25. Oktober 2007

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HOG-Verband tagte in Bad Kissingen: Dialog mit Heimatkirche intensiviert

Die geplante Neufassung der Satzung der Landsmannschaft eröffnet neue Chancen für Zusam­menarbeit zwischen der Landsmannschaft und den Heimatortsgemeinschaften. Dies stellten die Vertreter der siebenbürgisch-sächsischen Heimatortsgemeinschaften bei ihrer vierzehnten Tagung vom 19. bis 21. Oktober im Heiligenhof zu Bad Kissingen fest. In einem sehr informativen Referat berichtete Hauptanwalt Friedrich Gunesch über die gute Zusammenarbeit der Heimatkirche mit dem HOG-Verband und das zähe Ringen um die Rückerstattung des kirchlichen Eigentums in Rumänien.
In seinem Grußwort berichtete Dekan i.R. Hermann Schuller, Vorsitzender des Hilfskomi­tees der Siebenbürger Sachsen und evangelischen Banater Schwaben, über einen Besuch in einem sich verändernden Siebenbürgen, wo Rumänen ihre sächsischen Nachbarn zur letzten Ruhestätte geleiten und wo Hilfe weiterhin nötig sei. Im Laufe der Zeit seien viele Verletzun­gen geschehen, aber es gebe keinen anderen Weg in die Zukunft als den der Versöhnung und Aufarbeitung der Vergangenheit.

Seitens der Stiftung Siebenbürgische Biblio­thek wiesen Vorstandsvorsitzender Hatto Schei­ner und stellvertretender Vorsitzender Wilhelm-Georg Hietsch auf die Bedeutung der „Natio­nalbibliothek“ in Gundelsheim hin und baten um Unterstützung für die in ihrer Existenz bedrohte Einrichtung. Diesem Aufruf kam Roland Hönig schon am Samstagnachmittag nach: In einer kurzweiligen Show erzauberte er unter den Anwesenden eine Spende von 450 Euro für die Bibliothek. 95 Teilnehmer, das sind rund 30 Prozent mehr als ...95 Teilnehmer, das sind rund 30 Prozent mehr als 2005, vertraten 74 Heimatortsgemeinschaften bei der 14. HOG-Versammlung vom 19. bis 21. Oktober 2007 in Bad Kissingen. Foto: Petra Reiner Dr. Bernd B. Fabritius, Vorsitzender der Lan­des­gruppe Bayern und stellvertretender Bundes­­vor­sitzender der Landsmannschaft, überbrachte Grüße seitens des Bundesvorstandes und plädierte für eine Wiederbelebung unseres „kollektives Selbstverständnisses“. Diese könne der Verbandstag vom 3. und 4. November 2007 durch die Verabschiedung einer Neufassung der Satzung, die Ausdruck einer grundlegenden Änderung sei, erreichen. Die Landsmannschaft, die ihren Namen in „Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V.“ ändern könnte, öffne sich dabei für andere Organisationen. Für den Beitritt des HOG-Verbandes und anderer Vereine gebe es noch keine Patentrezepte, deshalb biete man ergebnisoffene Verhandlungen „auf gleicher Augenhöhe“ an. Die vielseitigen Aufgaben der verschiedenen Organisationen blieben erhalten, eine „Vereinnahmung“ durch die Landsmannschaft sei nicht zu befürchten, stellte Fabritius in einer lebhaften Diskussion klar. Die HOG-Vertreter, die zugleich Mitglied der Landsmannschaft sind, zeigten ein großes Interesse an der neuen Satzung und beschlossen, quasi in letzter Minute, einige Anträge in den Verbandstag einzubringen.

HOG-Verband zeigt großes Interesse an einer Öffnung der Landsmannschaft

Eine Neufassung der Satzung würde auch Mi­chael Konnerth, der Vorsitzende des Verbandes der Siebenbürgisch-Sächsischen Heimatortsgemeinschaften, begrüßen. Die neue Satzung weise in die Zukunft und ermögliche eine Mitarbeit aller Organisationen. Dank der guten Zusammenarbeit mit der Landsmannschaft habe Kon­nerth die Vorstellungen des HOG-Verbandes in die Arbeit des Satzungsausschusses eingebracht. Wie der Vorsitzende berichtete, habe der HOG-Verband seine Tätigkeiten in den letzten zwei Jahren intensiviert. Auf einer Reise vom 15.-27. August 2007 hatten sich die HOG-Vertreter über die aktuelle Lage unserer Lands­leute in Siebenbürgen informiert sowie bei einer „sehr konstruktiven Tagung“ und zahlreichen Gesprächen mit der Kirchenführung über gemeinsame Aufgaben beraten. Dem HOG-Verband seien bisher 129 Mitglieder beigetreten, das seien Heimatortsgemeinschaften, die nach Kon­nerths Schätzungen insgesamt 60 000 aktive Mitglieder zählten. Diese Vereine setzen sich vielseitig für den Zusammenhalt der Landsleute, die Brauchtumspflege, Dokumentation und den Erhalt des Kulturerbes ein. Konnerth kündigte an, dass der HOG-Verband den Heimattag der Siebenbürger Sachsen 2009 in Dinkelsbühl mit ausrichten werde. Die HOG-Regionalgruppe Bur­zenland hatte das Pfingsttreffen 1998 mitgestaltet, 2003 war der HOG-Verband erstmals im Ein­satz. Eine positive Finanzbilanz ging aus dem Bericht von Kassen­wartin Maria Stirner hervor.

Zähes Ringen um die Rückgabe des kirchlichen Eigentums

Diese HOG-Tagung hätte nach Ansicht von Friedrich Gunesch, Hauptanwalt der Evangeli­schen Kirche A.B. in Rumänien, genauso gut auch in Siebenbürgen stattfinden können. Beide, Kirche und Heimatortsgemeinschaften, verfolgten nämlich sehr ähnliche Ziele beim Er­halt und der Sicherung unserer Kulturgüter, erklärte Gu­nesch. Die Kirchenleitung wisse den Einsatz der Heimatortsgemeinschaften in Siebenbürgen zu schätzen. Das Landeskonsistorium arbeite seit mehreren Jahren mit dem HOG-Ver­band und auch mit Heimat­ortsgemeinschaften wie jener aus Donnersmarkt sehr gut zusammen, führte Gunesch in seinem anschließenden Referat aus. Nach dem Massenexodus der neunziger Jahre sei „die Rückgabe und Nutzung der nach 1944 enteigneten Güter die einzige Möglichkeit, aus eigener Kraft zu einer Selbständigkeit zurückzu­kehren, die durch eine 86-prozentige Schrump­fung nach 1990 heute nicht mehr gegeben ist“. Die Gesamtkirche zählt zurzeit rund 14 000 Seelen. Vielen evangelischen Kirchengemeinden wurden zwar nach 1990 zunächst 5, dann 10 und schließlich bis zu 30 Hektar rückerstattet, aber meist unproduktiver und ungünstig gelegener Grund. Erhebliche Probleme ergeben sich bei der Bodenrückgabe durch die „Verzöge­rungstaktik, Übergriffe und Prozesse“ der rumä­nischen Kommissionen.

Die Verzögerungstaktik und Prozesse des rumänischen Staates

Der Spezialkommission in Bukarest wurden seitens unserer Kirche 1 100 Anträge auf Gebäude­rückgabe vorgelegt, nur jeder fünfte Fall wurde bisher erledigt, wenn auch manchmal negativ. Dass nur wenige Gebäude erstattet wurden, liege jedoch weniger an der Behörde in Bukarest, sondern daran, dass zunächst Annulierungsprozesse der vom Staat widerrechtlich veräußerten Gebäude anstanden und die nötigen Daten und Beweise nur schleppend vervollständigt werden, entweder vom ehemaligen kirchlichen Eigentümer oder dem staatlichen Nutznießer. Selbst der Stadtrat von Hermann­stadt habe (in vielen Fällen nach 2002) rund 80 Prozent der Wohnungen und andere Nutzflächen aus dem ehemaligen kirchlichen Eigentum veräußert, trotz Einwänden der Kirche. Und wenn manche Bescheide der Buka­rester Kommission positiv ausfallen, werden sie vom Staat oder den interessierten Käufern angefochten. Während in Karlsburg zu hundert Prozent korrekt entschieden wird, herrscht bei anderen lokalen Gerichtsinstanzen oder einzelnen Richtern, beispielsweise in Hermannstadt, eine negative Einstellung vor. Hier verliert die Kirche die Prozesse regelmäßig. „Hier ist von den politischen und gesetzlichen Prinzipen einer Wiedergutmachung und Rückgabe wenig zu spüren“, kritisierte Gunesch. Das Landeskonsis­torium habe bereits 35 Prozesse beim Europäi­schen Gerichtshof in Straßburg eingeleitet. Nach dem langjährigen Kampf, hohem personellen und finanziellen Einsatz sowie kostspieliger Überschreibung ins Grundbuch stehe die Kirche dann vor einer weiteren großen Herausforde­rung: der Nutzung und Verwen­dung der rückerstatteten kirchlichen Immobilien. Sie stellten sich einer lebhaften Diskussion bei ...Sie stellten sich einer lebhaften Diskussion bei der 14. HOG-Tagung in Bad Kissingen: Michael Konnerth, Vorsitzender des HOG-Verbandes, Hauptanwalt Friedrich Gunesch, Dr. Bernd Fabritius, Stellvertretender Bundesvorsitzender der Landsmannschaft, sowie Werner Henning und Karl-Heinz Brenndörfer, Stellvertretende Vorsitzende des HOG-Verbandes. Foto: Petra Reiner Dekan Hermann Schuller würdigte den Ein­satz der Heimatkirche und wies auf die schweren Arbeitsbedingungen hin, die sich aus der Tatsache ergeben, dass „hier sehr viele und dort nur wenige sind“. Die HOG-Vertreter richteten einen herzlichen Dank an die Heimatkir­che für ihren außerordentlichen Einsatz unter schwierigen Bedingungen.

Kulturerbe gemeinsam sichern

In der anschließenden Diskussion wurde deut­lich, dass sich viele Heimatortsgemeinschaften mit beachtlichen Mitteln für den Erhalt des Kul­turgutes und der Gemeinschaftsbauten in Sie­ben­bürgen einsetzen, aber im Gegenzug auch ein Mitspra­cherecht bzw. transparente Infor­ma­tionen haben möchten. Hauptanwalt Friedrich Gunesch empfahl den HOGs, Verträge mit den Kirchengemeinden oder dem zuständigen Kir­chenbezirk abzuschließen, wobei sich Erstere verpflichten, das jeweilige Projekt zu finanzieren und Letzere Bericht zu erstatten über die Verwendung der Spenden. Zudem äußerten die Vertreter der Heimatortsgemeinschaften den Wunsch, beim eventuellen Verkauf von Kir­chen, Pfarrhäusern und anderen Gemeinschaftsbau­ten bevorzugt zu werden. Dies Anliegen ist für Hauptanwalt Gunesch selbst­verständlich, manche Probleme ergeben sich mit den Kirchenbe­zirken und den Gemeinden. Gunesch betonte, dass Kooperation und Information wichtiger denn je seien, sowohl mit dem HOG-Verband als auch mit den einzelnen HOGs. Das Landeskir­chenkonsistorium sei jedes Mal bereit, mitzuhelfen, in juristischen wie finanztechnischen, in organisatorischen wie bautechnischen Fragen beizustehen.

Für seine Verdienste um die siebenbürgisch-sächsische Gemeinschaft, speziell um den Chor und die Blaskapelle Reußmarkt, wurde Wilhelm Spielhaupter mit der Goldnadel des HOG-Ver­bandes geehrt. Spielhaupter ist Vorsitzender der Heimatortsgemeinschaft Reußmarkt und Spre­cher der HOG-Regionalgruppe Unterwald.

HOG-Leitfaden erschienen

Der kürzlich erschienene „Leitfaden für die Arbeit in den Siebenbürgisch-Sächsischen Hei­matortsgemeinschaften“ soll den Verantwortli­chen helfen, ihre vielseitigen Aufgaben wahrzunehmen. In diese Broschüre hat Karl-Heinz Brenndörfer, stellvertretender Vorsitzender des HOG-Verbandes, seine fast 20-jährigen praktischen Erfahrungen bei der Führung einer Hei­matortsgemeinschaft und bei der Herausgabe des Heimatblattes „Wir Heldsdörfer“ einfließen lassen. Brenndörfer empfiehlt, die Handrei­chun­gen stets an das Spezifische und Charakteristi­sche einer jeden Ortschaft anzupassen.

Neuer Burzenland-Film präsentiert

Der Regisseur Günter Czernetzky zeigte am Freitagabend eine letzte Arbeitsfassung seines neuen „Burzenland“-Filmes, der eine Sieben­bürgenreise im Mai 2006 und die aktuelle Lage in und um Kronstadt dokumentiert. Der Film wird noch vor Weihnachten fertiggestellt und kann jetzt schon bei allen Burzenländer Hei­matortsgemeinschaften bestellt werden.

In einem Grußwort am Samstag erklärte der Schäßburger Filmemacher: „Ich bin stolz, ein HOG-ler zu sein.“ Die Heimatortsgemeinschaf­ten seien demokratische Einrichtungen, die von unten gewachsen und stets bestrebt seien, neue Perspektiven für ihre Landsleute zu entwickeln, die nach ihrer Auswanderung nicht alle glücklich seien. Am Sonntag, kurz vor der Heimreise, wählten die Tagungsteilnehmer Czernetzky zu ihrem neuen Medienreferenten.

Günther Czernetzky, der auch stellvertretender Vorsit­zender der Interessenvertretung Resti­tution in Rumänien e.V. ist, berichtete zusammen mit einem Juristen und dem Webmaster des Vereins (www.resro.eu) über zahlreiche Miss­stände der rumänischen Behörden. Der Verein mit Sitz in Königsbrunn bei Augsburg setzt sich beratend und durch Austausch von Erfahrungen für die Rückgabe zwangsenteigneter Immobilien und Grundstücke in Rumänien ein.

Pfarrer Hans-Gerald Binder wies in der Mor­genandacht am Sonntag auf die Gleichheit der Völker vor Gott hin. Musikalisch umrahmt wurde das geistliche Wort von Siegfried Krempels am Harmonium. In einer Schweigeminute wurde der in den letzten zwei Jahren verstorbenen Mitglie­der gedacht, darunter Kurt Wagner (Agnetheln und Regionalgruppensprecher Harbachtal) und Hans Klein (Gießhübel/Schellenberg).

An der erfolgreichen Tagung nahmen 95 Vertreter von 74 HOGs teil, darunter viele neue und auch junge Amtsträger. Lukas Geddert (Pruden) wurde als neuer Sprecher der Regio­nalgruppe Schäßburger Raum gewählt, die Re­gionalgrup­pe Repser Umland hat nach längerer Vakanz wieder eine Sprecherin: Ilse Welther (Felmern).

Studienleiter Gustav Binder, ehemaliger Ge­schäftsführer des Siebenbürgen-Instituts in Gun­delsheim, betreute seine Landsleute bestens in der Tagungsstätte „Heiligenhof“. Er freut sich, dass die Siebenbürger Sachsen immer öfter nach Bad Kissingen kommen. Sein Vorhaben, in der sudetendeutschen Einrichtung eine „siebenbürgische Programmlinie“ aufzubauen, dürfte er damit in großen Zügen schon realisiert haben.

Siegbert Bruss

Schlagwörter: HOG-Verband, Siebenbürgenhilfe, Kirche und Heimat

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