9. Mai 2010

Schriftgut der Archive von Kronstadt und Hermannstadt gesichert

Zahlreiche Protokoll- und Rechnungsbücher, Sammlungen von Urkundenabschriften und ande­res administratives Schriftgut kirchlicher und weltlicher Institutionen der Siebenbürger Sachsen konnten letztes Jahres in den Staatsarchiven von Kronstadt und Hermannstadt fotografiert und in digitalen Kopien gesichert werden.
In einem ersten Projekt wurden sämtliche in den Hermannstädter Archiven (hauptsächlich im Staatsarchiv) in verschiedenen Beständen verstreut aufbewahrten Synodalprotokolle der Evan­gelischen Kirche vom 16. bis 18. Jahrhundert ­digitalisiert. Die auf diese Weise entstandene umfassende Dokumentationsgrundlage dient einerseits zur Aufdeckung von Lücken in den bisherigen Quelleneditionen der Synodalprotokolle (etwa jener von Georg Daniel Teutsch), andererseits als Ausgangspunkt für eine anzustrebende vollständige und kritische Edition der Synodalverhandlungen der siebenbürgisch-sächsischen Kirche. Von der Auseinandersetzung mit den lateinischen Protokollen besonders des 17. und 18. Jahrhunderts sind interessante Aufschlüsse über den Konfessionalisierungsprozess bei den Siebenbürger Sachsen zu erwarten.
Fürstenbrief von 1591, im Besitz des Siebenbürgen ...
Fürstenbrief von 1591, im Besitz des Siebenbürgen-Instituts an der Universität Heidelberg: Der siebenbürgische Woiwode Sigismund Bathory befiehlt darin allen Bewohnern Siebenbürgens, auf Ersuchen der Pfarrer des Mühlbacher Kapitels, vor Martin Appoldini, Stadthann sowie vor den Geschworenen Mühlbachs Jacobus Coriarius (Lederer), Valentinus Lang und Philippus Zeoch (Kürschner) in einem Rechtsstreit Aussagen zu machen, andernfalls wird mit einer Strafe von sechzehn Mark Silber zugunsten der Nutznießer gedroht.
In einem zweiten Projekt haben die Historiker Thomas Şindilariu und Bernhard Heigl in den Staatsarchiven Hermannstadt und Kronstadt weltliche und kirchliche Institutionsbücher aus der frühen Neuzeit (mit Ordinationsprotokollen, Statuten, Sammlungen von Urkundenabschriften, Sitzungsprotokollen, Rechnungen) in mehreren zehntausend Fotos kopiert. Die Dokumentationsarbeit umfasste im Wesentlichen die Ge- ­samtheit der Landkapitel der Ev. Kirche Siebenbürgens, die historischen Archive der Städte Hermannstadt, Kronstadt und Schäßburg sowie die zwei großen Mischbestände des Hermann­städter Staatsarchivs (Brukenthal-Sammlung und Manuscripta Varia). Auch in diesem Projekt ging es, so der Kronstädter Archivar Şindilariu, zum einen darum, für künftige Quelleneditionen sämtliches in den bewahrenden Archiven schwer zugängliches Material zu sichern, zum anderen darum, in Fotos die vom Tintenfraß mehr oder weniger angegriffenen Archivalien für die Nach­welt zu retten.

Die Verzeichnisse der digitalisierten Quellen wurden auf der Homepage des Siebenbürgen-Instituts an der Universität Heidelberg veröffentlicht. Beide Projekte wurden vom Beauftragten für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert. Unter „E-Transylvanica” sind auf der Instituts-Website auch einige der archivalischen Raritäten – Fürstenbriefe und andere Handschriften – aus dem Besitz des Institutes zu sehen. Dateikopien können Nutzern auf Antrag und mit Nachweis wissenschaftlichen Interesses gegen Erstattung der anfallenden Unkosten zugesandt werden.

Annemarie Weber

Schlagwörter: Gundelsheim, Archiv, Kronstadt, Hermannstadt

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