12. März 2020

Bundesvorstand tagte in München: Initiativen zur Stärkung des Verbandes

Alle Planungen für den Heimattag werden in bewährter Weise fortgeführt. Die Siebenbürger Sachsen werden ihren 70. Heimattag vom 29. Mai bis 1. Juni in Dinkelsbühl abhalten, solange es keine gegenteiligen behördlichen Anordnungen wegen des Coronavirus gibt. Diese Handlungslinie verfolgt der Bundesvorstand, der seine Frühjahrssitzung am 7. März in München abhielt. Erörtert wurden neben der Planung des Heimattags und anderer kultureller Aktivitäten auch Themen wie Mitgliederentwicklung, Fremdrenten und Neues aus Rumänien.
Der neue Bundesvorsitzende Rainer Lehni begrüßte im Haus des Deutschen Ostens (HDO) in München namentlich Friedrich Gunesch, Hauptanwalt der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, Thomas Șindilariu, stellvertretender Vorsitzender des Siebenbürgenforums, die Ehrenvorsitzende Herta ­Daniel und die anderen Bundesvorstandsmitglieder, die fast vollzählig erschienen waren. Da sich der Veranstaltungsraum in der Bundesgeschäftsstelle in der Karlstraße in den letzten Sitzungen als zu klein erwiesen hatte, wich der Bundesvorstand erstmals ins HDO aus.

Die Initiativen für Rentengerechtigkeit wird der Bundesvorstand fortsetzen. Rainer Lehni berichtete über die Multiplikatorenkonferenzen zum Thema Fremdrente, zu denen die Verbände der Siebenbürger Sachsen, Banater Schwaben und Russlanddeutschen nach München, Kaufbeuren und Neu-Ulm eingeladen hatten. Der Bundesaussiedlerbeauftragte Dr. Bernd Fabritius informierte dabei über aktuelle Entwicklungen zur Beseitigung der Benachteiligungen für Aussiedler und Spätaussiedler in der gesetzlichen Rentenversicherung (lesen Sie einen Artikel zu diesem Thema in der morgigen SbZ Online). Rainer Lehni vertrat den Verband bei der Veranstaltung am 17. Februar in München. Er zeigte sich „verhalten optimistisch“, dass die Rentenfrage, die nun im Koalitionsausschuss der Bundesregierung erörtert werden soll, zugunsten der Aussiedler entschieden werde.
Der Bundesvorstand tagte unter dem ...
Der Bundesvorstand tagte unter dem Bundesvorsitzenden Rainer Lehni (vorne in der Mitte) erstmals im Haus des Deutschen Ostens. Foto: Siegbert Bruss
Der Verband der Siebenbürger Sachsen wirbt selbstbewusst um neue Mitglieder. „Eine vitale und zukunftsorientierte Gemeinschaft“, titelte der Bundesvorsitzende seine Weihnachtsbotschaft in der Siebenbürgischen Zeitung. Mit der Folge 3 vom 25. Februar 2020 erhielten alle Mitglieder je eine Beitrittserklärung mit der Aufforderung, sie in ihrem Familien- und Freundeskreis weiterzugeben. In dem begleitenden Artikel „Die Siebenbürger Sachsen eine starke Gemeinschaft“ verdeutlichte der Bundesvorsitzende die vielseitigen Leistungen des Verbandes, die den Mitgliedern zugutekommen.

Mitgliederwerbung als hohe Priorität zur Stärkung des Verbandes

Die Notwendigkeit, neue Mitglieder zu werben, ergibt sich aus der Mitgliederentwicklung des Verbandes, die der stellvertretende Bundesvorsitzende Michael Konnerth anhand von Graphiken und Statistiken anschaulich präsentierte. Obwohl der Verband jährlich etwa 500 neue Mitglieder gewinnt, verliert er unterm Strich Jahr für Jahr etwa 350 zahlende Mitglieder. Der Verband hat zurzeit 18.860 zahlende Mitglieder und 561 SJD-Mitglieder. Wenn man die Familienmitglieder hinzurechnet, sind das genau 30.004 Gesamtmitglieder. Unter der Leitung des stellvertretenden Bundesvorsitzenden Dr. Andreas Roth wurde nun eine Arbeitsgruppe im Bundesvorstand gebildet, die bereits bestehende Erfahrungen, aber auch neue Ideen sammeln und zu einer Strategie zusammenführen soll. „Wir werden das Thema Mitgliederwerbung künftig in jeder Bundesvorstandssitzung und in den Tagungen der Kreisgruppenvorsitzenden besprechen“, kündigte Rainer Lehni an.

Die beste Mitgliederwerbung sind gute, sichtbare Leistungen – und dazu gehört auch die Siebenbürgische Zeitung (SbZ), die erstmals vor 70 Jahren, im Juni 1950, erschien. Die Öffnung der SbZ hin zur modernen Technik, der Internetauftritt www.siebenbuerger.de, die begeisterte Teilnahme von Jung und Alt am Heimattag oder Sachsentreffen, die Initiativen zur Sicherung des siebenbürgischen Kulturzentrums auf Schloss Horneck – das alles hat dem Verband viel Lob und einen Imagegewinn gebracht. Der Verband, der früher eher auf sich selbst konzentriert war, hat seinen Wirkungskreis im Laufe der Jahre erweitert. Öffentlichkeitsarbeit, bewusstes Werben in eigener Sache, Vernetzung mit siebenbürgischen Partnerorganisationen, Kooperation mit Behörden spielen eine immer größere Rolle. Die Siebenbürger Sachsen gestalten das gesellschaftliche Leben viel bewusster mit. Das zeigen, neben der Wiederwahl von Rumäniens Staatspräsident Klaus Johannis, auch die vielen Landsleute, die sich bei den Kommunalwahlen am 15. März 2020 in Bayern engagieren (die Kandidaten wurden in der SbZ Online vom 27. Februar und 28. Februar 2020 vorgestellt).

Berichte aus Siebenbürgen

Hauptanwalt Friedrich Gunesch berichtete über die Aktivitäten der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien (EKR). Rund 11500 Seelen zählt die Heimatkirche, darunter 900 Vollmitglieder (im Sonderstatus), die in Deutschland leben und ihre Heimatorte nicht nur moralisch, sondern auch oft durch ihre Präsenz und Tatkraft vor Ort unterstützen. Mehrere Kirchenburgen werden durch EU-Projekte renoviert, wobei es schwierig sei, gute Baufirmen zu finden. Zur Konsultation lädt die EKR die siebenbürgischen Einrichtungen für den 22. März 2020 nach Stuttgart ein.

Das zweite große Sachsentreffen unter dem Motto „Brukenthal lädt ein!“ wird für August 2021 in Hermannstadt geplant. Vorerst findet das 30. Sachsentreffen am 19.-20. September 2020 in Großau statt. Thomas Șindilariu berichtete über das kommunalpolitische Engagement des Deutschen Forums, das sich mit eigenen Akzenten in das Gemeinschaftsleben des Landes einbringt. Șindilariu wurde in einer Versammlung des Kronstädter Ortsforums als Bürgermeisterkandidat nominiert (siehe Meldung in der SbZ Online).

Jubiläen des Verbandes und der Medien

Sehr viel Zeit und Energie widmen die Mitglieder des Bundesvorstandes der Vereinsarbeit auf allen Ebenen. Die Landesgruppe Baden-Württemberg feierte ihr 70-jähriges Bestehen mit einem großen Fest am 30. November 2019 in Heilbronn. Das gleiche Jubiläum wird die Landesgruppe Hessen am 2. Oktober im Landtag in Wiesbaden und am 17. Oktober 2020 in Neu-Isenburg begehen.

Die geplanten Projekte der kulturellen Breitenarbeit stellte Bundeskulturreferentin Dagmar Seck vor, die auch federführend die Veranstaltungen zum 70-jährigen Jubiläum der Siebenbürgischen Zeitung betreut. Dazu gehören eine Ausstellung und die Podiumsdiskussion beim Heimattag in Dinkelsbühl sowie zwei Veranstaltungen im kommenden Herbst in München: ein „Tag der offenen Tür“ in der Bundesgeschäftsstelle in München und eine Podiumsdiskussion zusammen mit dem Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas (IKGS).

Gleich mehrere Jubiläen begeht in diesem Jahr der Internetauftritt des Verbandes, betonte Internetreferent Robert Sonnleitner. Siebenbuerger.de besteht seit 20 Jahren, ist seit zehn Jahren auf Facebook und YouTube sowie seit fünf Jahren auf Instagram aktiv. Angesichts der technischen Entwicklungen der letzten Jahre sei es nötig, die Struktur und Funktionalität der Seite neu zu gestalten. Der Bundesvorstand hat die dafür nötigen Mittel schon im Umlaufverfahren genehmigt: Der Relaunch der Webseite www.siebenbuerger.de soll schon vor Pfingsten 2020 durchgeführt werden, zwölf Jahre nach der letzten großen Umstellung der Webseite.

Jugend startet Initiative für Kreisgruppen

Die Jugend will künftig stärker mit den Kreisgruppen zusammenarbeiten. Fabian Kloos, Bundesjugendleiter der Siebenbürgisch-Sächsischen Jugend in Deutschland (SJD), präsentierte ein Angebot der SJD an die Kreisgruppen: Für deren Veranstaltungen möchte die SJD auf ihren eigenen Plattformen werben, um Jugendliche zu gewinnen, bittet aber im Gegenzug, den jungen Leuten Nachlässe beim Eintrittspreis zu gewähren.

Welche Fördermöglichkeiten gibt es für kulturelle und verständigungspolitische Maßnahmen auf Bundes- und Länderebene? Über dieses Thema wird sich eine Arbeitsgruppe des Bundesvorstandes unter der Leitung von Wilhelm Beer austauschen. Die Informationen sollen gebündelt und den Untergliederungen des Verbandes zur Verfügung gestellt werden.

Siebenbürgische Einrichtungen arbeiten eng zusammen

Der Verband der Siebenbürger Sachsen wird die Carl Wolff Medaille künftig gemeinsam mit der Carl Wolff Gesellschaft, dem Siebenbürgischen Wirtschaftsclub in Deutschland, vergeben. Der Vorschlag, der vom CWG-Vorsitzenden Reinhold Sauer eingebracht wurde, wurde vom Bundesvorstand mehrheitlich befürwortet.

Dr. Berthold Köber, Vorsitzender der Gemeinschaft Evangelischer Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben, der die Sitzung mit einer Andacht eröffnet hatte, lud zur Mitarbeit am Jahrbuch 2021 ein. Der beliebte Hauskalender wird dem Schwerpunktthema „30 Jahre seit dem Umbruch von 1989/1990“ gewidmet sein.

Dr. Konrad Gündisch, Vorsitzender des Siebenbürgischen Kulturzentrum „Schloss Horneck“ e.V., dankte für die Spendenaktion „Zimmereinrichtung für Schloss Horneck“, die sehr erfolgreich gelaufen sei. Noch drei Zimmer warten auf Sponsoren, um möbliert zu werden. Nach umfangreichen Bauarbeiten wird das Siebenbürgische Kulturzentrum „Schloss Horneck“ am 10.-11. Juli 2020 mit einem großen Fest eröffnet, wobei der Verband der Siebenbürger Sachsen Mitveranstalter ist. Konrad Gündisch bat die siebenbürgischen Organisationen, ihre Anfragen für Seminare und Begegnungen direkt an den Schlossverein zu richten. Dieser Einladung kam der Bundesvorstand postwendend nach: Die Herbstsitzung ist für den 7. November auf Schloss Horneck geplant.

Mit einem kleinen Sektempfang verabschiedete sich Erhard Graeff, langjähriger Bundesgeschäftsführer und Schriftführer des Verbandes der Siebenbürger Sachsen, von seinen Kollegen im Bundesvorstand.

Siegbert Bruss

Bildergalerie: Bundesvorstand hielt seine Frühjahrssitzung im Haus des Deutschen Ostens in München ab

Schlagwörter: Verband, Bundesvorstand, Mitgliederwerbung, Rainer Lehni, Rente, Heimattag 2020, Schloss Horneck, Siebenbürgische Zeitung, Siebenbuerger.de

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