5. Februar 2011

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Bahnabenteuer in den Karpaten

Die unter dem Namen „Wassertalbahn“ bekannte Waldbahn von Oberwischau (Vişeu de Sus), ganz im Norden Rumäniens an der ukrainischen Grenze gelegen, ist ein einzigartiges technisches Kulturgut: Auf einem knapp 60 Kilometer langen Streckennetz verkehren – neben Dieselloks – bis heute holzbefeuerte Dampflokomotiven, womit die CFF (rumänische Abkürzung für „Căile Ferate Forestiere“) in Oberwischau weltweit wohl die letzte echte Waldbahn mit Dampfbetrieb darstellt. Die in der österreichisch-ungarischen „Einheitsspurweite“ von 760 mm erbaute Strecke führt kurvenreich, über Brücken und durch Tunnel, entlang dem Wasserfluss in ein wildromantisches Karpatental.
Der Holzreichtum im Wassertal wird erst seit Anfang des 18. Jahrhunderts genutzt. Deutsche Kolonisten erschlossen die Urwälder und flößten das geschlagene Holz hinunter nach Oberwischau in die Sägewerke. 1932 begann der Bau der Waldbahn, die gegenüber der Flößerei einen enormen technischen Fortschritt bedeutete. Waldbahnen waren damals in Europa weit verbreitet, besonders im Karpatenraum. Ihr Funktionsprinzip war einfach: nötigenfalls mit engen Kurvenradien folgten sie den Wasserläufen; so angelegt, dass die leeren Holzwaggons von den kleinen Loks bergauf gezogen wurden, die schwer beladenen Züge hingegen bergab ins nächste Sägewerk rollen konnten. In den meisten europäischen Ländern spätestens nach 1945 durch Forststraßen ersetzt, hielten sich in Rumänien die Waldbahnen sehr lange: 1970 betrieb die staatliche Forstverwaltung noch über 3 000 Streckenkilometer, bis 1986 fertigte Rumänien sogar noch neue Waldbahn-Dampfloks, und 1989 gab es immer noch über 15 Waldbahnen mit knapp 1 000 Kilometer Gleis.Die dampfende Waldbahn schlängelt sich durchs ...Die dampfende Waldbahn schlängelt sich durchs Wassertal. Foto: Michael Schneeberger Die wirtschaftlichen Veränderungen nach 1990 wirkten sich auf die ehemals staatlichen Waldbahnen CFF verheerend aus: Innerhalb weniger Jahre wurden alle stillgelegt und abgebaut, Loks und Wagen verschrottet oder verkauft. Eine einzige Bahn fährt heute noch – die Wassertalbahn. Sie erfüllt bis heute ihren ursprünglichen Zweck als Waldbahn für den Holztransport. Der Bahnbetrieb wird seit 2003 durch das private rumänische Unternehmen R.G. Holz Company durchgeführt, dem auch das Depotgelände und die meisten Lokomotiven und Wagen gehören. Nach wie vor in Staatsbesitz sind die Bahnstrecke und ein Großteil der Wälder im Wassertal.Händischer Holzverlad auf die Eisenbahnwagen, ...Händischer Holzverlad auf die Eisenbahnwagen, welche die Waldbahn aus dem Wassertal hinunter ins Sägewerk nach Oberwischau (Vişeu de Sus) bringt. Foto: Michael Schneeberger Seit 2005 verkehren von Dampfloks gezogene Personenzüge für Besucher. Von Anfang Mai und bis Mitte Oktober wird von Donnerstag bis Sonntag gefahren; in der Hochsaison (Anfang Juli bis Mitte September) sogar täglich. Sonderfahrten werden an Feiertagen – auch im Winter – sowie auf Bestellung geboten. Das Programm dieser Fahrten sowie weitere Informationen über die Bahn können – in mehreren Sprachen – im Internet abgerufen werden unter www.cffviseu.com.

Seit 2000 setzt sich ein Freundeskreis der Wassertalbahn von der Schweiz aus für den Fortbestand der Bahn ein. Mit seiner Hilfe wurden abgestellte Dampfloks in Betrieb genommen, neue Personenwagen beschafft, das Lokomotivdepot und das historische Bahnhofsgebäude restauriert u.a.m. Unter der Internetadresse www.wassertalbahn.ch finden sich Informationen über den Förderverein sowie Hinweise zu Gruppenreisen für Eisenbahnfreunde und zu Fotowochen. Ein Kalender sowie weitere Veröffentlichungen zur Wassertalbahn sind ebenfalls erhältlich.

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Schlagwörter: Siebenbürgen, Karpaten, Tourismus, Eisenbahn

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