21. Januar 2026

Kulinarik, Kultur und Gemeinschaft in Holzmengen

Das Wochenende am dritten Advent in der schmucken Harbachtalgemeinde Holzmengen kann man getrost unter die Schlagworte Kulinarik, Kultur und Gemeinschaft stellen. Die Idee einiger HOG-Vorsitzender, einen siebenbürgischen Wurstworkshop anzubieten, entstand schon vor einem Jahr und wurde nun im Dezember 2025 umgesetzt.
Kirchenburg in Holzmengen Foto: Rainer Lehni ...
Kirchenburg in Holzmengen Foto: Rainer Lehni
Am 12. Dezember 2025 war es so weit. Rund 40 interessierte Siebenbürger Sachsen aus Deutschland fanden sich in aller Herrgottsfrüh im Dorf ein, um zwei Schweine zu schlachten. Im Hof der alten Schule im Schatten der Holzmengener Kirchenburg waren zuerst die Herren am Werk. Brühen, Flämmen, Borsten beseitigen, Zerteilen war hauptsächlich Männeraufgabe. Alles wurde ganz nach herkömmlicher Weise, wie in Siebenbürgen üblich, durchgeführt. Unter der fachkundigen Leitung des Fleischermeisters Richard Binder ging die Arbeit erstaunlich schnell vonstatten. Bald waren auch viele Hände in der großen und gut ausgestatteten Küche am Werk, hier waren es jetzt hauptsächlich die Damen. Mehrere Stunden dauerte es, und es war schon wieder dunkel, als beide Schweine verwurstet waren. Traditionelle Bratwurst, Leberwurst, Grieben lachten den Teilnehmern entgegen. Vor Ort wurde für Mittag- und Abendessen frisches Fleisch zubereitet und auch eine herrliche Sülze.

Zusammen mit angereisten Gästen aus Hermannstadt von Kirche und Forum sowie den Helferinnen und Helfern aus dem Dorf war man zu einer größeren Gesellschaft angewachsen, egal ob Sachse oder Rumäne. Ilse Philippi, Rainer Lehni, Pfarrer Klaus-Martin Untch und der örtliche Vizebürgermeister Dr. Olimpiu Axente fanden anerkennende Worte für die Organisatoren des Ereignisses, dem ein richtiger Brückenschlag zwischen alter und neuer Heimat gelungen sei. Die rumänischen Dorfburschen überraschten die Gesellschaft mit traditionellen rumänischen „Colinde“, auch ein Zeichen besonderer Wertschätzung.
Nach dem Adventsgottesdienst in der Holzmengener ...
Nach dem Adventsgottesdienst in der Holzmengener Kirche mit Dechant Dietrich Galter, Rainer Lehni und Pfarrer Klaus Martin Untch. Foto: Heike Mai-Lehni
Der nächste Tag stand im Zeichen der kürzlich wiederbelebten evangelischen Kirchengemeinde Holzmengen. Nach einem Adventsgottesdienst mit Abendmahl, gestaltet von Pfarrer Klaus Martin Untch und Dechant Dietrich Galter, wählten die wahlberechtigten anwesenden Gemeindeglieder einen neuen Kirchenrat, Kurator Christian Schneider wurde einstimmig wiedergewählt. Beeindruckend war die Anzahl der Briefwähler, die an der Kirchenwahl teilgenommen haben, ein Indiz der besonderen Verbundenheit vieler Holzmengener zum Heimatort, selbst wenn man in Deutschland lebt. Im Zeichen der guten Zusammenarbeit stand auch der Abschluss eines Kooperationsabkommens zwischen Heimatortsgemeinschaft und Kirchengemeinde.

Ein besonderer Höhepunkt im weiteren Verlauf des Tages war der mittlerweile traditionelle Weihnachtsmarkt, der vom Jugendbegegnungszentrum/CEPIT-Verein aus Holzmengen und dem Siebenbürgenforum im Hof des ehemaligen Pfarrhauses und rund um die Kirchenburg veranstaltet wurde. Vor ein paar Jahren noch ein richtiger Geheimtipp, hat sich dieser Weihnachtsmarkt zu einem besonderen Anziehungspunkt entwickelt. Das zeigten die zahlreichen Gäste, die aus allen Teilen des südlichen Siebenbürgens angereist waren. Die Stände mit Lebkuchen von der evangelischen Kirchengemeinde Hermannstadt, Bio-Produkte aus Kerz, Kupferwaren der Roma aus Pretai, Handwerkvorführungen, um nur einige Angebote zu nennen, waren sehr gut besucht. Mit einem Glühwein konnte man sich innerlich aufwärmen, äußerlich auch am Lagerfeuer im Hof des Pfarrhauses. Eine kleine Prozession zur lebenden Krippe im äußeren Mauergürtel der Kirchenburg war ebenfalls ein besonderes Erlebnis, das mit „Stille Nacht“ in vier Sprachen (Deutsch, Rumänisch, Ungarisch, Englisch) einen würdigen Abschluss fand. Nicht unerwähnt bleiben sollen das Colinde-Konzert der rumänischen Dorfbevölkerung im Hof des Pfarrhauses und das Konzert des Agnethler Harbachtalchores in der übervollen evangelischen Kirche mit Weihnachtsliedern in deutscher, englischer, ungarischer oder schwedischer Sprache.
Die „Workshop“-Gruppe nach dem Weihnachtskonzert ...
Die „Workshop“-Gruppe nach dem Weihnachtskonzert in der Hermannstädter Stadtpfarrkirche vor der Stolzenburger Orgel. Foto: Heike Mai-Lehni
Das Wochenende in Holzmengen war für die angereisten Teilnehmer aus Deutschland ein besonderes Erlebnis, das am dritten Adventsonntag in Hermannstadt gemeinsam abgeschlossen wurde. Nach einem Rundgang über den Weihnachtsmarkt auf dem Großen Ring genoss man in der evangelischen Stadtpfarrkirche die Aufführung des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach durch den Hermannstädter Bach-Chor.

Ein herzlicher Dank geht an die Heimatortsgemeinschaften Holzmengen (Vorsitzender Thomas Schneider), Hundertbücheln (Vorsitzender Hermann Ongert), Großau (Vorsitzende Dagmar Baatz) und Tobsdorf (Vorsitzende Heike Mai-Lehni), die in Kooperation mit der Landesgruppe NRW des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland diesen Workshop umgesetzt haben. Ganz besonders sei aber Thomas Schneider, Helmut Krauss, Hans Grommes und Christian Schneider gedankt, die den größten Teil der Organisation vor Ort hervorragend gemeistert haben. Wir haben uns alle in Holzmengen zuhause gefühlt.

Rainer Lehni

Schlagwörter: Holzmengen, Workshop, Kirchengemeinde

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