25. Juli 2003

Landsmannschaft in Oberösterreich feierte 50-jähriges Bestehen

Rund 1 000 Festgäste nahmen am 20. Juli bei brütender Hitze an der 50-jährigen Jubiläumsfeier der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Oberösterreich in Vöcklabruck teil. Höhepunkt des Festes war die Kundgebung auf dem Stadtplatz mit der Ansprache des oberösterreichischen Landeshauptmanns Dr. Josef Pühringer. Vorangegangen waren ein Festgottesdienst sowie ein Festzug. Mit dem Bundestreffen der Siebenbürgischen Jugend- und Volkstanzgruppen fanden die Feierlichkeiten ihren Abschluss.
Sonntagmorgens füllten 450 Besucher die Evangelische Friedenskirche zu Vöcklabruck bis auf den letzten Platz aus und gaben dem Festgottesdienst einen würdigen Rahmen. Die Predigt hielt Superintendent Mag. Hansjörg Eichmeyer, den liturgischen Teil gestaltete Pfarrer Mag. Martin Hofstätter. Auf dem Parkplatz hinter dem Rathaus nahmen in der Folge 350 Trachtenträger Aufstellung zum Festzug. Vertreten waren sämtliche oberösterreichischen Nachbarschaften, Siebenbürgische Jugend- und Volkstanzgruppen, ergänzt durch Abordnungen aus Salzburg und Wien. Begleitet vom schneidigen Spiel der Stadtkapelle Vöcklabruck, schritt der langgestreckte Festzug, an der Spitze die zahlreichen Ehrengäste, zum Stadtplatz, wo eine Gästetribüne mit Rednerpult errichtet worden war.

Das mit Tanzdarbietungen angereicherte Unterhaltungsprogramm der gut einstündigen Festkundgebung gestalteten im Zusammenspiel unter dem Dirigat von Wolfgang Krebelder bzw. Helmut Schmedt die Siebenbürgische Trachtenkapelle Traun, die Blasmusikkapelle Seewalchen-Rosenau, die Siebenbürger Trachtenkapelle Munderfing sowie die Stadtkapelle Vöcklabruck.
Festkundgebung auf dem Vöcklabrucker Stadtplatz: Tanzpaare in Tracht beim schwungvollen Reigen. Foto: Christian Schoger
Festkundgebung auf dem Vöcklabrucker Stadtplatz: Tanzpaare in Tracht beim schwungvollen Reigen. Foto: Christian Schoger

Eröffnet wurde die Veranstaltung mit der Festfanfare "Furioso" und dem Grußwort des Stellvertretenden Landesobmanns Johann Haitchi. Als Ehrengäste der Jubiläumsveranstaltung begrüßte Konsulent Dir. Hans Waretzi, Vereinsobmann der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Oberösterreich, anschließend seine Exzellenz den Botschafter von Rumänien, Dr. Traian Chebeleu, den Landeshauptmann von Oberösterreich, Dr. Josef Pühringer, als Vertreterin der Bundesregierung Staatssekretärin Ursula Haubner, den Bürgermeister der gastgebenden Stadt Vöcklabruck, Mag. Herbert Brunsteiner, sowie Mag. Hansjörg Eichmeyer, Superintendent der Evangelischen Kirche A.B. in Oberösterreich, und Pfarrer Hans-Dieter Krauss aus Bistritz. Weiterhin willkommen geheißen wurden Konsulent Dr. Fritz Frank, Ehrenobmann der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Oberösterreich, Mag. Wilgerd Nagy, Stellvertretender Bundesobmann des Vereins der Siebenbürger Sachsen in Österreich, Ing. Kurt Schuster, Ehrenobmann des Vereins der Siebenbürger Sachsen in Wien, Kommerzialrat Ing. Martin May, Stellvertretender Obmann des Verbandes der Volksdeutschen Landsmannschaften in Österreich und Präsident des Ermacora-Institutes, ferner die Abgeordnete des oberösterreichischen Landtags, Anna Eisenreich, Dr. Peter Salinger, Bezirkshauptmann von Vöcklabruck, sowie die Bürgermeister von Traun, Laakirchen, Munderfing, Seewalchen und Attnang-Puchheim.

Nach kurzen Grußworten des Vöcklabrucker Stadtoberhauptes Brunsteiner und der Staatssekretärin Haubner skizzierte Konsulent Dr. Fritz Frank in seiner viel beachteten Festrede den historischen Kontext der Gründung der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Oberösterreich vor 50 Jahren. In seinem engagierten Vortrag erinnerte Frank an das harte Schicksal der Kriegsgeneration, die nach dem Verlust ihrer Heimat in Oberösterreich zunächst in einem Zustand der materiellen Not, der Rechtlosigkeit und Unsicherheit lebte. 1953 sei für Großeltern und Eltern, so der Ehrenobmann, ein entscheidendes Jahr gewesen: Während tausende Landsleute nach Deutschland, Kanada und in die USA auswanderten, entschied sich die Mehrzahl der in Oberösterreich lebenden Siebenbürger Sachsen zum Bleiben. Im Dezember 1953 wurde der Verein der Siebenbürger Sachsen in Oberösterreich in Linz angemeldet, der ab 1957 den Namen Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Oberösterreich annahm. Der Erwerb der österreichischen Staatsbürgerschaft bedeutete für die Landsleute eine weitere Stufe auf dem Weg zur gesellschaftlichen Integration, den viele Bürgermeister und bedeutende Politiker, den Obleute, Nachbarväter und -mütter, Referatsleiter, Kapellmeister, Jugendführer und Helfer durch ihre Vereinsarbeit geebnet hätten. Als deren bleibende Werte kennzeichnete der Festredner den "Familien- und Gemeinschaftssinn, Glaubens- und Brauchtumstreue, Fleiß und Zuverlässigkeit". Die "Integration durch Vereinsarbeit" finde "im Bau von elf evangelischen Kirchen im Bundesland, in einem aktiven Brauchtumsleben in einst 22, heute 13 Nachbarschaften, in fünf volkskundlichen Museen und Heimatstuben und in der national und international anerkannten Arbeit von sieben Volkstanz- und Jugendgruppen und fünf Blasmusikkapellen" seinen Ausdruck. Frank, der für detailliertere Informationen auf die druckfrische Festschrift verwies, hob die intensive humanitäre Betreuung notleidender Menschen, bedürftiger Schulen, von Kinderheimen, Klöstern und Spitälern in Rumänien hervor, wodurch sich "ein geordnetes Arbeitsverhältnis" zur alten Heimat Rumänien zum Wohle vieler Familien entwickelt habe. Abschließend trug Ehrenobmann Frank an Landeshauptmann Pühriger die Bitte heran, "heute von hier aus für das Land Oberösterreich, für seine Bürgermeister und Beamten, und für seine Menschen, die unsere Freunde geworden sind, den Dank der Siebenbürger entgegenzunehmen dafür, dass in den vergangenen 50 Jahren das Trennende überwunden wurde und uns hier Freiheit und Recht, Wärme und Freundschaft geboten werden."

In seiner nachfolgenden Festansprache (im Wortlaut in der heutigen Siebenbürgischen Zeitung-Online abgedruckt) gratulierte Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer der Landsmannschaft zu ihrem 50. Geburtstag. Anknüpfend an seinen Vorredner, bekundete Pühringer Respekt und Hochachtung vor der Aufbauleistung der Siebenbürger Sachsen nach dem Verlust ihrer angestammten Heimat: "Vor fünfzig Jahren, es war die Zeit der Existenzgründung, haben Sie in der Stunde Null begonnen mit ein paar Habseligkeiten aus der alten Heimat und Sie haben Gewaltiges geleistet." Dabei seien die Neuankömmlinge nicht überall mit Applaus empfangen worden. Mit Anstand, Charakter und ungeheurem Fleiß habe man sich jedoch in das öffentliche und kulturelle Leben in Oberösterreich integriert. An die Festgemeinschaft gewandt, würdigte der oberösterreichische Landeshauptmann, "dass Sie mit Ihrer Kultur unsere Kultur bereichert, bunter und größer gemacht haben". Als bemerkenswertes Charakteristikum hob der Festredner die Solidarität der Siebenbürger Sachsen noch über Ländergrenzen hinweg mit ihren Landsleuten in der alten Heimat hervor. Überdies erwachse der Landsmannschaft die Funktion einer "Vermittlerin auch für kommende Generationen" als "Teil des geschichtlichen und kulturellen Gedächtnisses unseres Landes". Mit dem Absingen des Siebenbürgenliedes sowie der oberösterreichischen Landeshymne fand die Festkundgebung ihren stimmungsvollen Ausklang.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen im Stadtsaal, das von den Nachbarschaften Vöcklabruck und Seewalchen-Rosenau zubereitet worden war, fand am selben Ort das Bundestreffen der siebenbürgischen Jugend- und Volkstanzgruppen statt. Unter Federführung des Bundesjugendreferates mit Dipl.-Ing. Christian Schuster an der Spitze, der im Wechsel mit Landesjugendsprecher Markus Auinger die Tanzdarbietungen moderierte, boten 40 Tanzpaare zwischen 4 und 60 Jahren vor rund 350 Besuchern ein äußerst kurzweiliges Programm. Begeisternden Beifall ernteten insbesondere die beiden Kindertanzgruppen der Nachbarschaften Seewalchen-Rosenau und Traun. Außerdem traten, von Günther Dobranz am Akkordeon begleitet, auf: Siebenbürger Volkstanzgruppe Munderfing, Siebenbürger Jugend Traun, Siebenbürger Volkstanzgruppe Vöcklabruck, Siebenbürger Brauchtumsgruppe Laakirchen, die Tanzgruppe der Siebenbürger Nachbarschaft "Alte Jugend" Traun, Volkstanz- und Jugendgruppe der Siebenbürger Sachsen in Wels sowie die Waldhörnler Vöcklabruck. Der Schlussapplaus der Saalgäste galt einerseits den Darbietungen der Tanzgruppen, andererseits dem vielfältigen, zum Ende gekommenen Festprogramm, das außerdem noch im Foyer des Stadtsaales eine Ausstellung zur Geschichte der Siebenbürger Sachsen in Oberösterreich sowie einen siebenbürgischen Basar aufzuweisen hatte. So präsentierte sich die Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Oberösterreich aus Anlass ihres 50. Jubiläums als lebendige, traditionsbewusste und zukunftsträchtige Kulturgemeinschaft.

Christian Schoger


(gedruckte Ausgabe: siebenbürgische Zeitung, Folge 12 vom 31. Juli 2003, Seite 1 und 11)

Schlagwörter: Oberösterreich

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