18. September 2021

Brukenthal-Statue in Hermannstadt enthüllt / Präsident Johannis würdigt Samuel von Brukenthals Vermächtnis

„Rumäniens Präsident Klaus Johannis enthüllte am Samstag, den 11. September 2021 die Statue des Barons Brukenthal im Zentrum Hermannstadts", verkündeten wenige Stunden nach dem herausragenden kulturellen Ereignis die Medien. Das, was im Januar 2021 als Aufruf zu einem Ausschreibungswettbewerb begann (siehe (siehe Brukenthal-Denkmal in Hermannstadt), dann im März als Bekanntgabe des ausgewählten Künstlers und seines Werkes folgte, (siehe Brukenthal-Denkmal in Hermannstadt: Statue von Árpád Deák gewinnt Wettbewerb) wurde am geschichtsträchtigen 11. September 2021 als Statue in Hermannstadt enthüllt und somit der Öffentlichkeit übergeben.
Bei sonnigem Wetter war der Große Ring in Hermannstadt voller Menschen, um der Enthüllung der Statue beizuwohnen. Pünktlich um zwölf Uhr mittags traf Rumäniens Präsident Klaus Johannis samt Gattin auf dem Großen Ring ein und wurde von Astrid Fodor, der Bürgermeisterin von Hermannstadt, vor dem Rathaus begrüßt. Nachdem die Hymne Rumäniens ertönte, unterstrich der Moderator der Veranstaltung, der Direktor der Marketing-Abteilung des Brukenthal-Museums Alexandru Chituţă, die Einmaligkeit dieses Ereignisses im Kulturleben Hermannstadts. Der vor 300 Jahren geborene Samuel von Brukenthal hat durch seine Tätigkeit die Voraussetzungen für das Eröffnen 1817 des weltweit dritten Museums in Hermannstadt für die breite Öffentlichkeit geschaffen.

‎‎Es folgte der Hauptmoment der Veranstaltung: Präsident Klaus Johannis und Bürgermeisterin Astrid Fodor enthüllten gemeinsam unter dem Beifall der geladenen Gäste und des Publikums die von Árpád Deák geschaffene, drei Meter hohe Statue des ehemaligen Gubernators von Siebenbürgen, Samuel von Brukenthal (1721-1803). Die bronzene Statue des Barons Samuel von Brukenthal erstrahlte im Ordenskleid eines Großkreuzlers des Königlich-Ungarischen Sankt Stephans-Ordens, einem Verdienstorden, den die österreichische Monarchin Maria Theresia stiftete, vor seinem Palais am Großen Ring. Nach der Enthüllung sprach Reinhart Guib, Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, in rumänischer Sprache ein kirchliches Segensgebet.
Rumäniens Präsident Klaus Johannis hält die Rede, ...
Rumäniens Präsident Klaus Johannis hält die Rede, nachdem er und die Bürgermeisterin von Hermannstadt, Astrid Fodor, die Statue Brukenthals auf dem Großen Ring, vor dem Brukenthal-Museum, enthüllt haben. Foto: Quelle: presidency.ro
Der Moderator der Veranstaltung lud sodann Präsident Johannis ein, seine Ansprache zu halten, nicht bevor er hervorhob, dass die Stadt Hermannstadt nur weitergeführt und finalisiert habe, was Klaus Johannis als Bürgermeister von Hermannstadt vor Jahren bereits begonnen hatte. Es wurden aufgezählt: die Renovierung der Altstadt von Hermannstadt, dann 2007 die Wahl Hermannstadts zur Europäischen Kulturhauptstadt, die Bemühungen zur Aufnahme Rumäniens in die EU und schlussendlich die Zusammenkunft der Staats- und Regierungschefs der EU am 9. Mai 2019 in Hermannstadt. ‎Klaus Johannis‎‎ würdigte in seiner Rede den Beitrag derjenigen, die es ermöglicht hatten, Samuel von Brukenthals Statue im Herzen von Hermannstadt, vor dem Museum, das seinen Namen trägt, aufzustellen.‎ ‎“Die Geste des Respekts vor dem großen siebenbürgischen Aufklärer ist eine Aufforderung, Persönlichkeiten und Werte der Vergangenheit zu schätzen. Seien wir also dankbar für die Anstrengungen und Opfer, die uns im großen Weltkonzert der Zivilisationen einen Ehrenplatz gebracht haben", sagte der Staatspräsident.‎ ‎“Samuel von Brukenthal war in der Tat eine große Persönlichkeit der Zeit und des Ortes, an dem er lebte. Wir haben ein Sprichwort: 'Der Mensch heiligt den Ort'. Ich bin überzeugt, dass es viele solcher Menschen gibt, und ihr Beitrag ist die Grundlage, auf der eine Gemeinschaft errichtet werden kann, in der junge Menschen ihre Erfüllung finden. (...) ‎‎Wir freuen uns, dass Rumänien in Europa und in der Welt oft durch die Schätze vertreten ist, die Samuel von Brukenthal Hermannstadt hinterlassen hat. Im Gegenzug müssen wir künftigen Generationen ein reicheres, saubereres Land, eine gebildete Gesellschaft hinterlassen, die in der Lage ist, ihre großen Ressourcen und Chancen zu nutzen. Möge Samuel von Brukenthals Vermächtnis weiter von Inspiration und Energie geladen sein, um Bildung und Kultur zu nationalen Säulen zu machen, die eine immer schnellere Entwicklung Rumäniens unterstützen!", sagte der Präsident in seiner Ansprache.
Der Große Ring in Hermannstadt während der ...
Der Große Ring in Hermannstadt während der Veranstaltung am 11. September: die Enthüllung der Brukenthal-Statue; rechts im Bild: Reinhard Guib, Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, spricht ein kirchliches Segensgebet. Foto: Quelle: Stiftung Kirchenburgen/Philipp Harfmann
‎Es reihten sich in die prominente Riege der Redner nach der Bürgermeisterin Astrid Fodor auch diejenigen ein, die es tatsächlich ermöglichten, 2021 zu Brukenthals 300. Geburtstag eine ihm gewidmete Statue aufzustellen. Die Kosten für die Herstellung der Statue betrugen mehr als 100.000 Euro und wurden von der Unternehmensgruppe Boromir (60 Prozent) zusammen mit dem Rotary-Club und Lions-Club in Hermannstadt (jeweils 20 Prozent) getragen. Als Hauptaktionär der Firma Boromir sprach Mircea Ureche, gefolgt von Marin Crăciun, Präsident des Rotary-Club Hermannstadt. Eine besondere Rede hielt Prof. Dr. Paul Jürgen Porr, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien und Vertreter des „Lion-Club Brukenthal" in Hermannstadt. Prof. Dr. Sabin Adrian Luca, Leiter des Nationalmuseums Brukenthal, betonte in einer frei gehaltenen Rede die Rolle des Museumsstifters für das 21. Jahrhundert.
Gruppenbild der am Projekt Beteiligten, von ...
Gruppenbild der am Projekt Beteiligten, von links: Bildhauer Árpád Deák, Schöpfer der Brukenthal-Statue, Astrid Fodor, Bürgermeisterin von Hermannstadt, Carmen und Klaus Johannis, Präsident von Rumänien, Paul Jürgen Porr, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien und Vertreter des „Lion-Clubs Brukenthal" in Hermannstadt, Mircea Ureche, Hauptaktionär der Firma Boromir, Marin Crăciun, Präsident des Rotary-Club Hermannstadt, Prof. Dr. Sabin Adrian Luca, Leiter des Nationalmuseums Brukenthal, Alexandru Chituţă, Direktor der Marketing-Abteilung des Brukenthal-Museums. Quelle: Foto: presidency.ro
Im unmittelbaren zeitlichen Vorfeld der Enthüllung der Statue wurde in der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien vom 10. September 2021 "das spannend erwartete, aber auch mit scheeläugigen Social-Media-Kommentaren befrachtete Endprodukt" erwähnt. Gemeint war die Brukenthal-Statue. Nur Insidern ist die Anspielung des Artikels bekannt. Ein korrektes, aber unglücklich formuliertes Posting auf einer bekannten Social-Media-Plattform der Ministerin für Arbeit und Sozialschutz, Raluca Turcan, hat zu einer lawinenartigen Schmähkritik im Rahmen von sozialen Netzwerken geführt. Die Ministerin hat Brukenthal am 26. Juli zu seinem Geburtstag gratuliert, nicht betonend, dass es sein 300. Geburtstag ist, was bewusst missverstanden wurde, um parteipolitische, letztendlich auch nationalistische Töne zu generieren.

Der Veranstaltungsmoderator Chituţă betonte ausdrücklich: „Brukenthal war und ist im öffentlichen Gedächtnis präsent; er kehrt zurück auf den Großen Ring und begrüßt uns in majestätischer Art. Von hier, von diesem Sockel, wird er niemals weggehen".

Aufstellung nach über 200-jähriger Odyssee

Mit der Aufstellung und Enthüllung der Brukenthal-Statue in Hermannstadt geht eine über 200-jährige Odyssee zu Ende. Die erste bleibende bildliche Darstellung Carl Samuel von Brukenthals hat er selbst, besser gesagt die Freimaurerloge, deren erster Stuhlmeister der 23-jährige Brukenthal war, veranlasst. 1744 wurde in Halle zum ersten Johannisfest der Loge eine Medaille geprägt, auf deren Hauptseite Brukenthal „in Land-Üblicher Kleidung, bedeckt mit dem Hut, und umgürtet mit einem Schurzfell" dargestellt wird. Auf einem Quaderstein stehen die Initialen seines Namens "C.S.v.BR." (siehe Brukenthal und die königliche Kunst). Brukenthals Testament, das für Turbulenzen sorgte, gefolgt von mehrjährigen Prozessen der unbedachten Erben, verhinderte das Aufstellen eines Monuments. Und dennoch hatten der Haupterbe Brukenthals, Joseph und dessen Vater, Karl Freiherr von Brukenthal, ihrem großen Oheim ein Denkmal in der Kirche zu setzen geplant. Einer der hervorragenden Wiener Bildhauer Johann Martin Fischer wurde 1806 beauftragt, ein Denkmal zu entwerfen. Das Denkmal sollte aus einer 5,9 m hohen pyramidenförmigen Wandverkleidung aus rotem Marmor bestehen. Nach der Ausführung in Fischers Atelier in Wien erreichte das Grabdenkmal jedoch nie seinen Bestimmungsort. Brukenthals erster Biograf Georg Schaser berichtet: „in der Nähe von Arad versank aber die kostbare Fracht in den Fluten des Flusses Marosch und es wurden nur einige beschädigte Stücke gerettet und nach Hermannstadt gebracht".

Es mussten abermals fast hundert Jahre vergehen, bis man die Initiative ergriff, ein Denkmal aufzustellen. Im April 1903 erfolgte ein "Aufruf zur Errichtung eines Denkmals für Samuel Freiherrn v. Brukenthal" im Siebenbürgisch-Deutschen Tageblatt. Das Hermannstädter Presbyterium beschloss: "zur bleibenden Erinnerung an Samuel Freiherrn v. Brukenthal die Errichtung eines Denkmals in Hermannstadt ins Auge zu fassen. [...] Am Tage der 200jährigen Wiederkehr seines Geburtstages, am 26. Juli 1921, soll das Denkmal enthüllt werden". Große welterschütternde Ereignisse verhinderten dieses Vorhaben: der Erste und der Zweite Weltkrieg. Für Denkmäler war wenig Zeit.
Die Brukenthal-Statue, vom Künstler Árpád Deák ...
Die Brukenthal-Statue, vom Künstler Árpád Deák entworfen, wurde am 7. September auf dem Großen Ring in Hermannstadt aufgestellt und verhüllt. Die offizielle Enthüllung hat am 11. September 2021 stattgefunden. Foto: Gerhild Rudolf
Der Gedanke eines Brukenthal-Denkmals wurde jedoch nicht aufgegeben. Ein Beweis dafür ist die derzeitige Ausstellung "Brukenthal 300 – Ideen für ein Denkmal. Collagen und Modelle. Ausstellung Peter Jacobi" im Terrassensaal des Hermannstädter Begegnungs- und Kulturzentrums „Friedrich Teutsch“. Hier werden die Bemühungen des international bekannten Künstlers Peter Jacobi als Dokumente einer langjährigen Anstrengung, ein Brukenthal-Denkmal in Hermannstadt zu etablieren, gezeigt.

Geschafft! Der bronzene Gast auf dem steinernen Sockel ist in Hermannstadt! Das, was 1806 begonnen wurde, konnte 2021 vollbracht werden. Die Brücke, als verbindendes europäisches Element der Kulturen - beginnend mit Halle, wo eine Medaille mit Brukenthals Bildnis geprägt wurde, über Wien, wo er auf der Maria-Theresia-Statue zwischen den Großen der Monarchie seinen Platz hat - findet in Hermannstadt, wo sein Palais steht, als Museum von Brukenthal konzipiert, ihren anderen östlichen, verbindenden Pfeiler. Europa wünscht sich, dass die Bürger Hermannstadts diesen unwandelbaren Gast annehmen und lieben.

Josef Balazs



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Schlagwörter: Hermannstadt, Brukenthal, Samuel von Brukenthal, Denkmal, Einweihung, Klaus Johannis, Präsident, Astrid Fodor, Bürgermeisterin, Brukenthalmuseum

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