11. September 2006

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Bedeutender Historiker und Theologe: Harald Zimmermann wird 80

Am 12. September vollendet der renommierte Historiker Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. mult. Harald Zimmermann sein 80. Lebensjahr. Er ist Gründungsmitglied des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde (AKSL) und war jahrzehntelanges Mitglied des Vorstandes und von 1978 bis 1983 dessen 2. Vorsitzender als Stellvertreter von Dr. Ernst Wagner. 1994 wurde er mit dem Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturpreis gewürdigt.
Geboren in Budapest als Sohn der siebenbürgisch-sächsischen Eltern Aline Emilie und Rudolf Oskar Zimmermann, verbrachte er ab dem vierten Lebensjahr Kindheit und Jugend in Wien. Im Elternhaus siebenbürgisch-sächsisch geprägt, doch in Siebenbürgen jeweils nur gastweise "zu Hause", hört man ihm die österreichische Klangfärbung an.

Als der Arbeitskreis - als Ersatz und Rechtsnachfolger für den in Rumänien 1948 verbotenen Verein für siebenbürgische Landeskunde - 1962 in Mannheim begründet wurde, war der doppelt als evangelischer Theologie und Historiker jeweils promovierte Nachwuchswissenschaftler unter den damaligen Pionieren. Als Mitglied im Freundeskreis um die Vorstandsmitglieder Andreas Möckel, Erich Phleps, Otto Folberth, Ernst Wagner, Paul Philippi, Balduin Herter und Otto Mittelstraß baute der Jubilar mit diesen zusammen die wissenschaftliche Arbeit auf und kontinuierlich aus.

Harald Zimmermann während einer brillanten Rede bei den Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturtagen 2003 in Speyer. Foto: Christian Schoger
Harald Zimmermann während einer brillanten Rede bei den Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturtagen 2003 in Speyer. Foto: Christian Schoger
Insbesondere war Zimmermann bemüht, die wissenschaftliche Dignität bei Publikationen, Tagungen und in der Nachwuchsförderung einzufordern. Dabei hat er es verstanden, in der akademischen Historiographie auf die Berücksichtigung der siebenbürgischen Aspekte im europäischen Rahmen aufmerksam zu machen, wie z. B. auch bei der Tübinger Jahrestagung 1983 zu Luther und seiner Rezeption in Siebenbürgen.

Zur siebenbürgischen Landeskunde hat er vielfach vor unterschiedlichem Publikum fundiert, lebendig und Horizont erweiternd - zuweilen auch elegant unterhaltend - vorgetragen. Daraus erwachsene Publikationen wie "Siebenbürgen und seine Hospites Theutonici" sowie die grundlegende Studie zum Deutschen Orden im Burzenland geben davon beredt Zeugnis. Seine quellengestützten Arbeiten weisen auf sein wissenschaftliches Hauptwerk hin: die international beachteten Quelleneditionen, denen sein Arbeitsleben vorwiegend gewidmet war: die "Papstregesten 911 bis 1024" sowie drei Bände "Papsturkunden 896 bis 1024". Über diese für kommende Forschergenerationen unumgänglichen Referenzwerke hinaus hat er Lehrbücher und rund 100 mediävistische und kirchengeschichtliche Aufsätze sowie daneben zahlreiche Artikel in den einschlägigen Fachlexika verfasst.

Seit 1968 in Saarbrücken als ordentlicher Professor und von 1978 bis zu seiner Emeritierung 1994 in Tübingen als Ordinarius für mittlere und neuere Geschichte lehrend, wurde er in einige bedeutende wissenschaftliche Gremien aufgenommen, so z.B. in die Österreichische Akademie der Wissenschaften oder in die Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz. Außerdem wurde er 1978 zum Gründungsdirektor des Tübinger Instituts für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde ernannt.

Nach Gründung des Siebenbürgen-Instituts fungierte Zimmermann als Vorsitzender von dessen erstem Wissenschaftlichen Beirat. Nicht zuletzt dieser besondere landeskundliche Schwerpunkt wurde durch drei Ehrenpromotionen in Klausenburg (1991), Fünfkirchen/Pécs (1999) und Bukarest (2003) gewürdigt. Zum Dank für Letztere hielt er einen Vortrag über Sigismund, den ungarischen und späteren deutschen König und Kaiser, dem gerade in diesen Wochen in Luxemburg eine bedeutende Ausstellung gewidmet ist. Kronstadt war 1427 fast ein Jahr lang dessen Residenzstadt. In seinem Vortrag hat der Geehrte in signifikanter Weise Siebenbürgen im europäischen Kontext wahrzunehmen und darzustellen gewusst, so wie es die Satzung des von ihm mitbegründeten AKSL proklamiert. Das ist vorbildlich und bleibt Verpflichtung.

Dr. Ulrich A. Wien

(gedruckte Ausgabe: Siebenbürgische Zeitung, Folge 14 vom 15. September 2006, Seite 7)

Schlagwörter: Porträt, Geschichte

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