10. Juni 2020

Digitaler Heimattag 2020: Im Geist des Pfingstfestes innovativ in der Krise

Dinkelsbühl/Internet – Die Kamera streift über die Dächer Dinkelsbühls, zoomt rasant auf die Lindenallee der Alten Promenade. Zum Geläut der Kirchenglocken schreitet ein Zug von 15 Personen in Tracht, an der Spitze die beiden Kranzträger, zur Gedenkstätte der Siebenbürger Sachsen. Nora Engelhard, Bürgermeisterin der Stadt Dinkelsbühl, und Bundesvorsitzender Rainer Lehni treten an den niedergelegten Kranz heran, zupfen die blau-roten Bänder zurecht, verbeugen sich ehrfürchtig. Einen Wimpernschlag Nachhallen, dann verstummen die Glocken.
Eröffnung des Digitalen Heimattages 2020 an der ...
Eröffnung des Digitalen Heimattages 2020 an der Gedenkstätte der Siebenbürger Sachsen in Dinkelsbühl: Die Veranstaltung konnte nur dank einer Ausnahmegenehmigung des Landratsamtes Ansbach stattfinden. Foto: Heike Mai-Lehni
Den Digitalen Heimattag 2020 eröffnet der Bundesvorsitzende Rainer Lehni mit seiner Ansprache. „Pfingsten ohne Heimattag. Das geht ja gar nicht.“ Daher hätten sich die Verantwortlichen des Verbandes vor einigen Wochen entschieden, der Corona-Pandemie zu trotzen und den heuer geplanten 70. Heimattag kurzerhand ins Internet zu verlegen und am Pfingstwochenende vom 29. bis 31. Mai digital durchzuführen. Gemäß dem Heimattagsmotto „Zuhause und doch verbunden“ könne man zuhause an den Bildschirmen, Smartphones oder Fernsehern gute zwei Tage lang ein buntes Programm erleben, so Lehni. Freilich werde die persönliche Begegnung in diesen Zeiten von sozialer Distanz fehlen.
Bundesvorsitzender Rainer Lehni spricht bei der ...
Bundesvorsitzender Rainer Lehni spricht bei der Eröffnung des Digitalen Heimattages 2020. Foto: Hermann Depner
Der Bundesvorsitzende erinnerte an die (im Corona-Jahr) 2020 zu begehenden besonderen Jubiläen, allen voran das 70-jährige Bestehen der Siebenbürgischen Zeitung, die seit Juni 1950 bis heute „für uns regelmäßig über alles rund um Siebenbürgen und die Siebenbürger Sachsen“ berichte. Die vor 20 Jahren ins Leben gerufene Internetpräsenz unseres Verbandes, www.siebenbuerger.de, „hat sich nach und nach zum heute größten Internetportal rund um die Siebenbürger Sachsen entwickelt“. Kürzlich erst habe die Homepage „ein neues Gesicht auf dem neuesten technischen Stand“ bekommen. Lehni dankte den Webmastern, die darüber hinaus „mit der Betreuung und Umsetzung des digitalen Heimattags die entscheidende Arbeit geleistet“ hätten. Nicht zuletzt erinnerte der Bundesvorsitzende auch an das Jahr 1990, respektive den vor 30 Jahren begonnenen großen Exodus aus Siebenbürgen Richtung Deutschland, „zu einer Zeit, in der keiner wusste, wie es in Rumänien weitergehen wird“. Rainer Lehni äußerte seine Freude, „dass unser Bundesvorstand, die Siebenbürgisch-Sächsische Jugend in Deutschland (SJD), die Webmaster und weitere Mitstreiterinnen und Mitstreiter es geschafft haben, ein hoffentlich interessantes Programm zusammenzustellen“, zu dem er herzlich einlud.

Dinkelsbühl gleicht Geisterstadt

Dinkelsbühl wirke am diesjährigen Pfingstfest ohne die Tausenden Siebenbürger Sachsen „wie eine Geisterstadt“, befand Bürgermeisterin Nora Engelhard in ihrem Grußwort (siehe Dinkelsbühls Bürgermeisterin Nora Engelhard spricht bei Eröffnung Grußwort): „Wir vermissen das herzliche, lebhafte Stimmengewirr auf den Straßen und Gassen in unserer Altstadt.“
Nora Engelhard, Bürgermeisterin von Dinkelsbühl. ...
Nora Engelhard, Bürgermeisterin von Dinkelsbühl. Foto: Hermann Depner
Mit dem 35-jährigen Bestehen der am 25. Mai 1985 besiegelten Partnerschaft zwischen der Stadt Dinkelsbühl und dem Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland feiere man heuer ein „kleines Jubiläum“. Doch die gemeinsamen Beziehungen ließen sich weitere 35 Jahre zurückverfolgen, so Engelhard, nämlich bis ins Jahr 1951, als das erste bundesweite Treffen in der ehemaligen freien Reichsstadt Dinkelsbühl stattfand. Dieses 70-jährige Jubiläum werde man 2021 entsprechend nachfeiern, versicherte die Bürgermeisterin. Dann jähre sich zudem die 2001 eingegangene Städtepartnerschaft mit Schäßburg zum 20. Mal.

Erinnerung an Deportation wachhalten

Der Bundesvorsitzende erinnerte in seiner Gedenkansprache (Ansprache des Bundesvorsitzenden Lehni an der Gedenkstätte in Dinkelsbühl) an das Kriegsende vor 75 Jahren und an die Russlanddeportation. Die Deportation sei „ein einschneidendes Ereignis nicht nur für jeden Betroffenen, sondern für die gesamte sächsische Gemeinschaft“, betonte Rainer Lehni. Im Januar 1945 begann dieses „Martyrium für viele unserer Eltern oder Großeltern“, das für viele fünf lange und entbehrungsreiche Jahre dauern sollte. In den vergangenen Jahrzehnten sei zurecht viel über die Deportation geschrieben und erzählt worden. „Wir sind es unseren nachfolgenden Generationen schuldig, die Erinnerung daran wachzuhalten“, unterstrich der Bundesvorsitzende.

Botschafter für ein geeintes und friedliches Europa

Im Anschluss an den Solotrompeter, der u. a. das Siebenbürgenlied spielte, folgten die Grußworte in Form von Videobotschaften. „Zuhause und doch verbunden“ – dieses Motto passe „wunderbar“ in diesem besonderen Jahr und gerade für die Siebenbürger Sachsen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland und vor allem in Nordrhein-Westfalen ein neues Zuhause gefunden hätten, sagte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet in seinem Grußwort (siehe Armin Laschet: "Wir stehen aus historischer Verpflichtung und Überzeugung auf Ihrer Seite"). Denn die Siebenbürger Sachsen seien zugleich ihrer alten Heimat verbunden geblieben und dadurch zu „Botschafterinnen und Botschaftern für ein geeintes und friedliches Europa“ geworden.
Videobotschaft des nordrhein-westfälischen ...
Videobotschaft des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet
Dieser 70. Heimattag der Siebenbürger Sachsen sei auch aus anderen Gründen „ein schöner Anlass, Danke zu sagen“: nämlich für „die harte Arbeit, die Sie beim Wiederaufbau unseres Landes geleistet haben“; ebenso „für die reiche Kultur, die Sie aus Ihrer alten Heimat mit in Ihre neue Heimat gebracht haben“. Deshalb habe Nordrhein-Westfalen vor über 60 Jahren die Patenschaft für die Siebenbürger Sachsen übernommen. „Diese Verbundenheit erfüllen wir mit Leben“, unterstrich Ministerpräsident Laschet. Beispielhaft führte der CDU-Politiker den im vergangenen Jahr gestifteten Heimatpreis des Landes Nordrhein-Westfalen für die Siebenbürger Sachsen an. Zudem verfüge NRW über einen eigenen Landesbeauftragten für die Heimatvertriebenen, Aussiedler und Spätaussiedler. Laschet bekräftigte ein weiteres Mal die Unterstützung des Patenlandes Nordrhein-Westfalen hinsichtlich gerechter Renten für Spätaussiedler: „Auch das gehört für uns zum Dank, den wir Ihnen schulden.“

SJD digitaler Vorreiter

Die Corona-bedingte Absage des diesjährigen Heimattages in Dinkelsbühl bewertete der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Dr. Bernd Fabritius, als „besonnene und kluge Entscheidung“ (siehe Grußwort Bernd Fabritius: "Siebenbürgisch-sächsische Kultur im Internet erleben"), um ein ganz besonders hohes Ansteckungsrisiko für ältere Menschen, aber auch für jüngere, auszuschließen. Dessen ungeachtet freue er sich auf den digitalen Heimattag als generationenübergreifendes Erlebnis.
Dr. Bernd Fabritius, Beauftragter der ...
Dr. Bernd Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten
Der Bundesaussiedlerbeauftragte lobte die Vorbildfunktion der Siebenbürgisch-Sächsischen Jugend in Deutschland (SJD), die „uns schon lange vorgemacht (hat), dass man auch im digitalen Zeitalter von zu Hause aus Gemeinschaft pflegen kann und zusammen sein kann“. In diesem Sinne wünschte Fabritius „ein wunderschönes Erleben siebenbürgisch- sächsischer Kultur im Internet“.

Präsident Johannis verleiht Verband Medaille

Sergiu Nistor, Präsidialberater für Kultur im Präsidialamt von Rumänien, überbrachte die Grüße von Klaus Johannis und gab bekannt, „dass der Präsident von Rumänien dem Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland die Medaille zum 100-jährigen Jubiläum der Einheit Rumäniens verliehen hat“. Die Beitrittserklärung der Siebenbürger Sachsen zur Vereinigung Siebenbürgens mit dem Königreich Rumänien in Mediasch am 8. Januar 1919 sei ein „Ereignis von besonderer historischer Bedeutung“, das damit gewürdigt werde.

Durch ihren 70. Heimattag bewiesen die Siebenbürger Sachsen ihren Zusammenhalt und ihre Heimatverbundenheit, stellte Sylvia Stierstorfer, MdL, Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene, fest. Für die Leistungen der Siebenbürger Sachsen in den letzten 70 Jahren für den Freistaat Bayern gratulierte Stierstorfer herzlich auch im Namen der bayerischen Staatsregierung und des Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder. Die „geborenen Pioniere“ ständen seit jeher für „Mut, Tatkraft, Toleranz und Gemeinsinn und für die Liebe zur Heimat“. Der Digitale Heimattag 2020 wurde aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gefördert.

In seiner am Rheinufer in Düsseldorf aufgezeichneten Videobotschaft bedauerte Heiko Hendriks, Beauftragter der Landesregierung Nordrhein-Westfalen für die Belange von deutschen Heimatvertriebenen, Aussiedlern und Spätaussiedlern, dass sein fest geplanter erster Besuch des Heimattages in Dinkelsbühl in diesem Corona-Jahr nicht zustande komme. Umso mehr freue er sich auf das nächstjährige Pfingsttreffen. Wie das Land Nordrhein-Westfalen kennzeichne es auch die Siebenbürger Sachsen, „europäisch zu denken, aber der Heimat verbunden zu bleiben“.

Vorfreude auf Brukenthals 300. Geburtstag

Martin Bottesch übermittelte seine Grußworte vom ziemlich menschenverlassenen Großen Ring in Hermannstadt. Der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen in Siebenbürgen erinnerte an das hier vor einem Jahr stattgefundene Treffen der Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union. Der EU-Gipfel 2019 in Hermannstadt sei inzwischen aus dem Bewusstsein verschwunden angesichts der aus der Corona-Pandemie erwachsenen Probleme und Sorgen. Drei Monate lang sei es „unheimlich ruhig“ gewesen in Hermannstadt. Nun warte man auf das Wiedereinkehren der Normalität. Man habe die Hoffnung auf das Sachsentreffen im September in Großau noch nicht ganz aufgegeben. Im August 2021 stehe das Große Sachsentreffen in Hermannstadt an unter dem Motto „Brukenthal lädt ein“. 2021 jährt sich der Geburtstag von Baron Samuel von Brukenthal zum 300. Mal.
Aus seinem Wohnzimmer – im Hintergrund ertönt das Siebenbürgenlied –, übermittelte Bundesobmann Manfred Schuller herzliche Pfingstgrüße seitens des Bundesverbandes der Siebenbürger Sachsen in Österreich. Den Heimattag situationsbedingt nun digital zu begehen, sei eine „grandiose Idee“. Gerade in dieser Krisenzeit spüre man die Verbundenheit doch stärker als je; „und auch wir in Österreich sehnen uns nach diesen Wochen nach Kontakten zu unseren Landsleuten“: „Zuhause und doch verbunden“, das gelte „auch 75 Jahre nach Kriegsende“.

Bei diesem ersten virtuellen Heimattag müssten wir Siebenbürger Sachsen „ein anderes Verständnis unserer Gemeinschaft entwickeln“, sagte die Vorsitzende des Verbandes der Siebenbürgisch-Sächsischen Heimatortsgemeinschaften e.V., Ilse Welther, in ihrem Grußwort. Diese Herausforderung nähmen wir an, schließlich hätten die Siebenbürger immer Gemeinschaft gepflegt, „sei es in der Familie, im Dorf als auch in der Stadt, in der alten Heimat Siebenbürgen, und wir pflegen sie weiterhin in der neuen Heimat Deutschland und in Europa“. Ihr Verband werde sich im nächsten Jahr wieder mitgestaltend beim Heimattag einbringen.

Der Vorsitzende der Carl Wolff Gesellschaft (CWG), Reinhold Sauer, begrüßte die Verbandsentscheidung, einen digitalen Heimattag abzuhalten. Die CWG werde die seit zehn Jahren beim Heimattag erfolgreich veranstaltete Vortragsreihe zu wirtschaftlichen Themen auch künftig fortführen. Sauer wies auf verschiedene Förderinitiativen hin, nicht zuletzt auch die Unterstützung des Schlossvereins "Siebenbürgisches Kultur- und Begegnungszentrum Schloss Horneck e.V.“. Im September wollte man auf Schloss Horneck das 10-jährige Bestehen der Carl Wolff Gesellschaft begehen. Nun habe man schweren Herzens beschlossen, die Jubiläumsfeier um ein Jahr zu verschieben, verlautbarte der Vorsitzende.

Krise ist Zeit der Bewährung

Herzliche Grüße und Segenswünsche übermittelte Prof. Dr. Berthold Köber in seiner Funktion als Vorsitzender der Gemeinschaft Evangelischer Siebenbürger und Banater im Diakonischen Werk der EKD – Hilfskomitee e.V. Auf den ersten Blick fühle sich ein digitaler Heimattag an „wie ein Widerspruch in sich selbst“. Könnte er aber nicht doch auch eine Chance sein, fragte der Theologe. Das Pfingstfest erinnere uns daran, dass Gottes Geist uns neue, ungeahnte Möglichkeiten und Wege eröffne, und so fördere er auch „Kreativität und Einfallsreichtum“. Gerade in dieser Zeit erlebten wir staunend digitale Gottesdienste auch in den siebenbürgischen Heimatkirchen. Zwischen Gemeinschaftserleben und der Notwendigkeit, zuhause bleiben zu müssen, könne zudem eine „fruchtbare Spannung“ entstehen. Und so seien Krisenzeiten wie diese auch „Zeiten der Bewährung“. Die Gemeinschaft, ein bewährter Wert für uns Siebenbürger Sachsen, bedeute „Zusammengehörigkeit, füreinander da sein und einander beistehen, auch und gerade bei großen Herausforderungen“. Der Glaube und das Vertrauen auf Gott und seinen Geist „erhält und trägt diese Gemeinschaft, wie es uns die Pfingstbotschaft immer wieder verkündet“, erklärte Berthold Köber.

Das sehenswerte Video von der Eröffnung des digitalen Heimattages bereichern musikalische Beiträge der Siebenbürgischen Kantorei, Ausschnitte aus dem in Dinkelsbühl 2009 gegebenen Festkonzert „Die Lieder des Georg Meyndt“ in der Bearbeitung für gemischten Chor und Klavier von Prof. Heinz Acker, mit Ilse Maria Reich am Klavier.
Eröffnung des Digitalen Heimattages 2020. Collage ...
Eröffnung des Digitalen Heimattages 2020. Collage von Günther Melzer

Kompakte Programmvielfalt

Statt der über halbjährigen Planungs- und Organisationszeit eines ordentlichen Heimattags wurde dieser digitale Heimattag in nur wenigen Wochen turboschnell realisiert: in enger Kooperation des Verbandes der Siebenbürger Sachsen und seines Bundeskulturreferates mit den Webmastern von Siebenbuerger.de und der Siebenbürgisch-Sächsischen Jugend in Deutschland (SJD), die bemerkenswerte Akzente in der Programmgestaltung setzte (siehe Digitaler Heimattag oder auch #DaHeimattag2020). Die angebotene Bandbreite an Veranstaltungen war trotz der widrigen Umstände beachtlich und umfasste neben der Eröffnungsveranstaltung u. a. Bandauftritte im Livestream, Humor und Mundart, Trachtenschau und Kochshow, Nachwuchsveranstaltung, Live-Gespräche, darunter ein Interview mit dem Bundesvorsitzenden Rainer Lehni, eine Literaturlesung von Iris Wolff, die Vorstellung einer Deportationsausstellung durch Dr. Irmgard Sedler, natürlich Pfingstbotschaft und Trachtenumzug (Aufzeichnung des Trachtenumzugs vom Heimattag 2019), Blaskapellenmusik, nicht zu vergessen den von der Netzgemeinde überschwänglich gefeierten Siebenbürgen-Film von Eduard Schneider. Sämtliche Programmangebote des Digitalen Heimattages 2020 bleiben dauerhaft als Video abrufbar auf dem YouTube-Kanal von Siebenbuerger.de.

Die Webmaster von Siebenbuerger.de vermelden beeindruckende Abrufzahlen im Internet, auf Facebook und YouTube (siehe Ein Heimattag zwischen Bildschirmen: Digitaler Heimattag aus Sicht der Webmaster), die – neben der in Zuschriften erhaltenen großartigen Resonanz – das Unternehmen „Digitaler Heimattag 2020“ nachdrücklich bestätigen. Auch Bundesgeschäftsführerin Ute Brenndörfer kann ein erstes positives Fazit ziehen: „Alles in allem war der Digitale Heimattag 2020 ein gelungener Auftritt im Internet, der einen Hauch von Nostalgie, Heimat und Sehnsucht vermitteln konnte, aber auch Aktualität und Verbundenheit, die wir durch die Kranzniederlegung an der Gedenkstätte, durch die aktuellen Grußworte bei der Eröffnung und die Live-Übertragungen unserer Musikgruppen erfahren konnten. Die Vorbereitungen für einen regulären Heimattag beginnen immer sehr frühzeitig, so auch für den Heimattag 2020. Sechs bis acht Monate im Voraus findet sich das Heimattagteam, gebildet aus Ehrenamtlichen und Mitarbeitern der Geschäftsstelle, zusammen und beginnt mit der Organisation des größten Festes des Verbandes. Es werden Ideen gesammelt, Kulturgruppen und Standbetreiber angefragt, der Zeltplatz und das Festzelt organisiert, Listen erstellt, Einladungen entwickelt, ein Motto gesucht, das Festabzeichen designed, Unterkünfte reserviert, mit der Stadtverwaltung Dinkelsbühl kommuniziert u. v. m. Als der Heimattag abgesagt wurde, war schon einiges geleistet, nun war ein Umdenken gefragt. In kürzester Zeit wurde der Heimattag ins Netz verlegt. Erfahrungen dieser Art gab es noch keine. Umso mehr können wir stolz sein auf das Team und auf unsere Jugend, die mit ihren Impulsen den digitalen Heimattag begleitet und uns auf eine digitale Reise mitgenommen haben. Die entstandenen Kosten nehmen wir gerne in Kauf, die dank vielfältigem ehrenamtlichen Einsatz, aber auch dank einer Förderung des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gemildert wurden. Herzlichen Dank an alle Beteiligten und Helfer.

Das Festabzeichen 2020 können Interessierte weiterhin mit der Angabe ihrer Adresse von der Geschäftsstelle erhalten. Gegen eine Spende von 10 Euro können diese das Festabzeichen 2020 am Heimattag 2021 vor Ort in Dinkelsbühl abholen oder bei einer Spende ab 15 Euro schicken wir ihnen das Festabzeichen 2020 per Post zu. Spendenbescheinigungen können ab einem Spendenbetrag von 50 Euro auf Wunsch ausgestellt werden.“

Neue Räume eröffnet / Virtualität bleibt hinter Wirklichkeit zurück

Rückblickend betrachtet bestehen gewiss erhebliche qualitative Unterschiede zwischen einem privat am Bildschirm verfolgbaren digitalen Heimattag und dem alle Sinne beanspruchenden öffentlichen Live-Erlebnis in Dinkelsbühl.

„Wirklichkeit kann nicht ersetzt werden, wie die unfassbar kostbare Zeit unserer eigenen Existenz“, sagte einst der kürzlich in New York verstorbene Aktionskünstler Christo (spektakuläre Reichstagsverhüllung im Jahr 1995). „So ist die Welt, so ist der Mensch. Alles existiert, um zu verschwinden. So ist auch unsere Kunst nichts, was besessen, erworben oder behalten werden könnte. Diese Vergänglichkeit macht ihre Freiheit aus. Und ihre Schönheit.“

Die vor Ort in Dinkelsbühl entstandenen Begegnungen, Wahrnehmungen und Erfahrungen besitzen eine Weite und Tiefe, die virtuelle Realität nicht bieten kann. Umso erstaunlicher dann doch, was in der Kürze der Zeit mit vereinten kreativen Kräften auf die „virtuelle Bühne“ unseres digitalen Heimattages im World Wide Web gebracht wurde. Das konzentrierte Programmangebot bot in seiner Vielfalt durchaus berührende Momente, provozierte Nachdenklichkeit, aber auch Heiterkeit, bot musikalische Unterhaltung, literarischen Genuss, in lockerer Gesprächsatmosphäre den Blick hinter die Kulissen der Verantwortlichen, veranschaulichte Traditionspflege, eröffnete interaktive Räume und förderte das Gemeinschaftsgefühl – „Zuhause und doch verbunden“ eben.

Christian Schoger


Schlagwörter: Digitaler Heimattag 2020, Corona, Dinkelsbühl, Internet, Verband, SJD, Webmaster, Siebenbuerger.de, Rainer Lehni, Engelhard, Armin Laschet, NRW, Bernd Fabritius, Hendriks, Stierstorfer, Schuller, Welther, Bottesch, Köber, Sauer

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