5. August 2004

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Landlertreffen in Bad Goisern: "270 Jahre Transmigration"

Vor 270 Jahren erfolgte die erste Transmigration (Deportation) von Protestanten aus dem Salzkammergut nach Siebenbürgen. Anlässlich dieses auch für die siebenbürgisch-sächsische Geschichte beachtenswerten Ereignisses findet am 14.-15. August 2004 in Bad Goisern (Oberösterreich) eine Gedenkveranstaltung statt, wo gemeinsam der Vorfahren des landlerischen Bevölkerungsteils von Neppendorf, Großau und Großpold gedacht werden soll.
Die Deportation vor 270 Jahren erfolgte mit unsäglicher Härte und geschah unter gänzlicher Missachtung der persönlichen Würde und Freiheit. Sie verloren dabei nicht nur ihre Heimat, sondern sehr oft auch ihre Familie, ihr Eigentum und viele auch ihr Leben. Diese Menschen blieben ihrem evangelisch-lutherischem Glauben aus tiefster Überzeugung treu und nahmen die Deportation in das ferne, ihnen unbekannte Siebenbürgen in Kauf in der Hoffnung, dort als freie Menschen ihren Glauben offen und ungehindert leben zu können.

Karte mit den eingezeichneten Deportationswegen der Landler nach Siebenbürgen. Dieser unbeschreibliche Leidensweg der Deportierten erfolgte zu Schiff auf der Donau von Linz bzw. Ybbs über Wien, Budapest (Ofen) und dann über den Begakanal bis Temeswar. Von dort ging es zu Fuß oder mit Wägen bis Deva und dann weiter nach Hermannstadt, oder sie wurden gleich auf ihre neuen Wohnsitze auf dem flachen Lande verteilt.
Karte mit den eingezeichneten Deportationswegen der Landler nach Siebenbürgen. Dieser unbeschreibliche Leidensweg der Deportierten erfolgte zu Schiff auf der Donau von Linz bzw. Ybbs über Wien, Budapest (Ofen) und dann über den Begakanal bis Temeswar. Von dort ging es zu Fuß oder mit Wägen bis Deva und dann weiter nach Hermannstadt, oder sie wurden gleich auf ihre neuen Wohnsitze auf dem flachen Lande verteilt.

Die meisten der etwa 3 000 Deportierten und deren Nachkommen fanden, nach anfänglich oft sehr großen Schwierigkeiten in den zugewiesenen sächsischen Gemeinden, in Siebenbürgen eine neue Heimat. Die innere seelische Stärke, ihr tiefer Glauben, ihr Fleiß und die Genügsamkeit, die sie kennzeichneten, gaben ihnen die Kraft, ebenbürtige und tüchtige Bürger ihrer Gemeinden zu werden und ihrer mitgebrachten Lebensart treu zu bleiben. Das bewiesen nicht nur die landlerischen Bewohner der drei genannten Gemeinden, sondern auch viele tüchtige und bekannte Persönlichkeiten verschiedener sächsischer Ortschaften, die mit großer Achtung ihrer aus Österreich deportierten Vorfahren gedenken.




Ein alter Transmigrant und eine jüngere Transmigrantin. Federzeichnung in der Leonhardischen Sammlung im Brukenthalmuseum.
Ein alter Transmigrant und eine jüngere Transmigrantin. Federzeichnung in der Leonhardischen Sammlung im Brukenthalmuseum.


Zu der Gedenkfeier "270 Jahre seit der ersten Transmigration aus dem Salzkammergut nach Siebenbürgen" werden alle Siebenbürger, die Nachkommen deportierter österreichischer Protestenten sind oder Interesse an diesem Thema haben, für den 14./15. August 2004 nach Bad Goisern eingeladen.

Das Programm: Samstag, den 14. August, 17.00 Uhr: Festveranstaltung in der evangelisch-lutherischen Kirche Goisern mit Grußworten seitens der politischen und kirchlichen Vertreter von Goisern. Danach Kurzvorträge von Vertretern der Gemeinde Goisern und der drei Landlergemeinden mit musikalischer Umrahmung. Um 20.00 Uhr gemütliches Beisammensein bei Musik und Tanz im Vereinswirtssaal Bad Goisern. Frau Zauner und ihr Team werden die Gäste gut verpflegen.

Sonntag, den 15. August: 9.00 Uhr Festgottesdienst. Um 14.00 Uhr, nach dem Mittagessen: Wanderung zum Predigtstuhl, zu jenem Ort, wo sich die Ahnen der Landler geheim trafen, um das „reine“ Wort Gottes zu hören. Die Führung und eine Kurzandacht übernimmt ein Vertreter der Kirche aus Goisern. Wer diesen zwei Stunden langen Weg nicht gehen kann, kann ein schönes Angebot auf der leicht erreichbaren Rossmoos-Alm wahrnehmen.

Zimmerreservierungen sind beim Tourismusverband Bad Goisern, Martina Otol, Telefon: (0 61 35) 83 29 (Vorwahl für Österreich: 00 43), E-Mail: info@inneres-salzkammergut.at, vorzunehmen. Das Landlermuseum in Bad Goisern wird entsprechende Öffnungszeiten anbieten.

Frank Schartner


Das sogenannte Landlerfenster (das nördliche Kreuzschiff-Fenster) im Chor der Stadtpfarrkirche in Hermannstadt. Es wurde im Jahr 1908 von  Nachkommen osterreichischer Protestanten gestiftet. Dieses zum Gedenken ihrer nach Siebenbürgen transmigrierten Vorväter. Das Landlerfenster“, mit schönem farbigen Teppichmuster und der Widmung, ließen die Spender bei der Tiroler Glasmalerei-Firma in Wien auf ihre Kosten herstellen und einsetzen.
Das sogenannte Landlerfenster (das nördliche Kreuzschiff-Fenster) im Chor der Stadtpfarrkirche in Hermannstadt. Es wurde im Jahr 1908 von Nachkommen osterreichischer Protestanten gestiftet. Dieses zum Gedenken ihrer nach Siebenbürgen transmigrierten Vorväter. Das Landlerfenster“, mit schönem farbigen Teppichmuster und der Widmung, ließen die Spender bei der Tiroler Glasmalerei-Firma in Wien auf ihre Kosten herstellen und einsetzen.

Schlagwörter: Landler, Deportation, Österreich, Transmigration

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