28. Oktober 2021

Denkwürdiger Festakt in der Wiener Hofburg zu 150-jährigem Vereinsjubiläum

Wien – „Wenn man unter Ewigkeit nicht unendliche Zeitdauer, sondern Unzeitlichkeit versteht, dann lebt der ewig, der in der Gegenwart lebt.“ Das behauptet Ludwig Wittgenstein in seinem „Tractatus Logico-Philosophicus“. Als der Philosoph 1889 in Wien geboren wurde, existierte der ortsansässige Verein der Siebenbürger Sachsen bereits seit 18 Jahren; und er tut es heute noch, seit nunmehr 150 Jahren. Eineinhalb Jahrhunderte sind fürwahr keine Ewigkeit. Doch nehmen wir Wittgenstein beim Wort, so konnte sich die Feiergemeinschaft am 9. Oktober im Österreichischen Parlament in der Wiener Hofburg beim Begehen dieses ehrwürdigen Jubiläums wenigstens momentan einem nicht messbaren Kontinuum zugehörig fühlen, einer auf unbestimmte Zeit anhaltenden Tradition und Beständigkeit.
Amtsträger und Ehrengäste beim Empfang des ...
Amtsträger und Ehrengäste beim Empfang des Bürgermeisters, von links: Stefan Bichler, Dr. Lars Müller-Marienburg, Rainer Lehni, Pfarrer Mag. Volker Petri, Dr. Kurt Thomas Ziegler, Dr. Kurt Stürzenbecher, Ing. Norbert Kapeller, Mag. Ludwig Niestelberger, Konsulent Manfred Schuller, Dr. Paul Jürgen Porr, Dipl.-Ing. Reinhard Frank, Mag. Wolfgang Rehner. Fotos: Christian Schoger
Zur historischen Einordnung: Am 18. Januar 1871 wurde das Deutsche Reich gegründet und seit diesem Jahr amtieren deutsche Botschafter in Österreich. Dies ist gleichzeitig das Gründungsjahr der Vereine der Siebenbürger Sachsen in Wien und der Steiermark. So wurde am Wochenende vom 9. und 10. Oktober in Wien das 150-jährige Jubiläum der Vereine in Wien und der Steiermark, zudem das 70-jährige Bestehen der Vereine der Siebenbürger Sachsen in Niederösterreich und dem Burgenland gebührend gefeiert. Das zweitägige Festprogramm stand unter dem Motto „Gemeinschaft, Tradition, Integration“. Bei allen Veranstaltungen galten den aktuellen COVID-19-Bestimmungen gemäß die 3G-Regeln.

Dem Festakt am Samstagnachmittag (9. Oktober) im Österreichischen Parlament wohnten 180 Gäste bei. Veranstaltungsort war nicht das Parlamentsgebäude an der Wiener Ringstraße, das seit vier Jahren generalsaniert wird, sondern das Dachfoyer in der Wiener Hofburg, die während der Sanierungsarbeiten als Ausweichquartier Nationalrat und Bundesrat beherbergt.

Prominente Ehrengäste in der Hofburg

Festkoordinator Reinhard Frank, Sohn von Dr. Fritz Frank, Ehrenobmann des Bundesverbandes der Siebenbürger Sachsen in Österreich, führte als Moderator durch die Veranstaltung.
Festkoordinator Reinhard Frank begrüßt die ...
Festkoordinator Reinhard Frank begrüßt die Ehrengäste
Für deren Zustandekommen dankte er dem Präsidenten des Nationalrates, Mag. Wolfgang Sobotka (ÖVP), der kurzfristig verhindert war und von dem Dritten Nationalratspräsidenten Ing. Norbert Hofer (FPÖ) vertreten wurde. Dass dann auch am Sonntag beim Empfang des Bürgermeisters der Stadt Wien Dr. Michael Ludwig (SPÖ), Bürgermeister und Landeshauptmann von Wien, absagen musste, war wie im Falle von Sobotka der sich zuspitzenden Regierungskrise geschuldet. Just am Samstagabend trat der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz zurück als Konsequenz aus den gegen ihn laufenden Ermittlungen der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft. Zeitgleich fand im Wiener Rathauskeller im Rahmen des Festprogramms der Siebenbürgische Abend statt.

Reinhard Frank begrüßte unter den Ehrengästen des Festaktes u. a. den Rumänischen Botschafter in Österreich, Emil Hurezeanu, als Vertreter der Evangelischen Kirche in Österreich Bischof Mag. Michael Chalupka, in Vertretung des Bischofs der Evangelischen Kirche in Rumänien, Reinhart Guib, Kirchenrat Dr. Stefan Coso­ro­abă, die Superintendenten der Steiermark, von Wien und des Burgenlands, Mag. Wolfgang Rehner, Dr. Mathias Geist und Dr. Robert Jonischkeit, ferner seitens des Landes Niederösterreich Landesrat Dr. Martin Eichtinger (ÖVP) in Vertretung von Landeshauptfrau Johanna Mickl-Leitner, die Dritte Nationalratspräsidentin a.D. Anneliese Kitzmüller (FPÖ) und weitere Abgeordnete. Des Weiteren begrüßte der Festkoordinator den Vorsitzenden der weltweiten Föderation der Siebenbürger Sachsen und zugleich Bundesvorsitzenden des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, Rainer Lehni in Begleitung seiner Gattin, sowie Herta Daniel als Ehrenvorsitzende des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, als Vorsitzenden des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien Dr. Paul Jürgen Porr mit Gattin, den Bundesobmann des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Österreich, Manfred Schuller und seine Gattin, die Bundeskulturreferentin Ingrid Schuller, sowie den Ehrenbundesobmann Pfarrer Mag. Volker Petri und die weiteren Mitglieder des Bundesvorstandes. Nicht zuletzt hieß Frank die Obmänner der beiden jubilierenden Vereine willkommen, für Wien Dr. Kurt Thomas Ziegler sowie die Ehrenmitglieder Gerda Petrovitsch und Oberst a.D. Wilgerd Nagy, für Graz Mag. Ludwig Niestelberger sowie die weiteren Vorstandsmitglieder beider Vereine.
Das Ensemble „De Lidertrun“ musizierte beim ...
Das Ensemble „De Lidertrun“ musizierte beim Festakt im Dachfoyer der Wiener Hofburg.
Die musikalische Umrahmung der Festveranstaltung gestaltete das Ensemble „De Lidertrun“. Zudem zeigte die Tanzgruppe des Vereins Wien verschiedene Volkstänze.

Sächsisches Zimmer im gemeinsamen Haus Europa

Die Festrede hielt Dr. Paul Jürgen Porr, der eingangs im Namen der Landsleute in Siebenbürgen die herzlichsten Grüße überbrachte und zum Jubiläum alles erdenklich Gute wünschte. Porr erinnerte an bedeutende Errungenschaften und Leistungen der Siebenbürger Sachsen in ihrer fast 900-jährigen Geschichte in Landwirtschaft, Handwerk und Handel, in Bildung, Kultur und Wissenschaft. Dabei nannte er explizit historische Persönlichkeiten wie Conrad Haas, Hermann Oberth, Samuel von Brukenthal.
Festredner Dr. Paul Jürgen Porr ...
Festredner Dr. Paul Jürgen Porr
„Das, was wir heute als europäisches Gedankengut bezeichnen, nämlich friedliches interkonfessionelles und interethnisches Zusammenleben, und das in einigen Gebieten Europas noch Wunschdenken ist – ich denke da nicht nur an den Kosovo, sondern auch an Katalonien oder Irland – das wurde in Siebenbürgen über die Jahrhunderte gelebt! Während in Mitteleuropa der 30-jährige Krieg tobte, fand die Reformation in Siebenbürgen einige Jahre nach Luther unter Johannes Honterus absolut friedlich statt, ohne dass ein Tropfen Blut vergossen wurde. So hinterwäldlerisch, wie der Name Transylvanien („jenseits der Wälder“) suggerieren könnte, waren unsere Vorfahren also nicht – ganz im Gegenteil! Sie waren Vorbilder in vielem für ihr andersnationales Umfeld.“ Das sei allgemein bis heute so geblieben.

16 Jahre gebe es eine Mehrheit der Deutschen im Stadtrat von Hermannstadt, obschon die Deutschen nicht einmal zwei Prozent der Einwohnerzahl der Stadt ausmachten. Porr verwies auch auf die zweimalige Wahl von Klaus Johannis zum Staatspräsidenten von Rumänien. Wie der Festredner weiter ausführte, sei der Gemeinschaftssinn der Siebenbürger Sachsen besonders charakteristisch, versinnbildlicht durch die traditionellen Nachbarschaften. Vor 150 Jahren hätten Siebenbürger Sachsen in Österreich ihre neue Heimat gefunden, wenn auch die weitaus größere Zahl bedeutend später, vor Ende des Zweiten Weltkriegs aus Nordsiebenbürgen nach Österreich gekommen seien, so Porr. Hier in Wien und andernorts hätten sie sich integriert, dabei ihre Bräuche weiter lebendig erhalten. So bestehe das Verbandsleben bis heute, die Trachten könne man auch hier bewundern. Siebenbürger Sachsen hätten in Wien bemerkenswerte Leistungen vollbracht, wie etwa Samuel von Brukenthal, hochgeschätzter Berater der Kaiserin Maria Theresia, dessen 300. Geburtstag kürzlich gefeiert wurde. Auch Arthur Porr, der Begründer der gleichnamigen Firma für Straßen- und Brückenbau, stamme aus Siebenbürgen. „Die Siebenbürger Sachsen haben hier wie auch im restlichen Österreich viel zum Aufbau der jeweiligen Gebiete beigetragen“, unterstrich Porr, „durch Erfindungsgeist, Arbeitswillen, Organisationstalent und Konsequenz“.

Die Europäische Union stehe derzeit vor gewaltigen Herausforderungen und müsse eine gemeinsame Wirtschafts- und Außenpolitik entwickeln. In diesem „gemeinsamen Haus“, so beschloss Paul Jürgen Porr seine Rede, „wollen wir gerne als gute Europäer unseren bescheidenen Beitrag leisten wie auch bisher, lange bevor man noch von diesem gemeinsamen Haus sprach. Wir wollen Toleranz und Einheit in der Vielfalt auf allen Ebenen fördern. In diesem mannigfaltigen Europa, wo wir letztlich alle nur Minderheiten sind, in diesem großen Haus wollen wir ein kleines, aber eigenständiges sächsisches Zimmer bewahren, wie auch bisher, mit Fenstern sowohl gegen Osten als auch gegen Westen.“ Zustimmender Applaus der Festgäste.

Staatliche Aufgabe: Kulturarbeit der Siebenbürger Sachsen in Österreich fördern

Dritter Nationalratspräsident Norbert ­Hofer ...
Dritter Nationalratspräsident Norbert ­Hofer
Das erste Grußwort sprach Norbert Hofer. Der Dritte Nationalratspräsident hob die Bedeutung des Ortes hervor. Im Parlament, wo die wichtigsten Entscheidungen für Österreich getroffen würden, dort müsse auch die Volkstumsarbeit ihre Grundlage finden und die Ehrenamtlichkeit gewürdigt werden. „Tradition zu bewahren, Brauchtum zu pflegen und Identität zu schützen“, dies sei Auftrag für die Parlamentsvertreter in Österreich. Die Bewahrung unserer Identität, das „Gewissensthema unserer Epoche“, könne aber nur gelingen, „indem die Tradition aktiv weiterentwickelt und fortgeführt wird“, sagte der FPÖ-Politiker. In einer „Zeit der Identitätsvernichtung und der Entfremdung der Völker von ihren Wurzeln im Interesse globaler Großkonzerne“ gelte dem ideellen Engagement für die Bewahrung der eigenen Kultur und Sprache besondere Achtung. Daher sei es „eine gesamtgesellschaftliche und staatliche Aufgabe, das vielfältige und kulturelle Erbe zu bewahren“ und somit auch „Vereine wie die Siebenbürger Sachsen in Wien und der Steiermark zu unterstützen in ihrer deutschen Volkstumsarbeit in Österreich“.

Der Obmann des Vereins der Siebenbürger Sachsen in Wien, Dr. Kurt Thomas Ziegler, gab in seiner Ansprache einen kurzen Einblick in die Geschichte der beiden jubilierenden Vereine (siehe Kurzer Abriss der Geschichte des vor 150 Jahren gegründeten Vereins der Siebenbürger Sachsen in Wien).

Bischof Mag. Michael Chalupka ...
Bischof Mag. Michael Chalupka
Der österreichische Protestantismus und der Protestantismus in Siebenbürgen gehören seit der Reformation zusammen, unterstrich Bischof Mag. Michael Chalupka in seinem Redebeitrag. Für die evangelische Kirche in Österreich von zentraler Bedeutung sei Joseph Andreas Zimmermann gewesen. Der gebürtige Schäßburger lehrte als Professor an der Rechtsakademie in Hermannstadt, ehe er zum ersten juristischen Präsidenten des evangelischen Oberkirchenrates in Wien ernannt wurde (ab 1861 Vorsitzender, 1867 bis 1874 Präsident). „Wir verdanken dem siebenbürgischen Kirchenrecht die Art, wie wir heute als evangelische Kirche in Österreich verfasst sind.“ Es verwundere auch nicht, dass auch heute in Presbyterien, Superintendentialversammlungen und Synoden zahlreiche Vertreter aus Siebenbürgen stammten und stammen und „diese enge Verbindung verkörpern“. Mit besonderer Wertschätzung erwähnte Bischof Chalupka seinen Amtsvorgänger Dieter Knall, den 2019 im Alter von 89 Jahren verstorbenen Altbischof der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich.

Kirchenrat Dr. Stefan Cosoroabă  ...
Kirchenrat Dr. Stefan Cosoroabă
Kirchenrat Dr. Stefan Cosoroabă überbrachte die herzlichen Grüße des Bischofs der Evangelischen Kirche in Rumänien, Reinhart Guib. Ungefähr zu dieser Stunde werde die Hermannstädter Stadtpfarrkirche nach langjähriger Renovierung wieder eingeweiht. Cosoroabă dankte der Evangelischen Kirche in Österreich, die den Siebenbürger Sachsen in Österreich „eine Heimat geschenkt hat“. Die Evangelische Kirche A.B. in Rumänien habe ihrerseits immer wieder Pfarrer nach Österreich entsandt und trage Sorge für den Erhalt der heimischen Kirchen, sei es die Stadtpfarrkirche von Bistritz, die Schwarze Kirche in Kronstadt oder etwa die Kirchenburgen von Hundertbücheln und Hamruden, damit, wenn die ausgewanderten Landsleute diese wieder aufsuchten, sie sich dort wohlfühlen könnten. Das gewählte Motto „Gemeinschaft, Tradition, Integration“ befand Botschafter Emil Hurezeanu für „aktueller denn je“. Obwohl in Rumänien nach der letzten Volkszählung nur mehr 35.000 Mitglieder der deutschen Volksgruppe lebten, „haben diese Mitbürger eine sehr wichtige Rolle in der wirtschaftlichen Entwicklung unseres Landes auch nach 1990 gespielt.“ Als Botschafter in der Republik Österreich bekräftigte er die Bereitschaft, „unsere alten Beziehungen zu fördern, sie wieder zu beleben und ihnen einen neuen Sinn zu verleihen“.

Landesrat Dr. Martin Eichtinger übermittelte die Grüße der Niederösterreichischen Landeshauptfrau Johanna Mickl-Leitner.
Landesrat Dr. Martin Eichtinger ...
Landesrat Dr. Martin Eichtinger
Niederösterreich sehe sich als ein „Brückenbauer, der die Werte und Traditionen sowie die Lebens- und Wesensarten anderer Kulturen wertschätzt und verbindet“. Das sei sowohl seiner Geschichte als auch seiner geografischen Lage im Herzen Europas geschuldet. Die Verbindungen zwischen Niederösterreich und Siebenbürgen seien immer schon sehr ausgeprägt, sagte Eichtinger, der in den Jahren 2007 bis 2010 Österreichischer Botschafter in Rumänien war. Die Mitglieder des Vereins der Siebenbürger Sachsen „haben die Verbundenheit zur alten Heimat nicht nur aufrechterhalten, sondern vor allem auch nach dem Fall des Eisernen Vorhangs weiter vertieft. Dabei haben sie zum Ausdruck gebracht, was die Vereinsmitgliedschaft und ihre Mitglieder auszeichnet: der Zusammenhalt miteinander und die hingebungsvolle Pflege ihrer Kultur, ihres Brauchtums und ihrer Geschichte.“ Das Land Niederösterreich habe an der Seite der Siebenbürger Sachsen gestanden, wie etwa in Person des Außenministers Alois Mock, als Diktator Ceauşescu 7.000 Dörfer im Rahmen eines zynischen „Dorfsystematisierungsprogrammes“ zerstören wollte. Diese Bedrohung konnte seinerzeit abgewendet werden. Der ÖVP-Politiker erinnerte auch an die österreichischen Hilfslieferungen. Der Schutz von Minderheiten habe zu Recht einen sehr hohen Stellenwert in der Europäischen Union.

Rainer Lehni gratulierte den Vereinen zu ihren Jubiläen seitens der Föderation der Siebenbürger Sachsen und, als Bundesvorsitzender, ebenso im Namen des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland.
Bundesvorsitzender Rainer Lehni ...
Bundesvorsitzender Rainer Lehni
„Unsere Verbände in Deutschland und Österreich arbeiten seit ihrer Gründung eng zusammen“, bestätigte Lehni und sprach von „Beziehungen auf Augenhöhe“, von „geschwisterlichem und freundschaftlichem Miteinander“. Mit der Stadt Wien fühlten sich die Siebenbürger Sachsen seit Jahrhunderten sehr verbunden. Wien war die Hauptstadt der Donaumonarchie, zu der Siebenbürgen Jahrhunderte gehörte. Es sei daher kein Wunder, dass bereits 1871 der Verein der Siebenbürger Sachsen in Wien gegründet wurde, ebenso wie jener in der Steiermark. Diese Vereine hätten den Zerfall der k.u.k. Monarchie ebenso überstanden wie die Nazizeit und sich in den friedlichen Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg hier im Herzen Europas weiterentwickelt. Das für die Siebenbürger Sachsen charakteristische Traditionsbewusstsein und ihre Qualität als Brückenbauer zwischen Siebenbürgen und der neuen Heimat werde „von Politik und Gesellschaft anerkannt und gewürdigt“. Ein „Hauptziel unserer Gemeinschaft“ müsse daher sein und bleiben, „diese ererbten Werte an unsere fern von Siebenbürgen geborene und aufgewachsene Generation weiterzugeben“, unterstrich der Bundesvorsitzende Rainer Lehni.

Bundesobmann Konsulent Manfred Schuller
Bundesobmann Manfred Schuller ...
Bundesobmann Manfred Schuller
überbrachte die Glückwünsche seitens des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Österreich. Das Entstehen der Vereine in Wien und der Steiermark vor 150 Jahren falle in die Gründerjahre, eine Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs. Der Wunsch nach Gemeinschaft und Geselligkeit sei seinerzeit ein wesentlicher Impuls gewesen zur Vereinsgründung als „Gemeinschaftsdach für das traditionelle und konfessionelle Selbstverständnis“, so Schuller. Als Bundesobmann des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Österreich danke er ganz besonders „all jenen, die in diesen 150 Jahren mit Mut und Besonnenheit die Geschicke der Verbände, aber auch die Zusammenarbeit mit Politik und Wirtschaft immer vorangetrieben haben und ein Miteinander vorgelebt haben“. Schließlich verlas Manfred Schuller, der sich selbst als „Nachkriegs-Siebenbürger“ bezeichnete, Grußworte von Dr. Fritz Frank, einem der verdienstvollen „Pioniere“. Der Ehrenobmann des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Österreich, der am 15. September seinen 98. Geburtstag gefeiert hat, schrieb in seiner Botschaft: „Nun sind Heimatpflege, Brauchtumstreue und Eingliederung genau die Gemeinschaftsziele der heutigen Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Österreich, also 150 Jahre später. Dies ist eine Kontinuität, auf die wir zurecht stolz sein können. Die historische, kulturelle und kirchliche Tradition der Vergangenheit füllt das Vereinsleben der Gegenwart und führt es in die Zukunft. Somit ist ein Blick zurück auf die vergangenen 150 Vereinsjahre ein berechtigter Anlass, den früheren Generationen für ihre kulturellen Leistungen zu danken, um mit ihrem Vorbild für die Gestaltung der Zukunft in der neuen Heimat aktiv zu bleiben.“ Das Festpublikum im Dachfoyer in der Wiener Hofburg quittierte Fritz Franks Gedanken mit Beifall.
Auftritt der Tanzgruppe des Vereins Wien  ...
Auftritt der Tanzgruppe des Vereins Wien
Festkoordinator Reinhard Frank dankt Gerda ...
Festkoordinator Reinhard Frank dankt Gerda Petrovitsch für ihre Moderation.
Nach den Redebeiträgen trat die Tanzgruppe des Vereins Wien unter der Moderation von Gerda Petrovitsch auf und zeigte schwungvolle Darbietungen. Mit dem gemeinsam gesungenen Siebenbürgenlied und der österreichischen Bundeshymne fand der zweistündige Festakt seinen Ausklang. Im Anschluss bot ein Stehimbiss Gelegenheit zu Gespräch und Austausch.

Gemeinschaft und Geselligkeit

Im weiteren Verlauf der Festivitäten fand am Samstag ein Siebenbürgischer Abend im neugotischen, freskendekorierten Rittersaal des Wiener Rathauskellers statt. Nach der Begrüßung der Fest- und Ehrengäste durch den Moderator Reinhard Frank sorgte die „Lidertrun“ mit ihren mitreißenden Balladen in Mundart für Hochstimmung im Saal. Es folgten Worte des Obmanns der Siebenbürger Sachsen in Wien, Kurt Thomas Ziegler, der auf die Großzügigkeit des Wiener Bürgermeister hinwies, diese Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt zu haben.
Die Fest- und Ehrengäste genossen gepflegte ...
Die Fest- und Ehrengäste genossen gepflegte Geselligkeit mit Musik und Tanz beim Siebenbürgischen Abend im neugotischen Rittersaal des Wiener Rathauskellers.
Die Tanzgruppe stellte bei einem weiteren Auftritt ihr Können unter Beweis und bezog dabei auch das Saalpublikum in die Tänze ein. Als dann das kalte und warme Buffet eröffnet wurde, ließen sich die Gäste von der Rathausküche neben österreichischen Speisen auch siebenbürgische Delikatessen, darunter Krautwickel, Vinete und Baumstriezel, kredenzen. So endete der Siebenbürgische Abend mit vielen Gesprächen und Begegnungen erst gegen Mitternacht.
Der Superintendent der Evangelischen Kirche A.B. ...
Der Superintendent der Evangelischen Kirche A.B. in der Steiermark, Wolfgang Rehner, predigt beim Festgottesdienst in der Auferstehungskirche. Foto: Richard Schuster
Das Programm der Feierlichkeiten wurde am Sonntagvormittag mit einem Festgottesdienst in der Auferstehungskirche fortgesetzt. Die Predigt hielt der Superintendent der Evangelischen Kirche A.B. in der Steiermark, Mag. Wolfgang Rehner, unter Einbindung von Margarete Gärtner. Seitens der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien hat Kirchenrat Dr. Stefan Cosoroabă den Gottesdienst liturgisch mitgestaltet.

Gemeinderat Dr. Kurt Stürzenbecher ...
Gemeinderat Dr. Kurt Stürzenbecher
Nach einem zügigen Fußweg zum Wiener Rathauskeller folgte ein Empfang des Bürgermeisters der Stadt Wien. Dazu fanden sich rund 150 Gäste im Rittersaal ein. Den aufgrund der turbulenten politischen Entwicklungen verhinderten Wiener Bürgermeister Dr. Michael Ludwig vertrat Gemeinderat Dr. Kurt Stürzenbecher, Vorsitzender des Ausschusses für Finanzen, Wirtschaft und internationale Angelegenheiten der Stadt Wien. Der SPÖ-Landtagsabgeordnete streifte in seiner kurzen Ansprache Grundzüge der vereinsgeschichtlichen Entwicklung und würdigte den Beitrag der Siebenbürger Sachsen zum Wiederaufbau nach 1945. Heute leiste das Haus der Heimat in der Steingasse „unter der sehr umsichtigen Führung“ von Norbert Kapeller „großartige Arbeit“. Wien schätze das Brauchtum der Volksgruppen, besonders auch der Siebenbürger Sachsen, sehr. So werde die Tradition im 21. Jahrhundert weiter gepflegt. Für die Stadt Wien sei es daher eine „Freude und große Ehre, dass Sie heute hier sind“. Dem Verein und seinen Mitgliedern wünschte er alles Gute für die Zukunft.

Präsident des Verbands der deutschen ...
Präsident des Verbands der deutschen altösterreichischen Landsmannschaften in Österreich (VLÖ), Norbert Kapeller
Schließlich richtete der Präsident des Verbands der deutschen altösterreichischen Landsmannschaften in Österreich (VLÖ), Norbert Kapeller, das Wort an die Gäste des Empfangs, die er eingedenk seiner eigenen ostpreußischen und schlesischen Wurzeln als „liebe Landsleute“ ansprach. Es verbinde die deutschen Volksgruppen nicht nur eine Schicksalsgemeinschaft, überdies auch ihre außerordentlichen Kulturleistungen. Gemeinsam prägend sei „die Nachbarschaft, die eine Sonderstellung bei den Heimatvertriebenen einnimmt“. Nur so habe man seine kulturelle Identität als deutsche Minderheit auch in der neuen Heimat bewahren können. „Ihr seid Garant dafür“, betonte der VLÖ-Präsident in seiner leidenschaftlichen Ansprache, „dass wir auch in Zukunft weiterleben, nicht nur als Siebenbürger Sachsen, sondern auch als Donauschwaben, Banater Schwaben, als Sudetendeutsche, als Buchenlanddeutsche, Gottscheer, Deutsch-Unterstei­rer, Karpatendeutsche, Beskidendeutsche. Sie alle sind im Dachverband organisiert als deutsche Altösterreicher.“ Der ÖVP-Politiker dankte für das beständige Engagement und versprach seine Unterstützung auch in Hinkunft, „damit auch die Nachgeborenen noch in der Steingasse einen Hort finden“.

Den von der „Lidertrun“ musikalisch umrahmten Empfang bereicherten Volkstanzaufführungen der Tanzgruppe des Vereins.
Die Tanzgruppe des Vereins Wien nach ihrem ...
Die Tanzgruppe des Vereins Wien nach ihrem Auftritt beim Empfang des Bürgermeisters
Reinhard Frank ließ die Jubiläumsveranstaltung in einem kurzen Fazit Revue passieren. Der Festkoordinator äußerte sich sehr zufrieden mit dem Verlauf und dankte allen Beteiligten, Aktiven wie Festgästen, herzlich für ihr Mitwirken (siehe Wien sagt Danke!). Mit einem Mittagsessen und anregendem Gesprächsaustausch gingen die Feierlichkeiten zu Ende.
Ein interessiertes Publikum nahm an der Eröffnung ...
Ein interessiertes Publikum nahm an der Eröffnung der Ausstellung „Kirchenburgenlandschaft Siebenbürgen – ein europäisches Kulturerbe“ im Haus der Heimat teil. Foto: Richard Schuster
Tags darauf, am Montag, wurde im Haus der Heimat die Ausstellung „Kirchenburgenlandschaft Siebenbürgen – ein europäisches Kulturerbe“ eröffnet. Die in Zusammenarbeit mit der Rumänischen Botschaft in Österreich und dem Rumänischen Kulturinstitut in Wien realisierte Ausstellung dauerte bis zum 25. Oktober.

Christian Schoger

Schlagwörter: Österreich, Wien, Hofburg, Parlament, Jubiläum, Verein, Steiermark, Niederösterreich, Burgenland

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