19. März 2011

Zum Tod des Dinkelsbühler Altbürgermeisters Dr. Friedrich Höhenberger

Am 5. März verstarb Altbürgermeister Dr. Friedrich Höhenberger in Dinkelsbühl, einen Tag vor seinem 86. Geburtstag. Der Verstorbene war Brauerei-Ingenieur und schon in jungen Jahren politisch engagiert. Von 1956 bis 1993 war er Mitglied des Stadtrates der Stadt Dinkelsbühl, von 1961 bis 1967 deren Erster Bürgermeister. In seiner Amtszeit erlebte Dinkelsbühl wirtschaftliche Erweiterung, Ausbau der kommunalen Einrichtungen und Fortschritte in der Altstadtsanierung.
Eine große Trauergemeinde nahm am 10. März Abschied von Dr. Friedrich Höhenberger und geleitete den Verstorbenen zu seiner letzten Ruhestätte auf dem Friedhof der Stadt. Für den Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland nahm dessen Ehrenvorsitzender Dr. Wolfgang Bonfert an den Trauerfeierlichkeiten teil und sprach für die Siebenbürger Sachsen die Abschiedsworte.

Dr. Friedrich Höhenberger war für uns Siebenbürger Sachsen nicht nur der Erste Bürgermeister der Stadt unserer Heimattage. Er war vielmehr auch ein Freund und Förderer sowohl der Landsleute, die sich in Dinkelsbühl Im Hoffeld ansiedelten und sich in das Leben der Stadt integrieren wollten, als auch für die Siebenbürger Sachsen insgesamt. Als Mitte der 60er Jahre Vorstellungen entwickelt wurden, in Dinkelsbühl, weil dies in der alten Heimat nicht möglich war, eine zentrale Gedenkstätte für die Toten zweier Weltkriege und schwerer Nachkriegsjahre zu errichten, unterstützte er das Vorhaben und bot die Lindenallee an der westlichen Stadtmauer als einmalig schönen Standort an. Er ermöglichte es auch, dass die Glocke der Heimat, die mit ihrem vollen Klang seitdem die feierlichen Veranstaltungen an der Gedenkstätte begleitet, dort im Berlins-Turm untergebracht werden konnte. Bei der Einweihung der von Volkmar Fromm initiierten, von Hans Wolfram Theil und Hanne Schorp-Pflumm gestalteten, von der Landsmannschaft, der Stadt Dinkelsbühl und zahlreichen Spendern getragenen Gedenkstätte am 14. Mai 1967 bekundete der Erste Bürgermeister Dr. Friedrich Höhenberger in seiner Ansprache, er sei glücklich und stolz über das gelungene gemeinsame Werk und darüber, dass diese Gedenkstätte Siebenbürger Sachsen und Dinkelsbühler durch ihren Standort in der Stadt noch enger verbinde. Durch einen Handschlag mit dem in diesem Fall die vier landsmannschaftlichen Vereinigungen in Deutschland, Österreich, Kanada und USA repräsentierenden Bundesvorsitzenden Erhard Plesch, nahm er dann die Gedenkstätte offiziell in die Obhut der Stadt Dinkelsbühl.

Die Unterstützung beim Erwerb eines „Siebenbürgerhauses“ nahe dem Segringer Tor und die Schaffung der Möglichkeit des Auslegens der „Gedenkbücher der Siebenbürger Sachsen“ in einer Kapelle ebendort sind weitere Belege für das Engagement des Ersten Bürgermeisters Dr. Höhenberger.

Dr. Friedrich Höhenberger wurde zu Pfingsten 2001 ...
Dr. Friedrich Höhenberger wurde zu Pfingsten 2001 mit der Stephan-Ludwig-Roth-Medaille des Verbandes der Siebenbürger Sachsen ausgezeichnet. Foto: Josef Balazs
Alle, die mit ihm zu tun hatten, schätzten seine unkomplizierte Art der Zusammenarbeit, sein Einfühlungsvermögen auch bei sensiblen Entscheidungen und seine offene menschliche Kontaktbereitschaft. So luden Dr. Höhenberger und seine Frau Elisabeth zu Pfingsten Vertreter der Landsmannschaften und die am Heimattag geladenen Ehrengäste zu sich in ihr gastliches Haus, in dem man sich wohl fühlte und ausgiebige Gespräche miteinander führen konnte.

Das engagierte Verhältnis zu den Siebenbürger Sachsen behielt Dr. Höhenberger auch über seine Amtszeit als Erster Bürgermeister Dinkelsbühls hinaus. Immer wieder nahm er in den letzten vier Jahrzehnten an Veranstaltungen der Heimattage teil und unterhielt sich gerne über die jeweils aktuellen Vorgänge und Entwicklungen der heimatpolitischen Bereiche. So blieb er ständig in Kontakt mit „seinen“ Siebenbürger Sachsen.

Mit seiner fördernden Begleitung der landsmannschaftlichen Arbeit, seinem Einsatz zur Integration von Siebenbürger Sachsen in Dinkelsbühl, seinem Mitwirken und Gestalten der Errichtung der zentralen Gedenkstätte, wozu auch der Berlin-Turm, das „Siebenbürgerhaus“ und die Ausstellung der Gedenkbücher zählen, der partnerschaftlichen Begleitung der Heimattage wie auch durch seine menschlich offene und herzliche Kontaktnahme hat Dr. Friedrich Höhenberger schon früh den Grundstein für die am 25. Mai anlässlich des Heimattages 1985 offiziell besiegelte Partnerschaft zwischen der Stadt Dinkelsbühl und den Siebenbürger Sachsen gelegt.

In Anerkennung seiner Verdienste und seiner Verbundenheit mit den Siebenbürger Sachsen wurde der Altbürgermeister Dr. Friedrich Höhenberger zu Pfingsten 2001 vom damaligen Bundesvorsitzenden Volker Dürr mit der „Stephan-Ludwig-Roth-Medaille“ ausgezeichnet, eine Ehrung, wie sie für Persönlichkeiten, die sich um den siebenbürgisch-sächsischen Volksstamm in besonderer Weise und über längere Zeit verdient gemacht haben, vorbehalten ist.

Nun haben wir von dem verdienstvollen ehemaligen Ersten Bürgermeister der Stadt Dinkelsbühl Dr. Friedrich Höhenberger Abschied nehmen müssen, von einem aktiven Mann und Freund der Siebenbürger Sachsen. Unser Mitgefühl gilt der Familie des Verstorbenen, besonders seiner Gattin Elisabeth und seinen Söhnen Michael und Robert. Wir Siebenbürger Sachsen werden Dr. Friedrich Höhenberger in der Erinnerung stets treu verbunden bleiben und ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Dr. Wolfgang Bonfert

Schlagwörter: Dinkelsbühl, Nachruf, Porträt, Wolfgang Bonfert

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