4. März 2009

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Horst Köhler würdigt Aussiedler als europäische Brückenbauer

Bundespräsident Horst Köhler hat das positive Wirken der Deutschen in Osteuropa am Beispiel Hermannstadts gewürdigt. Das Staatsoberhaupt hatte die Europäische Kulturhauptstadt 2007 besucht und war beeindruckt, wie die deutsche Kultur im dortigen deutschsprachigen Brukenthal-Gymnasium von mehrheitlich rumänischen Schülern gepflegt werde und Bürgermeister Klaus Johannis, ein Siebenbürger Sachse, die Geschicke der Stadt bestimme. Beim Empfang des Präsidiums des Bundes der Vertriebenen (BdV) am 16. Februar 2009 in seinem Amtssitz Schloss Bellevue in Berlin ermunterte Köhler die Vertriebenen und Aussiedler, weiterhin als Brückenbauer zwischen alter und neuer Heimat aktiv zu sein.
Der deutsche Bundespräsident wies gleich zu Beginn des Gesprächs auf seine bessarabiendeutsche Herkunft hin und freute sich sichtlich über das Zustandekommen dieses Austauschs. Episoden aus seiner Kindheit als Flüchtlingskind im württembergischen Ludwigsburg zeigten, dass die Integration in den Nachkriegsjahren nicht einfach gewesen sei. An dem Gespräch war der Verband der Siebenbürger Sachsen durch ihren Bundesvorsitzenden Dr. Bernd Fabritius und den stellvertretenden Bundesvorsitzenden und Bundesjugendleiter Rainer Lehni vertreten, die beide Mitglieder im Präsidium dieser Dachorganisation der Vertriebenen und Aussiedler sind.

BdV-Präsidentin Dr. Erika Steinbach bezeichnete die Vertriebenen und Aussiedler als elementaren Teil des deutschen Volkes. Ihre Leistung beim Wiederaufbau des Landes nach dem Zweiten Weltkrieg sei im sechzigsten Jahr seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland besonders zu würdigen. Die CDU-Politikerin wies auf den zwanzigsten Jahrestag seit dem Berliner Mauerfall hin. Erst seit diesem Ereignis hätten die in der damaligen DDR lebenden Vertriebenen die Möglichkeit gehabt, sich zu organisieren. Der BdV hat heute Verbände in allen Bundesländern, hinzu kommen 21 Verbände und Landsmannschaften der jeweiligen Herkunftsgebiete. Der Bundespräsident wurde gebeten, bei seinen Auslandsbesuchen auch die dort lebenden deutschen Minderheiten in das Besuchsprogramm mit einzubeziehen. Steinbach regte an, z.B. in Neujahrsansprachen auch die im Ausland lebenden Deutschen zu erwähnen und damit ein Zeichen zu setzen, dass sie nicht vergessen seien. Ein kürzlich erschienener Integrationsbericht bescheinigte den Aussiedlern eine sehr gelungene Eingliederung in die bundesdeutsche Gesellschaft. Steinbach kündigte für diesen Sommer eine Ausstellung der Stiftung „Zentrum gegen Vertreibungen“ in Berlin an, die die Siedlungen und Kulturgüter der Deutschen außerhalb der Grenzen des früheren Deutschen Reiches thematisieren werde.

Bundesvorsitzender Dr. Bernd Fabritius ging im Gespräch mit dem Bundespräsidenten auf die Mittlerrolle der Siebenbürger Sachsen in Deutschland zu ihren Landsleuten in Siebenbürgen ein. Im Rahmen der Föderation seien die Siebenbürger Sachsen weltweit vernetzt und arbeiteten hervorragend zusammen. Der Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland nehme nicht nur eine Brückenfunktion zwischen den Menschen hier und dort, sondern auch zu dem offiziellen Rumänien wahr. Fabritius regte an, diesen Aspekt im Rahmen zwischenstaatlicher Kontakte zu nutzen.

Der allgemein gute Ruf der Deutschen in Rumänien komme ihrer Brückenfunktion zugute und sei mit ein Grund für die Wahlerfolge des Demokratischen Forums der Deutschen. Die Einbindung der Forumsvertreter in Regierung und Parlament sei ein wichtiger und hilfreicher Aspekt für die noch in Siebenbürgen lebenden Landsleute. Bundespräsident Köhler sagte zustimmend: „Es ist wichtig, dass wir mehr machen aus den bestehenden guten Kontakten zwischen den Menschen hier und drüben.“

An mehreren Beispielen verdeutlichten die Gesprächsteilnehmer die guten zwischenmenschlichen Beziehungen auf kommunaler und regionaler Ebene in den Herkunftsgebieten. Während sich die Beziehungen zu den Regierungsstellen in Polen zurzeit problematisch gestalteten, pflegten die landsmannschaftlichen Verbände der Deutschen aus Rumänien einen konstruktiven Dialog zu Bukarest, betonten mehrere Redner.

Thematisiert wurde auch die besondere Lage der Deutschen in Russland, die heute verstreut in der Russischen Föderation und mehreren postsowjetischen mittelasiatischen Staaten leben. Rund 2,8 Millionen Menschen dieser Gruppe leben heute in Deutschland und sind laut erwähntem Integrationsbericht weit besser integriert, als das bisher in der Öffentlichkeit bekannt war.

Das Gespräch mit Bundespräsident Horst Köhler verlief in einer sehr offenen und freundschaftlichen Atmosphäre. Dem Bundespräsidenten, der sich im Mai dieses Jahres zur Wiederwahl stellt, wünschte das Präsidium des BdV alles Gute.

Rainer Lehni

Schlagwörter: Bundespräsident, BdV, Verband, Föderation

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