17. Juni 2006

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Nachwuchs in Dinkelsbühl: "Schön seid ihr geflogen!"

Die "Flugpolka" der Kindertanzgruppe Augsburg, die Moderatorin Elise Eisenburger zu diesem Ausruf inspirierte, war nur eine von vielen Darbietungen bei der Nachwuchsveranstaltung „Unser Nachwuchs präsentiert sich“, die im Rahmen des Heimattages 2006 am Samstag zum vierten Mal stattfand.
Die Anspannung im Schrannen-Festsaal war am Samstagnachmittag förmlich mit Händen zu greifen: Überall summte, brummte, wuselte es, 4-jährige Kleinkinder und 17-jährige Teenager, in Tracht oder „in Zivil“, mit Instrument oder Manuskript in den Händen, schienen gleichermaßen aufgeregt angesichts der vielen Zuschauer im Saal, die ebenfalls kaum stillsitzen konnten. Stolze Eltern, mit Videokamera und Fotoapparat bewaffnet, waren genauso geschäftig im Saal unterwegs, um noch kurz vor Beginn den besten Platz zum Fotografieren und Filmen zu finden. Und dann wurde es still.

Das Motto
Das Motto "Zukunft braucht Hoffnung" bewahrheitete sich einmal mehr bei der Nachwuchsveranstaltung. Viele Kinder und Jugendliche waren sowohl als Mitwirkende wie auch als Zuschauer beim Heimattag dabei. Foto: Doris Roth

Nach einer kurzen Begrüßung der Stellvertretenden Bundesvorsitzenden Doris Hutter, die ebenfalls von der Atmosphäre im Saal „angesteckt“ zu sein schien, übernahm Elise Eisenburger, Beisitzerin im Kulturreferat der SJD und aktives Mitglied der Tanzgruppe Stuttgart, die Moderation des Nachmittags, an dem die junge Generation eine Kostprobe ihres Könnens abliefern konnte.

Den Beginn machte das Jugendorchester Augsburg, dirigiert von Hans Wonner. Nahezu vollständig in Tracht gekleidet, spielten die Mitglieder des Orchesters zwei moderne Stücke und spannten so den Bogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die Kindertanzgruppe Ingolstadt unter der Leitung von Gerda Knall hatte zwei Tänze einstudiert, „Auf der Jagd“ und „Klapptanz“. Hier konnten schon die Kleinsten – die jüngsten Tänzerinnen und Tänzer zählen gerade einmal vier Jahre – zeigen, dass Volkstänze bereits Spaß machen, wenn man gerade erst dem Buggy entwachsen ist. Es folgte das Gedicht „Frühmorgens hoch vorm Alten Berg“ von Christian Maurer, das Vivienne Kellinger und Manuel Zinn aus Augsburg vortrugen.

Der 8-jährige Marc-Alexander Krafft aus Darmstadt begeisterte das Publikum mit seiner konzentrierten Darbietung der Stücke
Der 8-jährige Marc-Alexander Krafft aus Darmstadt begeisterte das Publikum mit seiner konzentrierten Darbietung der Stücke "Nach meiner Heimat" und "Muss i denn" auf dem Akkordeon. Foto: Günther Melzer
Der 8-jährige Marc-Alexander Krafft aus Darmstadt begeisterte mit seiner konzentrierten Darbietung der Stücke „Nach meiner Heimat“ und „Muss i denn“ am Akkordeon und wurde frenetisch beklatscht. Er blieb allerdings trotz des anhaltenden Beifalls gelassen und nahm das Lob nahezu stoisch entgegen. Saskia Zikeli aus Wiehl, die später im Programm noch einen zweiten Auftritt hatte, stellte sich trotz ihrer noch relativ jungen zwölf Jahre allein auf die Bühne und sang mit offenkundiger Begeisterung. Mimik, Gestik und Stimme überzeugten beim Lied „Hop Hop Hop“ ebenso wie bei „Glaub an mich“, im Original von Yvonne Catterfeld gesungen.

Eine kurze Umbaupause für die Theatergruppe „JuThe“ aus Nürnberg bot Gelegenheit zu einem kleinen Plausch unter den Mitwirkenden. Die einen schnatterten vor Erleichterung darüber, dass ihr Auftritt schon über die Bühne gegangen war, die anderen hielt es vor Lampenfieber kaum noch auf den Stühlen.

„Auch Füller können fremd sein“, eine Szene frei nach Motiven aus dem Kinderbuch „Im Land der Schokolade und Bananen“ von Karin Gündisch, beruhigte die erhitzten Gemüter dann wieder. Unter der Regie von Doris Hutter hatten die jungen Schauspieler von „JuThe“ die kurze Szene einstudiert und konnten bei der Nachwuchsveranstaltung ihr mimisches Talent unter Beweis stellen. Im „fliegenden Wechsel“ kam danach die 2002 gegründete Kindertanzgruppe Augsburg mit der „Flugpolka“ und der „Walzquadrille“ auf die Bühne und zeigte nicht nur leichtfüßiges und anspruchsvolles Tanzen, sondern auch Trachten aus allen Gegenden Siebenbürgens. Rosi Schwarz und Ute Schuller, die die Gruppe leiten und am Rand des Geschehens mitfieberten, waren sichtlich zufrieden mit der Leistung ihrer Schützlinge. Drei Gedichte, vorgetragen von Marc Schuster, Marion Binder und Christoph Binder aus Ingolstadt, sorgten für eine kurze Verschnaufpause und große Erheiterung bei den Zuschauern, bevor es mit der Jugendtanzgruppe Drabenderhöhe unter der Leitung von Christa Brandsch-Böhm schwungvoll weiterging. In Trachten aus der Hermannstädter Gegend zeigten die 12- bis 17-jährigen Mitglieder der Gruppe die Tänze „Viertouriger“ und „Windmüller“. Als nächstes stand „De Subtraktion“ von Ernst Thullner auf dem Programm. Bianca Klöser und Kerstin Helwig aus Geretsried trugen das Mundartgedicht in atemberaubendem Tempo und schönstem „Sachsesch“ vor. Als vorletzten Programmpunkt hatte Ingwelde Juchum, die auch in diesem Jahr wieder für die Organisation der Nachwuchsveranstaltung zuständig war, „Eine Musikstunde mit unmusikalischen Kindern“ vorgesehen. Die zwischen sieben und 13 Jahre alten „unmusikalischen Kinder“ der Kindertheatergruppe Geretsried, die von Gerlinde Theil geleitet wird, zeigten sich schlagfertig und textsicher und konnten einige Lacher für sich verbuchen. Mit dem Jugendorchester Augsburg schloss sich der Kreis. Nach „The Merry Clockmaker“ spielten die jungen Musiker „Af deser Ierd“, bei dem das Publikum geschlossen und stimmgewaltig mitsang.

Zum Schluss übernahm Doris Hutter noch einmal kurz das Mikrofon und dankte Ingwelde Juchum für ihr Engagement und die souveräne Organisation der Nachwuchsveranstaltung sowie der Moderatorin Elise Eisenburger, die zügig und gut gelaunt durch den Nachmittag führte. Beiden überreichte sie als Dankeschön eine siebenbürgische Kachel. Dass Hoffnung für die Zukunft bestehe, das Motto des diesjährigen Heimattages „Zukunft braucht Hoffnung“ sich also schon bewahrheitet habe, zeige sich an dieser Veranstaltung, betonte Hutter. Die Bereitschaft der Jugend, sich mit Mundart, Volkstanz, also siebenbürgisch-sächsischer Tradition zu beschäftigen, sei ein guter Grund zur Hoffnung.

Die Vielfalt der Darbietungen an diesem Nachmittag überzeugte alle Anwesenden, und die mitwirkenden Kinder und Jugendlichen konnten endlich aufatmen. Beim großen Schlussbild am Ende, bei dem alle noch einmal auf der Bühne standen, war von Lampenfieber nichts mehr zu spüren, und gewuselt wurde nur noch vor Erleichterung.

Einziger Wermutstropfen bleibt, dass diejenigen Heimattagbesucher, die sich zeitig zur anschließenden Brauchtumsveranstaltung in der Schranne eingefunden hatten, kein großes Interesse an den Darbietungen der "kleinen Könner" zeigten und sich lautstark im Hintergrund unterhielten.

Doris Roth

(gedruckte Ausgabe: Siebenbürgische Zeitung, Folge 10 vom 20. Juni 2006, Seite 7)

Schlagwörter: Heimattag, Dinkelsbühl, Kinder, Jugend, SJD

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