22. April 2012

Zehn Jahre Ostermarkt in Bistritz: Jubiläumsfeier mit hochrangigen Gästen

Zehn Jahre Ostermarkt des Demokratischen Forums der Deutschen in Bistritz waren am 31. März ein guter Anlass, ein großes Jubiläum mit vielfältigen Veranstaltungen zu feiern. 2012 engagierte sich dabei die Stadtverwaltung unter Leitung von Bürgermeister Ovidiu Teodor Creţu in besonderem Maße mit ihren personellen und infrastrukturellen Ressourcen sowie beträchtlichen finanziellen Mitteln. Von der Lokalzeitung Mesagerul de Bistriţa-Năsăud als „Teil des Schatzes des religiösen und gemeinschaftlichen Lebens unserer sächsischen Mitbürger“ angekündigt, wurde es ein an Höhepunkten reiches Fest mit hochrangigen Gästen.
Traditionell begann der Ostermarkt mit einem Festgottesdienst in der eiskalten ev. Stadtpfarrkirche mit Landesbischof Reinhart Guib als Prediger (zweisprachig) und Stadtpfarrer Johann Dieter Krauss als Liturg. Nach dem bunten Aufmarsch der Kulturgruppen unter Führung der örtlichen Regimentsblaskapelle, die auch die rumänische, die deutsche und österreichische Hymne spielte, begrüßten Dr. Dorel Cosma, Kulturdirektor der Stadt Bistritz, und Eckehardt Zaig, Forumsvorsitzender des Nösnerlandes, auf der Zentralbühne in der Fußgängerzone nach dem Festgottesdienst Landesbischof Reinhart Guib, Michael Schwarzinger, Botschafter der Republik Österreich in Bukarest, Alfred Johannis vom Deutschen Generalkonsulat in Hermannstadt, Udo Pusching, Vertreter der Kärntner Landesregierung, Benjamin Józsa, Geschäftsführer des Demokratisches Forum der Deutschen in Siebenbürgen, Dr. Hans-Georg Franchy, Vorsitzender der HOG Bistritz-Nösen und Ehrenbürger der Stadt Bistritz, mit seinen Vorstandskollegen Horst Göbbel und Michael Weihrauch, Stadtpfarrer Johann Dieter Krauss, Thomas Hartig, Geschäftsführer des örtlichen Deutschen Forums.

Den ganzen Tag über wurden in der Fußgängerzone verschiedene Produkte der Volkskunst (Holz, Textilen, Keramik), vor allem mit Bezug zu den nahenden Osterfeiertagen angeboten. Am Ende einer traditionellen ökumenischen Andacht mit dem griechisch-orthodoxen, dem katholischen, dem griechisch-katholischen, einem freikirchlichen Seelsorger und Bischof Reinhart Guib sprachen die Geistlichen mit den vielen Anwesenden gemeinsam das Vaterunser in rumänischer, ungarischer und deutscher Sprache.
Geistliche auf der Bühne beim gemeinsamen ...
Geistliche auf der Bühne beim gemeinsamen Vaterunser – Landesbischof Reinhart Guib (3. von links) und Stadtpfarrer Hans-Dieter Krauss (4. von links). Foto: Florian Coșoiu
In den Grußworten einiger Ehrengäste wurde die Freude, dem Jubiläum beiwohnen zu dürfen, zum Ausdruck gebracht. Die österreichischen und deutschen Vertreter lobten zudem die grenzüberschreitende Begegnung und die Weiterführung deutscher Traditionen in Bistritz, Dr. Hans Franchy hob den großen Umfang der Feier bei dem Potenzial der wenigen hier noch lebenden Sachsen hervor. Bürgermeister Ovidiu Creţu – er trat aus diesem Anlass in sächsischer Tracht auf – begann sein Grußwort deutsch: „Herzlich willkommen zu Hause, liebe Freunde“. Nachdem er den Beitrag der Deutschen zum kulturellen Leben der Stadt und den Einsatz des Forums hervorgehoben hatte, rief er den Anwesenden zu: „Heute ist Bistritz eine sächsische Stadt. Wir sind heute hier alle Sachsen. Die Sachsen haben hier eine unsterbliche Kultur geschaffen. Mit dem neuen Aufzug, eben von Bischof Reinhart Guib eingeweiht, ist die ev. Kirche die einzige Kirche zwischen Moskau und Wien mit einem Aufzug.“ Anschließend überreichte er den Ehrengästen das neue städtische Maskottchen, das einen gekrönten Strauß mit goldenem Hufeisen im Schnabel aus dem alten sächsischen Wappen der Stadt Bistritz darstellt.

Der kulturelle Teil umfasste nach dem Aufmarsch der Blaskapelle „Harmonie“ des Deutschen Forums Bistritz Darbietungen der sächsischen Tanzgruppe „Regenbogen“ (Bistritz), diejenigen aus Sächsisch-Regen, aus Neumarkt und Schäßburg, den Chor „Edelweiß“ aus Câmpulung Moldovenesc, das „Duo Zwei“ aus Bacău, eine Musikband des Deutschen Staatstheaters aus Temeswar, das musikalische Ensemble „Sincron“ und die „Burgtrommler“ des Städtischen Kulturzentrums Bistritz.

In einem riesigen Zelt eröffnete Dr. Dorel Cosma in rumänischer und deutscher Sprache eine Ausstellung von Florin Coşoiu unter dem Titel „Sächsische Kirchenburgen und Traditionen“. Gegenüber der Fotoausstellung präsentierte das örtliche Landwirtschaftliche Bildungszentrum (hervorgegangen aus der ersten sächsischen Ackerbauschule in Siebenbürgen von 1870) raffiniert arrangierte traditionelle kulinarische Produkte aus den verschiedenen Gegenden des Kreises Bistritz-Nassod. Bürgermeister Creţu und Bischof Guib arbeiteten sich mit ihren Begleitern nur langsam durch die Schlemmermeile.

In der „ART Galerie“ eröffnete Thomas Hartig die Fotoausstellung „Siebenbürgen – süße Heimat“ von Toni und Hermine Pall aus Tekendorf. Er erinnerte dabei daran, dass es falsch sei, „von der sächsischen Gemeinschaft in der Vergangenheit zu sprechen. Wir sind noch hier, wir existieren noch als ca. 500 Menschen“. Dem sehr talentierten Fotografen Toni Pall sind vortreffliche Portraits der zur Zeit ältesten Siebenbürger Sachsen in ihren Wohnungen, in ihrem Alltag, mit ihren Erzählungen über vergangene Zeiten, mit ihrem Festhalten an der geliebten siebenbürgischen Heimat gelungen.

Das Kreismuseum bot zwei besondere Leckerbissen im Raum „Schätze“: Unter der Koordination von Prof. Dr. Cornel Gaiu wurden zwei bahnbrechende Bände in rumänischer Sprache von Dr. Volker Wollmann (ehemaliger Leiter des Siebenbürgischen Museums Gundelsheim) zum Thema „Das vorindustrielle und industrielle Erbe Rumäniens“, Honterus-Verlag Hermannstadt, vorgestellt. Ebenso präsentierte der Rotary-Club Bistritz-Nosa das zu einem erfolgreichen Ende geführte Restaurationsprojekt eines sehr wertvollen Kirchengestühls von 1508 aus der Stadtpfarrkirche.

Horst Göbbel

Schlagwörter: Bistritz, Ostermarkt, Jubiläum

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