13. Januar 2008

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In Hermannstadt: Lesung mit Joachim Wittstock und Eginald Schlattner

Eine Lesung mit Joachim Wittstock und Eginald Schlattner findet am Freitag, dem 18. Januar 2008, um 18.30 Uhr, im Büchercafé ERASMUS in Hermannstadt statt. Beide werden aus ihren neuesten Romanen über die Studentenzeit in Klausenburg in den 1950er bis 1960er Jahren lesen. Darüber hinaus erläutert der siebenbürgische Historiker Konrad Gündisch die geschichtlichen Umstände.
Eginald Schlattner (1933 in Arad geboren) ist Pfarrer und Schriftsteller in Siebenbürgen. Er wuchs in Fogarasch – am Fuße der Karpaten – auf und studierte bis zu seiner Relegation evangelische Theologie in Klausenburg, anschließend Mathematik und Hydrologie. 1957 wurde er verhaftet und 1959 wegen „Nichtanzeige von Hochverrat“ verurteilt. Nach der Entlassung arbeitete er als Tagelöhner und später als Ingenieur. 1973 nahm Schlattner noch einmal das theologische Studium auf. Er war bis zur Pensionierung evangelischer Pfarrer in Rothberg bei Hermannstadt und auch als Gefängnispfarrer in Gherla tätig. Auch nach seiner Pensionierung ist er weiterhin als Gefängnispfarrer, sowie als evangelischer Pfarrer für seine inzwischen nicht mehr vorhandene Gemeinde tätig. Seine bisher drei erschienenen Romane behandeln in autobiographisch angelehnter Art das Leben der Volksgruppen, besonders aber der deutschen Volksgruppe, im Raum Siebenbürgen (teilweise auch Banat, Schwarzmeerküste) zwischen den Jahren 1943 und dem Anfang der 1950er-Jahre. Die Werke sind von teils skurrilen Gegebenheiten und Wandlungen der Figuren gekennzeichnet. Maßgebliche Persönlichkeit ist jeweils ein Knabe oder junger Siebenbürger Sachse bürgerlicher Herkunft, in dem der Leser unschwer Züge des Autors erkennen kann. Obwohl selbst Pfarrer, scheut sich der Autor, weder kindliche und jugendliche sexuelle Erfahrungen noch eine zeitweise Vorliebe für das kommunistische Regime Rumäniens deutlich anzusprechen. Nach dem Erscheinen des Romans „Rote Handschuhe“ (2000), in dem er selbstkritisch seine Rolle als Gefangener der Securitate und als Verräter beschreibt, wurde seine Rolle im Schriftstellerprozess Ende der 50er sehr kontrovers diskutiert (u. a. im Spiegel, Siebenbürger Zeitung, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sowie im Hörfunk des Österreichischen Rundfunks). Einerseits war Schlattner selber zwei Jahre in Untersuchungshaft gewesen, anderseits ließ er sich als Zeuge der Anklage in dieser Justizfarce benutzen. Dafür kam er mit einer Bewährungsstrafe davon, während andere Angeklagte (z. B. Wolf von Aichelburg oder Hans Bergel) zu z.T. sehr langen Haftstrafen verurteilt wurden. Kritiker, die auch alte Rechnungen begleichen wollten, warfen ihm Geschichtsverfälschung in seinem Roman vor. Inwieweit diese Anschuldigungen auch zutreffen, wird intensiv diskutiert. Sein erster Roman „Der geköpfte Hahn“ wurde 2006/07 von Radu Gabrea verfilmt.

Joachim Wittstocks Name hat in der rumäniendeutschen Gegenwartsliteratur nicht nur einen guten Klang, Joachim Wittstock ist auch für die Literaturlandschaft, aus der er kommt, die ihn prägte, die er in seinen literarischen Werken gestaltete und in der er, im Unterschied zu vielen anderen, die sie verlassen haben, auch weiterhin lebt, repräsentativ. Diesem Autor, den Kritiker und Leser nicht nur als beharrlichen und zähen Schreibarbeiter, sondern auch als Meister des gepflegten Wortes schätzen, wollen wir uns in der nun folgenden Stunde anvertrauen, wollen seine Darbietung genießen, seinen Gedankengängen zu folgen versuchen und uns an seinen Bildern, an seinen Gestalten wie an seinen Schilderungen und Beschreibungen erfreuen.

Prof. onor. Dr. phil. Konrad Gündisch, geboren 1948 in Hermannstadt; Studium der Geschichte in Klausenburg; 1971-1984 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichte und Archäologie der Universität Klausenburg; 1985-1986 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Mainzer Akademie der Wissenschaften, Forschungsstelle für Personalschriften Marburg; 1987-1991 wissenschaftlicher Mitarbeiter des Historischen Seminars der Universität Tübingen; 1989 Promotion. 1991-1993 Referent für transsilvanische Forschung am Institut für Auslandsbeziehungen, Stuttgart, und Leiter der Siebenbürgischen Bibliothek im Landeskundlichen Dokumentationszentrum Gundelsheim. Seit 1993 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa. Lehrbeauftragter an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.

Schlagwörter: Schlattner, Wittstock, Gündisch, Hermannstadt, Literatur

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