5. Mai 2006

Eginald Schlattner ausgeladen

Die in München ansässige und um das geistige Leben der großen rumänischen Emigrantengemeinde verdiente Deutsch-Rumänische Kulturgesellschaft e.V. "Apoziţia", die eine gleichnamige Zeitschrift herausbringt, hatte für den 9. Mai 2006 den siebenbürgischen Schriftsteller Eginald Schlattner (geboren 1933, "Der geköpfte Hahn" u.a.) zu einer Literaturlesung eingeladen.
Auf den Protest von Mitgliedern und Freunden der Gesellschaft hin, dem sich rumänische Emigranten in den USA und Israel anschlossen, musste die Veranstaltung abgesagt und der Geladene ausgeladen werden, wie der Präsident der Gesellschaft, Dr. Ing. Gheorghe Săsărman, in einem Schreiben vom 14. April mitteilte. Der Protest richtete sich gegen Schlattner und dessen Rolle unter anderem im "Schriftstellerprozess" zur Zeit des Kommunismus, er stützte sich nicht zuletzt auf eine Veröffentlichung der führenden rumänischen Tageszeitung "România Liberă" vom 2. Februar 2002 unter dem Titel "Schlattner - der Philosoph des Verrats". Es ist die zweite Ausladung dieser Art, die der in Rothberg bei Hermannstadt lebende Pfarrer und Schriftsteller hinnehmen musste. Aus ähnlichen Gründen war er 2001 vom Abt Nathanael des katholischen Klosters bei Bludenz, Österreich, ausgeladen worden. Im Zuge der Vergangenheitsaufarbeitung und Bewusstmachung noch ungesühnter Schuld, war aus Emigrantenkreisen zu hören, seien dies wichtige Schritte.

Radu Bărbulescu

Schlagwörter: Lesungen, deutsch-rumänische Beziehungen

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