der Alte tat wider Erwarten seinen Dienst bei der Funktionskontrolle nur noch mit Nebengeräuschen, die einem Sägewerk gleichen. Auch sonst ist die Restauration der Orgel so weit fortgeschritten, dass die Orgelbauer nur noch auf das Klarsignal aus Bistritz warten. Die Restaurierung der Orgel ist ein Teil des EU-Projektes, das die ganze Kirchensanierung umfasst.

Die Keisder Orgel wird dank einer Zusammenarbeit mit dem Förderkreis Kirchenmusik (einer Unterorganisation des Verbandes der evangelischen KirchenmusikerInnen Deutschlands) und dank einer Finanzierung größtenteils durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) bis 2023 wieder fehlerfrei und restauriert erklingen. Sie wird bis zu ihrem Abbau im Herbst 2022 trotz sehr schlechtem Zustand von dortigen Kantor regelmäßig gespielt. Somit wird 2023 die Orgel als letzter Bestandteil des UNESCO-Weltkulturerbes in Keisd sich in einem Zustand befinden, der diese Ehrentitel verdient.

Die oben genannten und weitere Projekte befinden sich konkret auf einem guten Weg. Der Orgelausschuss der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien wird bei Gelegenheit weiter darüber berichten. Er hofft, dass sich stets möglichst viele SpielerInnen und ZuhörerInnen finden, die diese und weitere Instrumente zum Klingen bringen, ihnen zuhören oder ihre Stimme mit Unterstützung des Orgelklanges zum Lobe Gottes erheben!

Jürg Leutert

Schlagwörter: Orgel, Evangelische Kirche, Stolzenburg, Martinsberg, Hermannstadt, Eibesdorf, Niedereidisch, Großau, Bistritz, Keisd

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