22. Januar 2006

Grafisch ansprechende Neuerscheinungen über Kronstadt

Im Kronstädter Buchhandel sind zwei grafisch ansprechende Neuerscheinungen über die Stadt und den Kreis Kronstadt zu finden. Beide sind im Auftrag des Kreisrates des Kreises Kronstadt erschienen, dessen Vorsitzender Aristotel Căncescu sich seit Jahren für die Renovierung der Kronstädter Baudenkmäler einsetzt.
"Braşovul de odinioara" (Das Kronstadt von anno dazumal), in deutscher und rumänischer Sprache erschienen, zeigt auf 270 Fotos alte Ansichten von Kronstadt. Die Fotografie hat Tradition in der Stadt unter der Zinne: Bereits 1842 (drei Jahre nach Erfindung der Fotografie) findet man hier den ersten Fotografen: Gottfried Barth.

Der Bildband gliedert sich in 13 Kapitel, elf davon behandeln die Stadt und ihre Viertel samt Umgebung, das zwölfte Kapitel enthält Fotos bedeutender Ereignisse, und im letzten Abschnitt werden zeitgenössische Aufnahmen gezeigt. Ansichten der Innenstadt, Befestigungen und Stadttore, Kronstadt aus der Vogelperspektive, Aufnahmen aus den Vorstädten Bartholomä, Blumenau oder der Oberen Vorstadt zeigen ein buntes Bild, wie Kronstadt vor einem Jahrhundert ausgesehen hat. Die Mehrheit der Fotos stammt aus der Zeit vor 1925, darunter das erste Panoramabild Kronstadts, das 1888 von der Zinne aufgenommen wurde. Nostalgie macht sich breit beim Betrachten vieler Bilder, etwa bei einem Foto von 1900, das den Marktplatz mit der Straßenbahn, die in Richtung Bartholomä fährt, zeigt, oder bei den Marktszenen rund um das Alte Rathaus. Interessant sind auch die Bilder vom Raupenberg, wo die Kronstädter Weber ihre Tücher zum Bleichen auf Holzrahmen auslegten. Auffällig ist, dass die Schwarzen Kirche, immerhin das bedeutendste Baudenkmal der Stadt, nur spärlich abgebildet ist. Die 1963 abgerissene ungarische reformierte Kirche oder die orthodoxe Nikolauskirche in der Oberen Vorstadt werden im Verhältnis viel häufiger dargestellt. Zu den bedeutenden Ereignissen, die fotografisch festgehalten wurden, zählen die Besuche des österreichischen Kaisers Karl I. sowie des deutschen Kaisers Wilhelm II. in den Jahren 1916 bzw. 1917, die im Schnee versinkende Stadt im Jahr 1923, der Flug der „Graf Zeppelin“ 1929 über Kronstadt oder die erste nächtliche Beleuchtung der Schwarzen Kirche 1930.

Jahrmarkt auf dem Marktplatz in Kronstadt.
Jahrmarkt auf dem Marktplatz in Kronstadt.

Die grafisch ansprechende Qualität des Bildbandes wird leider durch mehrere vermeidbare Sachen sehr gemindert. Schlichtweg katastrophal ist die deutsche Übersetzung der Texte und Bildunterschriften. Viele Setzfehler kommen hinzu ebenso fehlerhafte deutsche Bezeichnungen. Das abgetragene Klostergässer Tor wird durchgehend als Zolltor bezeichnet, der Rudolfsring zur Rudolfs-Allee sowie der Jahrmarkt zum Landmarkt umgetauft. Eine Korrektur durch einen fähigen Deutschlehrer und Kenner der siebenbürgisch-sächsischen Stadtgeschichte Kronstadts hätte dem Band sehr gut getan.

Der zweite Titel, der im Kronstädter Buchhandel ausliegt, ist „Judetul Brasov: album monografic“, eine Vorstellung des heutigen Landkreises Kronstadt. Der Bildband gliedert sich in Geschichte und Kulturdenkmäler, Natur und Naturdenkmäler, touristische Ziele, Sport und Freizeitgestaltung, Unterricht, Forschung und Gesundheit sowie Wirtschaft. Erschienen ist das Buch viersprachig: rumänisch, deutsch, englisch und französisch. Die gute Qualität der schönen Farbfotos wird leider, wie beim oben besprochenen Band, durch die schlechte Qualität der deutschen Übersetzung gemindert. Peinlich wird es, wenn in der historischen Zeittafel beim Jahr 1600 die „Dieta Transilvaniei“ (der siebenbürgische Landtag) einberufen wird, und mit „Diät Siebenbürgens“ übersetzt wird, 1898 wird das Honterusdenkmal „aufgedeckt“ (dezvelit) statt „enthüllt“.

Im Kapitel zur Geschichte Kronstadts erfährt man zwar einiges über die Historie der Stadt, dass 1916 der erste rumänische Bürgermeister eingesetzt wurde, aber welche Nation bis zu diesem Zeitpunkt die Geschicke Kronstadts maßgebend bestimmt hat, erfährt man nicht. Ein Neuling auf dem Gebiete der siebenbürgischen Geschichte wird wohl schwer erraten, dass die Kronstädter Sachsen gemeint waren. Erst ein Kapitel auf Seite 63 ist der deutschen Bevölkerung des Kreises Kronstadt gewidmet, gefolgt von je einem Kapitel über die Ungarn und Juden Kronstadts.

Da der vorliegende Band den ganzen Kreis Kronstadt behandeln sollte, muss bemängelt werden, dass – abgesehen vom Burzenland und den anliegenden Gebirgen – die anderen Teile des Landkreises zu kurz kommen. Das Repser Land ist nur mit der Kirchenburg Deutsch-Weißkirch und Repser Burg vertreten, während das Fogarascher Gebiet nur durch die Fogarascher Burg und das Kloster Sâmb?ta präsent ist. Von den Kirchenburgen werden jene im Burzenlandes und in Deutsch-Weißkirch auf Fotos gezeigt. Auch hätte erwähnt werden müssen, dass sich die Kirchenburgen Tartlau und Deutsch-Weißkirch auf der Weltkulturerbeliste der UNESCO befinden.

Beide Bücher sind, zumindest von der optischen Seite betrachtet, eine Bereicherung für an Kronstadt interessierte Leser. Bei einer eventuellen Neuauflage sollte jedoch der deutsche Text komplett überarbeitet werden.

Rainer Lehni

Căncescu, Aristotel, und Măzgăreanu, Titus; Braşvul de odinioară, Editura Foton Kronstadt, ISBN 973-86855-9-1.

Kreisrat Kronstadt (Herausgeber): "Judeţul Braşov: album monografic", Editura Foton Kronstadt, ISBN 973-86479-9-1.

Schlagwörter: Rezension, Kronstadt

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