20. November 2022

Call for Papers/Ausschreibung: Spiegelungen 2.23 zum Thema Essen und Trinken

Essen und Trinken gehören zum menschlichen Alltag. Neben der Befriedigung physiologischer Bedürfnisse können Essen und Trinken sehr unterschiedliche emotionale Aufladungen erfahren: Bestimmte Nahrungsmittel, Gewürze, Gerichte und Getränke werden lokal, regional oder national als Träger von „Identität“ in Anspruch genommen. Besonders im Kontext erzwungener oder auch freiwilliger Migrationen scheint dieses nahrungsbezogene Identitätsbedürfnis relevant zu werden, wenn selbst scheinbar selbstverständliche Begriffe wie „Brot“, „Knödel“ oder „Schnitzel“ aufgrund ihrer Varietäten eine semantische Auffächerung erfahren, die Konflikte heraufbeschwören kann. Das Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der LMU München (IKGS) lädt dazu ein, neue Aspekte dieses Themenkomplexes in Form wissenschaftlicher Aufsätze darzustellen.
Das geplante Themenheft der Spiegelungen, das die Deutschen in und aus Südosteuropa in ihren kulturellen Wechselbeziehungen zu ihren Nachbarn verschiedener Ethnien und Sprachen in den Blick nimmt, eröffnet vielfältige mögliche kulturwissenschaftliche, historische und literaturwissenschaftliche Zugänge zu diesem weiten Feld. Besonders willkommen sind Beiträge, die trans- und internationale Phänomene in den Blick nehmen.

Vorstellbar sind Beiträge unter anderem zu folgenden (und vielen weiteren) Fragen:
- Was kann aus den bekannten Quellen über die Ernährungs- und Trinkgewohnheiten der frühesten deutschen Siedler in Mittel- und Südosteuropa festgestellt werden, etwa der mittelalterlichen Einwanderer nach Siebenbürgen oder in die Zips, oder der Habsburger Kolonisten im 18. Jahrhundert?
- Welche historischen Zäsuren und Prozesse bedingten Veränderungen auf dem Speise- und Getränkeplan der Deutschen in Südosteuropa?
- Welche Rolle spielten Klöster (Rezeptsammlungen, Tischkultur, Anbau von Getreide/Nutzpflanzen, Tierhaltung)?
- Auf welchen Wegen haben später als selbstverständlich wahrgenommene Grundnahrungsmittel wie Mais und Kartoffel Eingang in die Küche der Deutschen in Südosteuropa gefunden?
- Welche Kochbücher, etwa aus der Zeit der Habsburgermonarchie, trugen zur Standardisierung bestimmter regionaler Gerichte bei?
- Auf welche Weise schlugen sich Ansätze der Lebensreformbewegung um 1900 auch auf die Küche der Deutschen in Südosteuropa nieder – etwa in der Hotellerie, Gastronomie oder in der Redaktion von Kochbüchern? Welche Rolle spielten in diesem Zusammenhang Kurorte?
- Welche Bedeutung hatten Kaffeehäuser für das individuelle Selbstverständnis, die Literatur, die Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppierungen; waren sie für Männer und Frauen gleichermaßen zugänglich?
- Welche linguistischen Besonderheiten/Interferenzen weisen die Bezeichnungen von Nahrungsmitteln und Getränken bei den Deutschen in Südosteuropa auf? Und umgekehrt: Welche einschlägigen deutschen Bezeichnungen finden heute immer noch Verwendung in den Sprachen Mittel- und Südosteuropas?
- Welche Rolle spielen Essen und Trinken bei der Stereotypisierung von „Anderen“?
- Welchen Einfluss hatten Deutsche auf die Lebensmittelindustrie in Südosteuropa (etwa Bierbrauerei, Wein- und Spirituosenerzeugung, Lebkuchenherstellung, lebensmittelverarbeitende Industrie)?
- Inwieweit trugen Nahrungsgewohnheiten von deutschen Flüchtlingen, Vertriebenen und Aussiedlern aus Südosteuropa zu deren Integration, Selbstbehauptung und Distinktion in den beiden deutschen Staaten während des Kalten Krieges bei?
- Wie haben sich Essen und Trinken und die damit einhergehende Alterität in der literarischen und filmischen Selbst- und Fremddarstellung von Deutschen in Südosteuropa niedergeschlagen?
- Wie wird „heimatliche Küche“ der Deutschen aus Südosteuropa heute vermittelt (Kochbücher, Videos, Ausstellungen, Internetforen usw.)?
- Welche Bedeutung besitzen „migrantische Restaurants“ in Deutschland für Deutsche aus Südosteuropa?

Die Beiträge sollten 30.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen) nicht überschreiten und bis zum 30. Juni 2023 eingereicht werden. Bitte beachten Sie bei der Gestaltung des Manuskripts unsere redaktionellen Richtlinien und fügen Ihrem Text ein englisches Abstract sowie eine kurze Biobib (max. 100 Wörter) bei. Beiträge können auf Deutsch und Englisch eingereicht werden. Alle in den Spiegelungen publizierten wissenschaftlichen Aufsätze durchlaufen ein Double-Blind-Peer-Review-Verfahren nach internationalen Standards.

Interessenten senden bitte bis zum 15. Januar 2023 ein Abstract von max. 350 Wörtern an die Herausgeber/innen des Themenschwerpunktes: Doris Roth (rezensionen[ät]ikgs.de), Angela Ilić (ilic[ät]ikgs.de) und Tobias Weger (weger[ät]ikgs.de).

Schlagwörter: Ausschreibung, Spiegelungen, IKGS, Zeitschrift, Kulinarik

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