20. Juni 2011

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Burzenland, oh du Heimaterde!

Mit der Überschrift „Das Burzenland in Sagen und Liedern“ war die Brauchtumsveranstaltung des Heimattages 2011 einem der Jubiläen, die in diesem Jahr begangen werden, gewidmet: 800 Jahre Burzenland. Die Veranstaltung fand am Pfingstsamstag, dem 11. Juni, um 16 Uhr in der Schranne in Dinkelsbühl statt und wurde vom Jugendbachchor aus Kronstadt, einer Zeidner Bläsergruppe, dem Zeidner Gesangstrio sowie zwei Vorlesern gestaltet. Konzeption und Leitung lagen bei Enni Janesch und Annette Königes.
Das „Burzenland“-Lied des Weidenbacher Komponisten Rudi Klusch (Text und Musik), das am Anfang vom Jugendbachchor und am Schluss vom gesamten Publikum gesungen wurde, bildete nicht nur musikalisch, sondern auch stimmungsmäßig den Rahmen der Veranstaltung. Stets war die Erinnerung einer schönen Heimat gegenwärtig: „Burzenland, du wunderschönes Heimatland, wo der Königstein schaut tief ins Tal hinein“, während die Leinwand einen herrlichen Blick über die Burzenländer Ebene zeigte. Es war, als hörte man „die Wälder rauschen“, sah, wie „die Täler grün“. Was Russlanddeportierten so schmerzlich war: „Sollt ich dich einst nimmer wieder sehen“, gilt für die Überlebenden und ihre Nachkommen in diesem Sinne heute Gott sei Dank nicht mehr. Dennoch teilten wir in Dinkelsbühl das Gefühl: „So weit von dir“, und sangen mit Inbrunst mit: „Burzenland, oh du Heimaterde! Du mein allerliebstes Plätzchen auf der Welt“. Das Zeidner Gesangstrio (von links: Annette ...Das Zeidner Gesangstrio (von links: Annette Königes, Effi Kaufmes und Diethild Meier) gestalteten die Brauchtumsveranstaltung in der Schranne mit. Foto: Siegbert Bruss Bundesfrauenreferentin Enni Janesch begrüßte die stellvertretenden Bundesvorsitzenden Doris Hutter und Rainer Lehni und als besonders geschätzten Gast den Vorsitzenden des Deutschen Forums in Kronstadt, Wolfgang Wittstock, sowie den Vorsitzenden der Regionalgruppe Burzenland des Verbandes der Siebenbürgisch-Sächsischen Heimatortsgemeinschaften, Karl-Heinz Brenndörfer.

Annette Königes, Kulturreferentin der Zeidner Nachbarschaft und Mitgestalterin der Veranstaltung, begrüßte ganz herzlich den Jugendbachchor aus Kronstadt. Im Blick auf die Zeidner Bläsergruppe erläuterte sie, wie hier unter der Leitung von Reinhard Göbbel junge Musikanten unter kurzfristigen Bedingungen zu einer beachtlichen Formation zusammengeführt werden konnten. Die Mitglieder des 2005 gegründeten Zeidner Gesangstrios, Effi Kaufmes, Diethild Meier und Annette Königes, haben es sich zum Ziel gesetzt, alte, zum Teil vergessene Lieder zu neuem Leben zu erwecken. Tragisch war, was Annette Königes über die Entstehung des Liedes „Das Dorf im Burzenland“ zu berichten hatte: Der Zeidner Rudolf Gross schrieb die Worte zu diesem Lied während seiner Deportation nach Russland. 1947 starb er dort im Alter von nur zwanzig Jahren. Sein geliebtes Dorf im Burzenland hat er nicht wieder gesehen. Hans Mild vertonte das Gedicht später und verhalf ihm so zu seiner Popularität.



Steffen Schlandt, der Leiter des von seinem Vater Eckart Schlandt gegründeten Jugendbachchors, berichtete über das inzwischen abgeschlossene Projekt, als Beitrag zum 800-jährigen Burzenland-Jubiläum das Heimatlied jeder Burzenländer Gemeinde vom Chor singen zu lassen. Unter dem Titel „Wo der Königstein schaut tief ins Tal hinein. Heimatlieder aus dem Burzenland“ ist die brandneue CD für 10 Euro bei Annette Königes, Gruithuisenstraße 4, 80997 München, erhältlich. In diesem Zusammenhang erzählte Schlandt eine Anekdote, die das Publikum bewegte: Als für Rosenau kein Heimatlied gefunden werden konnte, fragte man unter anderem auch bei dem aus Rosenau gebürtigen Schriftsteller Hans Bergel nach. Seine Antwort: „Ich kenne auch keines. Aber ich kann eins dichten.“ Auf eine Weise seines Bruders Erich Bergel schrieb er einen Text, der nun in Dinkelsbühl als Rosenauer Heimatlied seine Deutschlandpremiere erlebte (siehe auch Bericht von Heinz Acker in der Siebenbürgischen Zeitung Online vom 18. Juni 2011).



Nach einem Volksliederpotpourri (Arrangement Reinhard Göbbel) der Zeidner Bläsergruppe und den Liedern „Mein Heimatland“ (R. Klusch, Arr. H. Acker) sowie „Um Matteuchstoen“ (R. Kraus, Arr. H. Acker), gesungen vom Zeidner Gesangstrio, trugen Effi Kaufmes und Reinhard Göbbel im Wechsel Sagen aus den einzelnen Burzenländer Gemeinden vor. Die Zuhörer wurden dabei auf eine imaginäre Reise mitgenommen, die im Norden bei Nußbach begann, durch alle Dörfer des Burzenlandes führte und in Schirkanyen im Westen zu Ende ging. In manchen Sagen tauchte die schwere Vergangenheit des häufig durch kriegerische Einfälle heimgesuchten Burzenlandes auf, wenn etwa von gelungener Überlistung des Feindes berichtet wurde. „Bei Marienburg“ (J. L. Hedwig, R. Lassel), das Lied, das an die 1612 dort gefallenen jungen Sachsen erinnert, wurde vom Jugendbachchor gesungen.

Während des Vortrags der Ortssagen und Lieder wurde auf einer Großleinwand je ein repräsentatives Bild der jeweils thematisierten Gemeinde gezeigt. In jedes Bild hatte Erwin Kraus, der für die Bildpräsentation zuständig war, das Wappen der Heimatgemeinschaft des Ortes eingearbeitet, so, wie es in die Ostdeutsche Wappenrolle aufgenommen worden ist und im „Burzenländer Heimatkalender 2011“ vorgestellt wurde.

Weitere musikalische Einlagen boten die Zeidner Bläsergruppe mit dem „Bändertanz“ und „Recklich Meed mät Kirschenuģen“ sowie das Zeidner Gesangstrio mit „Eaos Zäöden“ (R. Kraus) und dem schon erwähnten „Das Dorf im Burzenland“ (R. Gross, H. Mild).

Dass sich das Publikum beim gemeinsamen Singen des „Burzenland“-Liedes – wie beim Singen einer Hymne – spontan von seinen Plätzen erhob, zeigt, wie sehr es den Darbietenden gelungen war, unser Burzenland in den Herzen der Zuhörer lebendig werden zu lassen.

Voll des Lobes für das Gehörte und Gesehene war die Stellvertretende Bundesvorsitzende Doris Hutter, die im Namen des Verbandes der Siebenbürger Sachsen allen am Zustandekommen dieser Brauchtumsveranstaltung Beteiligten dankte. Sie schloss mit den Worten: „Ich bin stolz, für diese Veranstaltung danken zu können, in der die Burzenländer sich so wunderbar dargestellt haben.“ Damit hat sie wohl allen Anwesenden aus dem Herzen gesprochen.

Bernddieter Schobel


Bildergalerie auf www.siebenbuerger.de:

Brauchtumsveranstaltung "Burzenland in Sagen und Liedern" in Dinkelsbühl

Schlagwörter: Heimatag 2011, Brauchtum, Burzenland

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