6. Juli 2026

30 Jahre Carl Filtsch Wettbewerb-Festival in Hermannstadt

Die 30. Ausgabe des Carl-Filtsch-Wettbewerbsfestivals fand vom 6. bis 11. Juni im Thalia-Saal in Hermannstadt statt, die erste Ausgabe des Internationalen Wettbewerbs-Festivals „Carl Filtsch“ 1995 auf Initiative der Professoren Peter Szaunig und Walter Krafft. Seither hat sich der Wettbewerb kontinuierlich weiterentwickelt und vereint junge Pianistinnen und Pianisten aus aller Welt sowie bedeutende Persönlichkeiten des rumänischen und internationalen Musiklebens.
Die Finalisten der Kategorie C, vorne, von links ...
Die Finalisten der Kategorie C, vorne, von links nach rechts: Otto Popescu (3. Preis), Robert Bascoveanu (1. Preis) und Antoniu Tiberiu Nagy (2. Preis). Fotos: Paul Nan
Finanzielle Unterstützung boten auch in diesem Jahr der Kreisrat Hermannstadt, der Stadtrat Hermannstadt, die Hermannstädter Philharmonie, die von Beginn an den Wettbewerb unterstützt und die einzige Staatsphilharmonie in Siebenbürgen ist, die einen internationalen Wettbewerb organisiert, zudem das Konsulat der Bundesrepublik Deutschland in Hermannstadt sowie ausländische Sponsoren, allen voran das Haus des Deutschen Ostens München, das bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales, die Heimatgemeinschaft der Deutschen aus Hermannstadt, die Siebenbürgisch-Sächsische Stiftung, der Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland und das Münchener Musikseminar. Sie alle machen die Austragung des Wettbewerbes möglich, wofür ihnen gedankt sei. An der Jubiläumsausgabe nahmen 45 Wettbewerberinnen und Wettbewerber aus Rumänien und dem Ausland teil. In diesem Jahr wirkte sich die internationale Lage, Flugstornierungen sowie die zeitgleich stattfindenden Abitur- und Abschlussprüfungen auf die Teilnehmerzahl aus.

Eine hochkarätige international besetzte Jury aus renommierten Pianisten, zwei Dirigenten und einer Pädagogin, Csíky Boldizsár (Jurypräsident), Cristian Lupeș, Nadja Preissler, Alessandro Marano, Ivan Shemchuk, Luca Torrigiani, Miguel Campos Neto und Marco Scolastra, beurteilte das Können der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

In der Gruppe der Jüngsten wurden neben den regulären Preisen Alexandru Becheru und Tudor Buga für ihre eigenen Kompositionen ausgezeichnet. Spitzenleistungen waren in den ersten beiden Kategorien nicht zu verzeichnen; das Niveau bewegte sich insgesamt im guten Mittelfeld. Neben einem technisch einwandfreien Vortrag sollte bei der Bewertung auch die individuelle Interpretation berücksichtigt werden – ein Bereich, der naturgemäß stets ein gewisses Maß an Subjektivität mit sich bringt.

In der Kategorie B erhielt Sabin Ion Patriche aus Kronstadt den zweiten Preis (ich persönlich hätte ihm den ersten zugesprochen) sowie den Peter-Szaunig-Preis, denn sein Spiel entsprach ganz dem Geist eines der Gründer des Wettbewerbs, Peter Szaunig. Sein Programm war anspruchsvoll: Enescus Präludium und Fuge – ein Werk, das er auch bei der Gala spielte –, Filtschs Mazurka, während die meisten Teilnehmer seiner Altersklasse sich an der Barcarole versuchten, dazu ein überzeugender Bach sowie die ABEGG-Variationen von Schumann. Besonders Letztere begeisterten mich, denn an dieses Werk hatte sich der erst Vierzehnjährige mit bemerkenswertem Mut herangewagt. Peter Szaunig wäre mit dieser Wahl sicherlich zufrieden gewesen: ein talentierter Junge, bescheiden und demütig.
Sabin Ion Patriche erhielt den 2. Preis in der ...
Sabin Ion Patriche erhielt den 2. Preis in der Kategorie B und Peter Szaunig Preis.
Den Walter-Krafft-Preis erhielt – ganz im Sinne seines Namensgebers – Gruia Ioan Soare. Altersmäßig hätte er eigentlich in der zweiten Kategorie teilnehmen sollen, trat jedoch beherzt in der Kategorie C an. Auch wenn ihm der Einzug in die zweite Runde der Kategorie C nicht gelang, wurde er für sein technisches Können mit dem Walter-Krafft-Preis ausgezeichnet. Ausschlaggebend war seine Interpretation der Nussknacker-Suite im Jazz-Stil von D. Rosenblatt.

Die Jubiläumsausgabe erreichte ihren Höhepunkt am 11. Juni mit dem Abschlusskonzert im Thalia-Saal, das gleichzeitig das letzte Konzert der Spielzeit war, bei dem die Finalisten der Kategorie C gemeinsam mit dem Orchester der Staatsphilharmonie Hermannstadt unter der Leitung des aus Brasilien angereisten Dirigenten Miguel Campos Neto auftraten.

Der große Gewinner des Wettbewerbs war Robert Bascoveanu aus Craiova, derzeit Student im Vereinigten Königreich. Zwischen dem Wettbewerb in Hermannstadt und seinen Abiturprüfungen in Craiova pendelte er unermüdlich hin und her. Direkt aus dem Auto sprang er auf die Bühne, fuhr nach der zweiten Runde erneut nach Craiova zurück und setzte sich am Finalabend – ohne vorher mit dem Orchester geprobt zu haben – an den Flügel, um Rachmaninows 2. Klavierkonzert zu spielen. Neben dem ersten Preis für Interpretation erhielt er auch den mit 500 Euro dotierten Yamaha-Preis, den Preis des Henle Verlages und einen Auftritt als Solist mit der Hermannstädter Staatsphilharmonie.

Preise der Kategorie C

1. Preis – 3 000 Euro: Robert Bașcoveanu (Klavierkonzert Nr. 2 c-Moll op. 18 von Sergei Rachmaninow)
2. Preis – 2 000 Euro: Antoniu Nagy (Klavierkonzert Nr. 3 op. 30)
3. Preis – 1 000 Euro: Otto Popescu (Klavierkonzert Nr. 20 d-Moll KV 466 von Wolfgang Amadeus Mozart)

Neben den Wettbewerbsrunden und den beiden Galakonzerten umfasste die 30. Ausgabe auch Klavierabende mit Marco Scolastra und Alessandro Marano, eine musiktherapeutische Fachkonferenz mit Angelica Postu, den 5. musikalisch-literarischen Salon zu Ehren von Carl Filtsch (ein separater Bericht folgt in einer der nächsten Ausgaben dieser Zeitung).

Die 31. Ausgabe des Wettbewerbs wird vom 5. bis 10. Juni 2027 stattfinden.

Dagmar Dusil

Schlagwörter: Musik, Wettbewerb, Carl Filtsch, Hermannstadt

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