4. Juli 2007

Martin Barthelmie: De Kommission

Für die Rubrik „Sachsesch Wält“ der Siebenbürgischen Zeitung wurden uns aus dem Nachlass von Martin Barthelmie die beiden Gedichte in Heldsdorfer Mundart zugeschickt, die wir heute veröffentlichen. Barthelmie thematisierte in Versform vor allem das Schicksal der Menschen, die vom Krieg hin- und hergeworfen worden sind.
E Foaildhues läf woat git et, woat huet et,
doatt em schear och de Zang eräusheng;,
et wår, esoi far det Aigelecht reucht,,
nichen Hand, niche Jajer zem sen.

En oailder Back, doi sauch end freïcht:,
„Bas ta auffig, esoi ze rannen?,
Oawer walls te diëttmol abeduoint,
mat dem Ijjel de Wet gewannen?“

Droaf impfert der Hues: „Et as en Kommission,
vun der sozialer Veirsuorch kunn –,
em jeden, doi dråi Oihren huet,,
diëm schnedden dei eunt dervun.“

„Ta hues jou nuor zpeï – woat läufs ta drou,
mat nuoinzig schear oaf de Stand?,
Woat bas te esoi oafgereïcht?,
Te hues jou derzea nichen Grand!“

„Esoi duecht uch ech, oawer et as net esoi,,
am dåt ban ech jou entsoatzt;,
dïess schnedden det oischt der eunt dervun,,
drou ziëhle se, wävel te hoas.“

Ein zweites, humoristisches Gedicht von Barthelmie ist ohne Titel überliefert. Man könnte es mit der Anfangszeile überschreiben:

„Es waren in Kronstadt zwei Zeitungsschreiber ...“

Et wuorden a Kroinen zpoin Zeddungsschreuwer,,
dei kannte sich net ledden;,
mehr wunnoi och mehr wou sei sich traufen,,
fenge se sich un ze stredden.,
Nicher gauw nou, se krische sich äus,
end zarte sich wei de Bluoinden;,
dei Weurter, dei derbei feallen, dei kainn em,
a nichem Lexikon fuoinden.

Emol – doatt se wïedder getedicht hoatten,
an anirem äflichen Ton,,
sot eaner ke gïennen: „Da schaindijet Oos,,
hoir geat zea, woat ech dir na son.

Ech käufen denn Zeddung en jeden Dauch,,
gohn an det Abuort oawer drou,
end woaschen – wunn ech de Soach vricht hun –,
te kais der schoin dinken, wou.“

Der ainder, dåt wår esoi e Meinsch,,
doi net garen äst schaldig bleuwt.,
„Am dåt“, impfert hoi, „hues ta am Buoddem,
moi Verstaind wei am Häuft“.

Martin Barthelmie wurde am 21. Mai 1917 in Heldsdorf geboren, wo er nach der Volksschule in der väterlichen Schmiede arbeitete. Zum rumänischen Militär einberufen, kam er in die Bukowina und wurde von dort 1940 mit der deutschen Bevölkerung nach Deutschland umgesiedelt. Hier erhielt er die deutsche Staatsbürgerschaft, um gleich darauf im Rahmen der Wehrmacht in Russland, Italien und zuletzt auf dem Balkan eingesetzt zu werden, wo er in serbische Gefangenschaft geriet. 1947 gelang ihm die Flucht. Auf abenteuerlichen Wegen gelangte er in die Heimat. Als deutschem Staatsbürger drohte ihm Gefahr, und so lebte er zwei Jahre verborgen auf dem Gut der Familie Lahovari. Erst 1949 konnte er sich bei den Behörden melden und begann, als Schlosser in den Kronstädter Traktorenwerken zu arbeiten. Wegen seiner Weigerung, der Partei beizutreten, blieben ihm beruflicher Aufstieg und Studium verwehrt.

Als Autodidakt erwarb er sich eine umfassende Allgemeinbildung, malte, schrieb Gedichte in deutscher Sprache und Mundart, übersetzte auch aus dem Rumänischen (Marin Sorescu und George Coşbuc). 1984 übersiedelte er nach Deutschland, wo er am 10. März 2004 verstarb.

Hanni Markel und Bernddieter Schobel

(gedruckte Ausgabe: Siebenbürgische Zeitung, Folge 10 vom 30. Juni 2007, Seite 8)

Schlagwörter: Mundart, Burzenland

Bewerten:

2 Bewertungen: ++

Noch keine Kommmentare zum Artikel.

Zum Kommentieren loggen Sie sich bitte in dem LogIn-Feld oben ein oder registrieren Sie sich. Die Kommentarfunktion ist nur für registrierte Premiumbenutzer (Verbandsmitglieder) freigeschaltet.